Arbeit
Mindestlohn würde laut Studie bis zu 225.000 Jobs schaffen
28.07.2009 | 07:17 Uhr 2009-07-28T07:17:00+0200
Berlin. Neun Millionen Beschäftigte könnten von einem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 7,50 Euro profitieren. Das ist das Ergebnis einer Verdi-Studie. Der Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert in der Wirtschaftskrise einen Schutzschirm für Niedriglöhner.
Von der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von 7,50 Euro pro Stunde würden laut einer Gewerkschaftsstudie knapp vier Millionen Arbeitnehmer mit einem Vollzeitjob und etwa fünf Millionen Arbeitnehmer profitieren, die geringfügig oder teilzeitbeschäftigt sind. Ein solcher Mindestlohn würde kurzfristig einen Konsumschub auslösen und dadurch bis zu 225.000 zusätzliche Arbeitsplätze in den nächsten zwei Jahren schaffen, schreibt die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf das Gutachten im Auftrag der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.
«Das Gutachten beweist, dass ein gesetzlicher Mindestlohn von zunächst 7,50 Euro ein schnell wirkendes Konjunkturprogramm wäre. Nicht nur Banken brauchen einen Schutzschirm in der Krise, sondern auch die Arbeitnehmer und vor allem die Niedriglöhner», sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, der Zeitung.
Verdi-Chef Frank Bsirske sagte, eine wirksame Bremse gegen Lohndumping hätte auch eine positive Wirkung auf Tarifverhandlungen. «Die Tarifautonomie, die durch Tarifunterbietung, Austritte von Unternehmen aus den Arbeitgeberverbänden und Armutslöhne ausgehöhlt wird, würde so wieder besser funktionieren.»
In dem Gutachten des Brandenburger Instituts Econometrics werde mit einem Mindestlohn von 7,50 Euro gerechnet, der von 2010 an gilt, schreibt die Zeitung. Diese Untergrenze erhöht sich schrittweise auf neun Euro bis Juli 2011. Dann wird simuliert, welche Effekte dies auf den Arbeitsmarkt hätte.
Erhöhte Nachfrage würde demnach Konsumschub auslösen
Das Ergebnis: Durch die deutliche Steigerung würden bis Mitte 2011 etwa neun Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor einen höheren Verdienst erhalten. Den Konsumschub und prognostizierten Zuwachs an Jobs begründet das Institut mit der erhöhten Nachfrage: «Menschen mit niedrigem Einkommen geben praktisch jeden zusätzlichen Euro vollständig aus. Zum Sparen kommen sie erst gar nicht», zitiert die Zeitung aus dem Gutachten. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen dagegen mit einem immensen Verlust von Arbeitsplätzen, sollte ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden. (ap)

15:48
Das ist teilweise richtig. Grundsätzlich finden schon noch viele Verbeamtungen statt, auch und gerade z. B. in Ministerien. Denn ein Beamter verdient zwar netto viel mehr, kostet den Staat aber deutlich weniger. Zunächst - bis zur Pensionierung.
Aber in der Tat - und das bestätigt deine These, BeowulfOF - hat mir mal ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur einer großen Ruhrgebietstadt erzählt, dass die Beamten in der AA genötigt werden, ihren Beamtenstatus dranzugeben. Entweder du wirst Angestellter oder du wirst nicht befördert. Fein, gell? Aber jeder Beamte, der sich darauf einlässt, müsste echt mit dem Klammerbeutel gepudert sein.
Und was glaubt ihr, wie viel mittelmäßig bezahlte Leute mit befristeten(!) Stellen (6 Monate, 1 Jahr, 2 Jahre) sich mittlerweile in den AAen tummeln? Aber die sitzen wenigstens an der Quelle, wenn Sie einen neuen Job brauchen. Hahaha!
14:48
Wo ist das Problem? Der Bund hat das durchaus bedacht, sonst wären die Angestellten auch verbeamtet und damit nicht Kündbar.
Übrigends, alleine die Einsparung an Papier, was durch die Agentur und die ARGE in deren Papierlosen Büro verbraten könnten Millionen gespart werden.
14:27
Ach ja, die Grundsicherung, da war doch noch was. Kein schlechter Ansatz.
Nur: Was machen wir dann mit den zig Tausend Mitarbeitern in den Sozial- und Arbeitsämtern...? Die radikale Verschlankung des Staatsapparats an diesen Stellen würde einen drastischen Rückbau des öffentlichen Dienstes bedeuten. Au weia!
11:45
Vielleicht sollten sich einige hier mal die Wahlprogramme ansehen. Die FDP zum Beispiel mag vielleicht am Mindestlohn nicht interessiert sein, setzt sich dafür für das Bedingungslose Grundeinkommen ein um HARTZ IV abzulösen, damit kosten zu senken und allen Bürgern finanzielle Unterstützung zu bieten.
