Metro-Tochter Real kündigt Ausstieg aus Tarifvertrag an

Mönchengladbach..  Wenige Tage, nachdem der Düsseldorfer Handelsriese Metro den Kaufhof an Hudson’s Bay verkauft hat, will er nun mit seiner SB-Warenhaus-Tochter Real aus der Tarifbindung aussteigen. Der Gewerkschaft Verdi kündigte Real gestern Verhandlungen über einen Haustarifvertrag an. Auch Real steht auf der Verkaufsliste der Metro AG.

Hintergrund der Entscheidung sei die wettbewerbsverzerrende Um­setzung des Flächentarifvertrags durch Konkurrenten, teilte Real mit. Unternehmen ohne Tarifvertrag hätten deutlich bessere Kostenbedingungen als tarifgebundene Betriebe. „Diese schwierige Lage hat Real selbst nicht geschaffen. Wir müssen aber, um konkurrenzfähig zu bleiben, darauf reagieren“, sagte Real-Arbeitsdirektor Jörg Krämer. Metro-Chef Olaf Koch bezifferte in der „Wirtschaftswoche“ den Personalkostennachteil im Vergleich zu den Konkurrenten auf „bis zu 30 Prozent“. Für die zurzeit 37 000 Mitarbeiter werde der Konzern Bestandsschutz anbieten, so dass die Entgelte der heutigen Beschäftigten unverändert blieben, hieß es.

Verdi kritisierte den Vorstoß scharf. „Nach dem Verkauf der Kaufhof-Warenhäuser plant die Metro offenbar den nächsten Schritt, den Konzern radikal umzustellen“, sagte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger und kündigte Widerstand gegen die geplante „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ an. Nutzenberger forderte Metro auf, mit Real in den Flächentarif zurückzukehren.