Mit der Kraft des Wassers zu neuer Stärke

Hemer..  Eigentlich wollten wir ja nicht mehr über Heuschrecken sprechen. Aber am Ende des Interviews fällt das Wort dann doch. Michael Rauterkus, neuer Chef von Grohe, findet die dauer-hungrigen Insekten gar nicht so schlimm – im übertragenen Sinne wohlgemerkt. Denn als es Grohe vor ein paar Jahren gar nicht gut ging, brachten Finanzinvestoren, von Franz Müntefering umgehend als gefräßige Heuschrecken bezeichnet, das Unternehmen in die Schlagzeilen. Heute sagt Rauterkus: „Die Krise damals hat uns stärker gemacht.“

Damals, das war 2006. Grohe musste fast 1000 Menschen kündigen, schloss ein Werk in Ostdeutschland und leitete andere schmerzhafte Sparmaßnahmen ein, weil ausländische Private-Equity-Firmen den Laden aufmöbeln wollten, um ihn wieder zu verkaufen. Aber das ist Geschichte.

„Wir bleiben selbstständig“

Denn sie haben verkauft. Vergangenes Jahr übernahm die japanische Lixil-Gruppe den Armaturenhersteller aus dem Sauerland. Heute, am 1. April, wird Grohe ganz offiziell in die Lixil Water Technology (LWT) eingereiht; dort bündelt der japanische Großkonzern mit den Kern-Marken American Standard (USA), Joyou (China), Lixil/Inax (Japan) und eben Grohe das weltweite Sanitärgeschäft. Die Führung von LWT übernimmt ein alter Bekannter: David Haines, ehemaliger Chef von Grohe.

„Wir bleiben aber selbstständig“, betont Rauterkus. Die Bezeichnung „Armaturenhersteller“, die greift allerdings nun zu kurz. Denn die Kooperation mit den anderen Lixil-Töchtern hat auch zur Folge, dass die Sauerländer sich zu einem Komplett-Ausstatter für Badezimmer entwickeln. Und deshalb sind im mondänen Show-Room in der Düsseldorfer Konzernzentrale nun nicht mehr nur blank polierte Duschköpfe und glitzernde Wasserhähne zu sehen, sondern auch höherpreisige Wannen, Dusch-WCs und Badezimmermöbel.

„Die Kunden wollen nicht lange suchen, sondern wünschen sich Komplettlösungen“, erklärt Rauterkus die eine Seite dieser neuen Strategie. Die andere verbirgt sich hinter dem Wort Synergieeffekte – und hinter einem Beispiel: „Wir können schneller auf Technologien zurückgreifen und verringern unsere eigenen Entwicklungskosten“, sagt der 47-Jährige. „So haben wir beispielsweise gerade eine Armaturen-Kartusche in unser Programm aufnehmen können, die in Japan kreiert wurde. Wir sparen fünf bis acht Millionen Euro Entwicklungskosten und mehrere Jahre Entwicklungszeit.“

Dass Grohe als Ideenschmiede, als Technologieführer nun Konkurrenz im eigenen Konzern hat, nimmt der neue Chef sportlich gelassen. „Wir müssen bei der Innovationskraft die Nase vorn haben. Und das werden wir.“

Angesichts der aktuellen Zahlen mag da niemand widersprechen. „Grohe hat Momentum“, sagt Rauterkus. Was er damit meint, ist klar: Der Laden läuft. Die Gewinnmarge liegt den jüngsten Unternehmensangaben zufolge bei 19 Prozent, der Umsatz der Grohe-Group (mit Joyou) ist um neun Prozent gestiegen, dreimal so stark wie der Markt. Und weil Grohe im neuen Verbund international – vor allem in Asien und in den USA – mit Wucht auftreten kann, scheint der Wunsch, diesen Trend langfristig zu konservieren, gar nicht mal so unrealistisch.

Produktion zurückgeholt

Was bedeutet das für die deutschen Werke? Die Menschen dort müssen die Ärmel aufkrempeln. Denn der Wettbewerb unter den Ideenschmieden nimmt an Fahrt auf. Was die Qualität angeht, ist Hemer zumindest so gut, dass Grohe Produktionen aus Asien wieder zurück ins Sauerland geholt hat. „Die deutschen Werke müssen wettbewerbsfähig bleiben. Da sind die Arbeitsplätze aus heutiger Sicht sicher“, sagt Rauterkus.