CDU und FDP sind keine gute Kombination, das sehe ich ein, an der FDP liegt dies jedoch nicht.
10:40
Der Mindestlohn …. Auch für Zusteller der WAZ?!
Als Betroffener bin ich immer wieder begeistert, wie engagiert die WAZ die Mindestlohndiskussion begleitet und in den Kommentaren Mindestlöhne befürwortet. So weit - so gut!
Allerdings scheint weder den Berichterstattern noch den Kommentatoren bekannt zu sein, dass im eigenen Konzern Hungerlöhne für die Zusteller, das wichtige „letzte Glied zum Kunden“ -siehe Stellenangebote! – gezahlt werden, von den Arbeitsbedingungen (Witterung/Nachtzeit) ganz zu schweigen:
Für im Schnitt 100 Zeitungen pro Tag bei einem Zeitaufwand von ca. 70 Minuten und 25 Arbeitstagen je Monat erhalte ich ca. € 4,91 je Stunde, wobei noch eine teilweise zu versteuernde Nachtzulage von durchschnittlich € 1,02 hinzukommt, insgesamt also stolze € 5,93 je Stunde!
Es gibt auch bezahlten Urlaub von 24 Werktagen bei einer 6-Tagewoche, was bedeutet, dass ich tatsächlich 4 ganze Wochen im Jahr frei habe.
Ach ja, hätte ich fast vergessen, Weihnachtsgeld gibt es selbstverständlich auch, wenn nicht die Geschäftsleitung, wie im Vorjahr geschehen und dank des Engagements des einzigen Betriebsrats schließlich verhindert, erneut versucht, die Kostenschraube an uns Zustellern anzuziehen.
Selbstverständlich ist jeder Zusteller für seine witterungsgerechte Bekleidung und Schuhwerk sowie für Leuchtmittel und Batterien selbst verantwortlich und trägt hierfür auch die Kosten.
Wenn das Auto für die Zustelltätigkeit benutzt wird, was in vielen Revieren notwendig ist, wird dies mit einer Vergütung von € 0,21 je im Revier gefahrenen km abgegolten, wobei es keine Rolle spielt, dass die Fahrzeuge durch ständiges stop-and-go außerordentlich stark beansprucht werden. Auch für verstärkte Verschmutzung der Fahrzeuge, gerade in ländlichen Revieren, erfolgt kein Ausgleich.
Ich würde mich freuen zu dieser Thematik in der WAZ einen Bericht zu lesen, glaube aber nicht wirklich an Wunder!
09:06
@23:
dass Mindestlöhne insgesamt und unter jedem Blickwinkel für die Entwicklung eines demokratischen und sozialen Gemeinwesens förderlich sind.
Klar, wenn man einen Job HAT, sind Mindestlöhne klasse. Aber ich weiß nicht, warum die Gewerkschaften das nie kapieren werden: Es funktioniert nicht, zumindest dann nicht, wenn wir nach wie vor deutlich über 4 Mio. Arbeitslose haben.
Viel förderlicher für das Gemeinwesen ist in jedem Fall eine angemessene Umverteilung hin zu denjenigen, die nichts haben. Daher sollte man eher eine gründliche Reformierung oder ggf. Abschaffung von Hartz IV angehen. Hartz IV hat das Gemeinwesen gründlich beschädigt, und nicht die Tatsache, dass wir keine Mindestlöhne haben. Diese waren, sind und bleiben ein in ökonomischer Hinsicht fragwürdiges Unterfangen.
07:20
Man könnte auch einfach jedem erlauben an die Zahl auf seinen Geldscheinen eine 0 dran zu hängen.
Das würde erst e nmal die Binnennachfrage in Schwung bringen ... .
01:19
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09:41
verdi ist ja noch nicht einmal in der lage für anständige tarife zu sorgen. mit verdi gibt es tarife von 5 euro -. und dann das gebrüll von mindestlohn 7,50 euro. wie viele abgeordnete sitzen im bundestag, die aus der kommunalen verwaltung kommen, ein dgb-buch von verdi in der tasche haben und nicht willig sind den mindrestlohn einzuführen?
scheiss verdi - aufgeblasener apparat mit nichts dahinter. die alte ötv war seinerzeit effektiver .
13:28
Es gibt immer mehr Zeitarbeiter, wo Unternehmer, die nichts anderes tun als sich irgendwo dazwischen zu mogeln, sich einen großen Teil dessen einverleiben was die Zeitarbeiter erwirtschaften. Aber Clement sei Dank haben wir in diesem Bereich fast alle Regeln abgeschafft.