Menschen im Ruhrgebiet zweifeln an der Energiewende

Symbole der Energiewende: Stromüberlandleitungen und Photovoltaikanlage.
Symbole der Energiewende: Stromüberlandleitungen und Photovoltaikanlage.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In der Bevölkerung wächst die Skepsis über die Energiewende. Nach einer Umfrage im Auftrag des Initiativkreis Ruhr glauben besonders im Ruhrgebiet nur wenige an einen schnellen Umbau des Energiesektors. Viele sorgen sich über die Energiekosten. Der Atomausstieg ist dagegen kein wichtiges Thema mehr.

Essen.. In der Bevölkerung bestehen große Zweifel daran, dass die Energiewende so wie geplant auch gelingt; und: Die abrupte Kehrtwende in der Energiepolitik nach der Atomkatastrophe von Fukushima entspricht nicht dem Willen des Volkes – dies sind Kernsätze des durchaus provokant formulierten Fazits einer repräsentativen Befragung im Ruhrgebiet. Im Auftrag des Initiativkreises Ruhrgebiet interviewte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Februar über 1000 Revier-Bürger unter der Fragestellung „Was erwarten die Menschen im Ruhrgebiet“.

Grundsätzlich sind Dreiviertel im Ruhrgebiet an Energiethemen interessiert. Der „Anstieg der Energiepreise“ ist das mit Abstand am meisten wahrgenommene Energiethema, genannt von 56 Prozent der Befragten (Mehrfachnennung möglich). Dahinter folgen die „Förderung erneuerbarer Energien“ (36 Prozent) und die „Sichere Versorgung“ (19 Prozent). Der Atomausstieg selbst ist gar kein Thema mehr (5 Prozent).

Energieversorgung ist für viele Menschen nicht das wichtigste Problem

Dabei glaubt nur noch eine Minderheit (in Deutschland 9, im Revier 6 Prozent) dass der Energiebedarf in Deutschland in absehbarer Zeit allein durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann. Kurz nach Fukushima waren 2011 noch 39 Prozent der Deutschen dieser Ansicht. Jetzt vertreten fast nur noch Anhänger der Grünen (19 Prozent) diese Meinung.

Related content Überhaupt steht die Energieversorgung bei der Frage nach den „wichtigsten Problemen“ nicht an der Spitze. Die Lage am Arbeitsmarkt (28 Prozent), die Euro- und Finanzkrise (28 Prozent), Unmut über Politiker (26 Prozent) und soziales Gefälle (18 Prozent) rangieren in Deutschland vor der Energieversorgung (11 Prozent). Im Ruhrgebiet stehen die sozialen Themen sogar deutlich ausgeprägter als wichtigste Probleme im Vordergrund. Hinter dem Energiekomplex rangiert die Inflation (8 Prozent). Auch als wichtiges Problem wird der Atomausstieg (1 Prozent) gar nicht mehr wahr genommen.

Bezahlbare Energie ist wichtiger als "grüne" Energie

In Deutschland herrscht praktisch eine Pattsituation in der Bevölkerung, ob die Förderung von Sonnen- und Windenergie aus Steuermitteln gerechtfertigt ist. 50 Prozent sind dafür, 46 dagegen. Im Ruhrgebiet ist eine knappe Mehrheit dagegen. Dafür steht man im „Kohlenpott“ (58 Prozent Zustimmung) mehr auf heimische Braunkohle als Gesamtdeutschland (40 Prozent). Fracking sehen landauf, landab rund 40 Prozent als Mittel zur Deckung des Energiebedarfs.

„Wichtiger als ,grüne’ Energie ist für die Mehrheit der Bürger, dass es genügend und bezahlbare Energie gibt“, folgert Forsa aus den Umfrageergebnissen. Bodo Hombach, Moderator des Initiativkreises Ruhr, zeigte sich überrascht über die große Skepsis in der Bevölkerung, was das Gelingen der Energiewende angeht. „Da gibt es auf allen Seiten hohen Argumentationsbedarf. Ohne die nötige Akzeptanz geht das schief“, sagte der Moderator des Initiativkreises. Im Fazit der Studie wird das so ausgedrückt: „Die Euphorie der Politiker im Hinblick auf die Energiewende wird nicht geteilt. Wichtiger als ,grüne’ Energie ist für die Mehrheit, dass es genügend und bezahlbare Energie gibt.“