"Missbrauchsgefahr wird immer größer"
21.05.2007 | 05:45 Uhr 2007-05-21T05:45:31+0200Münster. "Vielen Verbrauchern ist nicht bewusst, dass der Missbrauch von Arzneimitteln gefährlicher sein kann als der von Rauschmitteln", warnte Dr. Horst-Lothar Müller aus Menden, Vorsitzender des Apothekerverbandes NRW, gestern in Münster. Des
Verbündete haben sie in der Landesregierung gefunden, die angekündigt hat, im Bundesrat eine Initiative zu starten, um den Versandhandel verschreibungspflichtiger Medikamente wieder zu verbieten. Die Situation mutet merkwürdig an: "Die Aufhebung des Versandhandelsverbotes ist seinerzeit von der rot-grünen Bundesregierung und der damals schon amtierenden Gesundheitsministerin Ulla Schmidt betrieben worden", erinnert Müller. "Später hat sich dies als überflüssig erwiesen, weil die EU den Versandhandel verschreibungspflichter Medikamente gar nicht gefordert hat. Durch diesen politischen Bärendienst an den Verbrauchern ist aber inzwischen die Gefahr des Missbrauchs immer größer geworden."
Der Verband der heimischen Apotheker - der natürlich schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht glücklich über die neue Konkurrenz sein kann - argumentiert dabei mit dem Wohl des Verbrauchers: "Wir sind sozusagen die letzte Tankstelle vor der Autobahn, die letzte Kontrollinstanz, bevor das Medikament in den Körper gelangt", sagt Müller und spielt damit auf die Qualifizierung von Anbietern von Medikamenten im Internet, gefälschte Arzneimittel und ungehemmten Medikamentenmissbrauch vor allem von Schmerzmitteln an: "Immer mehr fragwürdige Anbieter von Medikamenten werden zu einer Gefahr für Leib und Leben von Betroffenen."
Aber auch in anderer Hinsicht droht den Apotheken Ungemach durch die EU: Sie will das Fremd- und Mehrbesitzverbot kippen. Das besagt, dass in Deutschland eine Kapitalgesellschaft keine Apotheke betreiben darf und dass ein Apotheker nur wenige Filialen im regionalen Umfeld eröffnen darf. "Das dient nicht dem Apotheker als Schutzzaun vor Wettbewerb, sondern schützt den Patienten vor ungewollter Einflussnahme rein wirtschaftlicher Interessen" sagt Müller in Münster. Das Fremd- und Mehrbesitzverbot schütze Apotheker und Patienten vor dem Einfluss kapitalgesteuerter Interessen auf pharmazeutisch erforderliche und aus heilberuflicher Verantwortung getragene Maßnahmen.

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