Mit Abitur in die Gastronomie

Dortmund/Arnsberg..  Es ist ein Appetitanreger zu Schulzeiten, der den Hunger auf Mehr wecken soll: Die Wirtschaftsschulen für Hotellerie und Gastronomie (Wihoga) in Dortmund wollen ein Wirtschaftsgymnasium aufbauen. Die private Schule wäre die einzige mit dieser Ausrichtung und dem Abitur als Abschluss in Nordrhein-Westfalen. Der Antrag auf Genehmigung liegt aktuell bei der Bezirksregierung Arnsberg als Schulaufsichtsbehörde. Erfolgt die Zulassung, soll das Wirtschaftsgymnasium möglichst schon zum neuen Schuljahr im Sommer starten.

„Die Nachfrage von jungen Menschen nach Jobs im Hotel- und Eventmanagement wächst. Und diese Branche ist personalintensiv“, zählt Wihoga-Schulleiter und Diplom-Kaufmann Harald Becker zwei Faktoren, die zueinander passen, als Grund für das neue Angebot auf.

Im neuen Wirtschaftsgymnasium, das eigentlich ein Berufskolleg mit gymnasialer Oberstufe ist, sollen sich die Schüler/innen „frühzeitig im Berufsfeld Hotellerie, Gastronomie, Tourismus und Eventmanagement qualifizieren können“, erklärt der Oberstudiendirektor, oder anders ausgedrückt: „Sie sollen auf den Geschmack kommen“. Und: „ Das Wirtschaftsgymnasium ist eine sinnvolle Ergänzung unseres schulischen Angebots“.

Geplant ist mit zunächst einer Klasse zu starten. „Maximal 30 Schüler“ könne das Wirtschaftsgymnasium aufnehmen, so Becker. Zugangsvoraussetzung: der erfolgreiche Abschluss der Sekundarstufe I (Fachoberschulreife mit Qualifikation). Innerhalb von drei Jahren machen die Schüler dann ihr Abitur. Wohlgemerkt: das Vollabitur, die allgemeine Hochschulreife – „kein Fachabi“. Damit könnten die Abiturienten jeden Studiengang an deutschen Hochschulen studieren.

Allerdings: Im Unterschied zu anderen Gymnasien „ist die Fächerauswahl eingeschränkt“. Als Leistungskurse etwa werden Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Englisch („Gute Englischkenntnisse sind inzwischen selbstverständlich für die Branche“) angeboten. Hinzu kommen Fächerangebote wie Ernährungslehre oder Hotel-, Tourismus- und Eventmanagement. Und Praktika, um frühzeitig Erfahrungen in der Berufspraxis zu sammeln.

Lob vom Sauerland-Tourismus

Wer den Abschluss am Wirtschaftsgymnasium macht, habe anschließend zwei Möglichkeiten: „ein duales Studium, etwa in der Hotellerie, oder eine duale Ausbildung zum Reise- oder Tourismus-Kaufmann“, zählt Schulleiter Becker auf. Derzeit liegen die Pläne für das Wirtschaftsgymnasium bei der Arnsberger Bezirksregierung zur Genehmigung. Dabei geht es insbesondere um die Unterrichtsinhalte. Schulleiter Becker: „Da es dieses Angebot bisher noch nicht gibt, mussten wir die dazu passenden Lehrpläne selbst zusammenstellen“.

Als „ganz tolle Sache“ erntete das geplante Angebot der Wihoga gestern Vorschusslorbeeren von Eckhard Henseling, Geschäftsführer bei der Agentur Sauerland-Tourismus in Schmallenberg-Bad Fredeburg. Das Wirtschaftsgymnasium könne „gegen den Fachkräftemangel und bei Nachfolgeregelungen von Hotel- und Gastronomiebetrieben helfen“, so Henseling, der „die Möglichkeit zur hohen Qualifizierung“ herausstellte.