Mindestlohn befeuert laut einer Studie die Schwarzarbeit

Durch den Mindestlohn wächst angeblich die Schwarzarbeit.
Durch den Mindestlohn wächst angeblich die Schwarzarbeit.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Millionen Menschen in Deutschland sollen vom Mindestlohn profitieren. Einer Prognose zufolge begünstigt er aber noch etwas anderes: die Schwarzarbeit.

Essen.. Der Mindestlohn kurbelt einer Studie zufolge die Schattenwirtschaft in Deutschland an. Jahrelang gingen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung zurück – den letzten Anstieg gab es in der Wirtschaftskrise 2008/2009. Mit dieser Entwicklung ist es nun vorbei: Mit Schwarzarbeit würden in Deutschland wie im vergangenen Jahr 339 Milliarden Euro Umsatz erzielt, so die Prognose der Universitäten Tübingen und Linz. Wegen der guten Lage am Arbeitsmarkt hätte sie eigentlich weiter schrumpfen müssen, das verhindere aber die Einführung der Lohuntergrenze von 8,50 Euro. Für sich genommen sorge der Mindestlohn für 1,5 Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz in der Schattenwirtschaft.

Das kleine Jobwunder in Deutschland nach der Wirtschaftskrise hatte die Schwarzarbeit eingedämmt und so den Finanzministern und Sozialkassen volle Kassen beschert. Je mehr sichere und gut bezahlte Jobs es gibt, desto kleiner wird der Anreiz, am Fiskus vorbei zu arbeiten. Dennoch wird der Prognose zufolge auch in diesem Jahr noch jeder achte Euro schwarz verdient.

Arbeitsmarkt Bürokratie in der Kritik

Der Volkswirt Friedrich Schneider, Mitautor der Studie, sieht die Umgehung des Mindestlohns als „Haupttriebfeder“ dafür, dass mehr Menschen in illegale Beschäftigungen getrieben werden. „Die Bürokratie ist aber sicher auch ein Grund“, ergänzt er. So würden Arbeitgeber lieber schwarz Mitarbeiter beschäftigten, statt der Dokumentationspflicht beim Mindestlohn nachzukommen.

Um beim Mindestlohn nicht mogeln zu können, müssen Arbeitgeber genau festhalten, wann Mitarbeiter mit der Arbeit beginnen, ob sie Pausen einhalten und ob sie Überstunden machen. Dies müssen sie für Monatseinkommen bis 2958 Euro tun. Gegen diesen bürokratischen Aufwand laufen die Arbeitgeberverbände seit Wochen Sturm, auch die Unionsfraktion im Bundestag fordert Nachbesserungen von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Konkret soll die Lohngrenze, ab der die Arbeitszeit dokumentiert werden muss, auf 1900 Euro gesenkt werden. Denn bei höheren Einkommen spiele der Mindestlohn keine Rolle.

Anreize schaffen

Eine Entbürokratisierung und stärkere Kontrollen sehen auch die Tübinger Experten als Hebel, das Ausweichen in die Schwarzarbeit zu verhindern. Mitautor Bernhard Boockmann betont aber: „Man muss auch Anreize schaffen, damit ein Ausweichen auf den Schwarzmarkt nicht verlockend wirkt.“ Als bewährtes Beispiel nennt Boockmann die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen.

Die Minijob-Zentrale der Knappschaft Bahn-See setzt auf Anreize wie das Haushaltsscheck-Verfahren, über das etwa Putzhilfen als Minijobber angemeldet werden können. „Das Verfahren ist einfach und es gibt Anreize für die Anmeldung“, sagt Knappschafts-Sprecherin Claudia Müller, etwa niedrigere Beiträge für Kranken-, Renten- und Unfallversicherung.

Mindestlohn Mehr Kontrollen sind nötig

Neben Haushaltsdiensten sind laut der Studie besonders die Landwirtschaft, Gaststätten, Hotels und Teile der Bauwirtschaft von Schwarzarbeit betroffen – obwohl die seit Jahren einen eigenen Branchen-Mindestlohn, also bereits Erfahrungen hat. Hier sind Dumpinglöhne bei Subunternehmern der Knackpunkt.

Auf dem Bau sei die Schattenwirtschaft deshalb vor allem durch mehr Kontrollen zu verhindern, so Tobias Siewert vom Bauindustrieverband NRW. „Bei uns hat der Mindestlohn nichts bewirkt.“ Den Plan der Regierung, für die Mindestlohn-Kontrolle 1600 neue Mitarbeiter in die Zollämtern zu schicken, hält Siewert für deutlich zu wenig.