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Millionen für die Logistikbranche im Ruhrgebiet

26.01.2010 | 18:58 Uhr

Berlin/Düsseldorf.Es dürfte ein gewaltiger Schub für die Logistikbranche im Ruhrgebiet sein: Mehr als 100 Millionen Euro fließen in die Branche im Ruhrgebiet. Profitieren sollen Wissenschaft und Unternehmen. Rund 4000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

„Am Ende dreht es sich doch.“ So lautet ein Buchtitel von Michael ten Hompel. Der Forscher des Dortmunder Fraunhofer-Instituts ist der Initiator eines Netzwerks von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Region, die sich auf dem Gebiet der Logistik engagieren. Mit der Hoffnung, ein millionenschweres Förderpaket des Bundes ins Ruhrgebiet zu holen, war ten Hompel am Dienstag nach Berlin gereist. Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) wollte verkünden, welche Regionen im so genannten Spitzencluster-Wettbewerb erfolgreich waren. Sie kürte Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zu Siegern. Erst ganz zum Schluss, nach einer Weile, die ten Hompel als „gefühlte zwei Stunden“ wahrnahm, gab Schavan letztlich bekannt, dass auch ins Ruhrgebiet Millionen fließen. Am Ende drehte es sich doch.

Schon heute gilt das Revier als Europas wichtigster Logistik-Standort. Mehr als 5000 Unternehmen mit weit über 160 000 Mitarbeitern sind hier aktiv. Nun dürfte die Branche einen neuen Schub bekommen. Bis zum Jahr 2015 soll die rekordverdächtige Summe von 106 Millionen Euro in die Logistik-Forschung an Rhein und Ruhr fließen. Ein Verbund aus 18 Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie 124 Unternehmen ging aus dem Wettbewerb des Forschungsministeriums als Sieger hervor. Den Kern des Netzwerks bilden die Standorte Dortmund (Fraunhofer Institut) und Duisburg (Zentrum für Logistik und Verkehr der Universität Duisburg-Essen).

Schavan sprach von einem wichtigen Signal gerade in Zeiten der Krise: „Für Wachstum, Innovation und langfristige Beschäftigung ist der Brückenschlag zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen unverzichtbar.“ Die Fördermittel des Bundes über 40 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren werden durch weitere 66 Millionen Euro der beteiligten Unternehmen aufgestockt. Dadurch sollen 4000 neue Jobs im Ruhrgebiet entstehen.

Ein großer Jobmotor

Erforscht werden Wege aus der „Umwelt- und Verkehrsfalle“, die der weltweite Logistik-Boom mit sich bringt. Zunehmende Warenbestellungen per Internet, eine wachsende Nachfrage nach individuellen Zustellungen etwa von Medikamenten und die Ballung von Menschen und Unternehmen in Großstädten machen in den nächsten Jahren neue Vertriebsideen unausweichlich. Bis 2020 sollen Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung durch die Logistikbranche um 25 Prozent gesenkt werden.

Durch die Entwicklung und Vermarktung von neuen Ideen sieht Michael ten Hompel ein Marktpotenzial von über zwei Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren. Ein Beispiel: Zwischen 30 und 40 Prozent der Ladeflächen der Lkw, die täglich auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, würden nicht genutzt. Durch mehr Effizienz könne viel Geld gespart und die Umwelt geschont werden.

„Die Logistik-Branche ist einer der großen Jobmotoren“, sagte NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP). Der Erfolg beim Spitzencluster-Wettbewerb sei in seiner Bedeutung für das Ruhrgebiet „gar nicht hoch genug einzuschätzen“. NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) sprach von einer „deutlichen Anerkennung der Leistungen, die innerhalb der Logistikwirtschaft in NRW erbracht werden“. Auch viele Mitgliedsunternehmen des Initiativkreises Ruhr hatten sich an dem Prestigeprojekt beteiligt. „Der Erfolg im Cluster-Wettbewerb Logistik zeigt, dass das Ruhrgebiet erfolgreich ist, wenn es seine Kräfte bündelt und an einem Strang zieht“, sagte Eon-Chef Wulf Bernotat, der Moderator des Initiativkreises. In dem Netzwerk arbeiten kleine und mittelständische Unternehmen eng mit Konzernen wie der Deutschen Post und der Deutschen Bahn sowie dem Hafen Duisburg zusammen.

Mit Spannung wird erwartet, ob der Schub für die Logistikbranche im Revier auch Einfluss auf Standort-Entscheidung der Deutschen Bahn hat. Zuletzt wurde spekuliert, der Berliner Konzern könnte die Zentrale der Logistiktochter Schenker nach Duisburg verlagern. Als Konkurrent gilt Frankfurt.

Ulf MeinkeTobias Blasius

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