Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen sinkt - die Preise nicht
06.01.2010 | 07:29 Uhr 2010-01-06T07:29:00+0100Essen. Die Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen ist mit dem neuen Jahr von 19 auf sieben Prozent gesunken. Aber die Preise sind es nicht. Für Geschäftsreisende könnten die niedrigeren Steuern sogar höhere Zimmerpreise bedeuten.
Wie Umfragen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und der WAZ zeigen, geben die Hotels die Entlastung nicht oder kaum an ihre Kunden weiter. Bundesweit wollen die Hoteliers nur rund ein Fünftel der eingesparten Steuern von den Preisen abziehen.
Für Privatgäste ändert sich demnach fast nichts. Für Geschäftsreisende werden Hotels sogar teurer, weil für ihre Arbeitgeber die Nettopreise zählen. Dass eine Steuersenkung zu höheren Preisen führt, erschließt sich erst auf den zweiten Blick.
Ein einfaches Beispiel klärt den scheinbaren Widerspruch auf: Ein Zimmer für 119 Euro enthielt bisher einen Nettopreis von 100 Euro und 19 Euro Mehrwertsteuer. Nun könnte der Bruttopreis auf 107 Euro sinken. Lässt der Hotelier ihn aber bei 119 Euro, muss er seinen Nettopreis auf 111,21 Euro erhöhen.
Jährlich 100 Millionen Übernachtungen
Für Geschäftskunden, die sich die Mehrwertsteuer vom Finanzamt wiederholen können, würde die Übernachtung demnach 11,2 Prozent teurer. Laut einer Studie der Fachhochschule Bad Honnef buchen die rund fünf Millionen Geschäftsreisenden in Deutschland pro Jahr rund 100 Millionen Übernachtungen. Nach Hochrechnungen des Reisekostenmanagements von Meridian würden dadurch rund 1,2 Milliarden Mehrkosten pro Jahr entstehen.
Der Dehoga in NRW bestätigt, dass die meisten Hotels ihre Nettopreise anheben, allerdings verfolge jedes Hotel seine eigene Preispolitik. „Jeder muss nun selbst schauen, wie er mit seinen Geschäftskunden umgeht”, sagte Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig der WAZ. „Über die Corporate-Verträge mit Unternehmen wird gerade gesprochen”, heißt es beispielsweise bei der Steigenberger Hotel AG.
"In der Regel Bruttopreise"
Die Branche hegt keine großen Hoffnungen, dass Firmen Preiserhöhungen einfach akzeptieren werden. „Wir werden Gespräche führen mit dem Ziel, die gleichen Nettopreise wie bisher zu erhalten”, stellt Pressesprecher Horst Niggemeier für RWE Service klar. Die in Dortmund angesiedelte Abteilung kümmert sich um die Dienstreisen von 71 000 Mitarbeitern des Essener Energiekonzerns. Bislang wurden „in der Regel Bruttopreise vereinbart”.
Nach der jetzigen Mehrwertsteuerermäßigung wollen die Firmen Nettopreise vereinbaren – anders als bei der letzten Mehrwertsteuererhöhung auf 19 Prozent zum Jahreswechsel 2007, als die Unternehmen bei der Hotelbranche auf gleich bleibenden Bruttopreisen bestanden hatten.
Begünstige Produkte
Ursprünglicher Zweck des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes war eine Entlastung beim Kauf von Produkten des täglichen Bedarfs. Was der Gesetzgeber darunter versteht, hat er im Wesentlichen bereits 1968 festgelegt. Vor allem Lebensmittel sind begünstigt, um sie für alle bezahlbar zu halten. Aber auch Bücher, Zeitungen und Theaterkarten soll sich jeder leisten können.
Doch die Liste ist reich an Widersprüchlichkeiten. So werden orthopädische Hilfsmittel wie Krücken und Herzschrittmacher begünstigt, Arzneien aber nicht. Äpfel werden ermäßigt besteuert, Apfelsaft voll, Tafelwasser ermäßigt, Mineralwasser voll. Im Hotel ist nun das weiterhin voll zu versteuernde Frühstück Luxus, die Übernachtung in der Präsidenten-Suite nicht.
Das Currywurst-Beispeil
Das stößt auch den reinen Gastronomen ziemlich sauer auf, was innerhalb des Dehoga zu Spannungen mit den Hoteliers führt. Dabei profitieren Speiselokale auch vom ermäßigten Steuersatz, wenn sie Speisen außer Haus verkaufen.
Das ist gleichzeitig das beste Beispiel dafür, dass die beabsichtigte Lenkungswirkung der Steuer nicht funktioniert: Die Currywurst enthält 19 Prozent Mehrwertsteuer, wenn sie in der Pommesbude gegessen wird und sieben Prozent, wenn sie mitgenommen wird. Der Preis ist freilich derselbe. Von der ermäßigten Verbrauchssteuer profitiert nicht der Verbraucher, sondern die Imbissbude.

00:53
Erst rechnet die Betten-Mafia von DM auf Euro in 1:1 um, dann kriegen Sie noch ein Bonbon von Vater Staat..ausgerechnet diese Abkassierer der Nation...es ist zum Ko....n!!
DZ Preise von 150 - 200 € für 2 Personen sind eh schon Wucher...und jetzt wird das Ganze noch mit ermäßigter Steuer bedacht...man kann es nicht begreifen. Es wird doch kein Hotelier auf die Idde kommen seine Preise zu senken..HaHaHa...
Es wäre ok gewesen, wenn die Steuer auf Verzehr in Restaurants und Kneipen gesenkt worden wäre, dann hätte auch der kleine Mann was davon gehabt...
Deutschland...quo vadis????
23:42
Besonders die Hotellketten freuen sich sicher über 12% mehr Einnahmen -und bei den teuren Zimmerpreisen lohnt sich das besonders.
Und sicher ist auch, dass die darauf anfallenden Unternehmenssteuern garantiert nicht höher sind, oder ist die Welt wieder eine Scheibe?!
16:14
#17: haha herrlich wie die neoliberalen Klientelpolitiker- und Unterstützer auch noch ihren Murks hier verteidigen. Schöne Realsatire, weiter so!
11:55
Hier zeigt sich mal wieder der wirtschaftspolitische Sachverstand von Westerwelle. Pinkwart und Co.
Das Schuldenbeschleunigungsgesetzt ist ein Schlag ins Gesicht von Wirtschaft und Arbeitnehmern.
10:11
Die DEHOGA hat schon Wochen vor der Senkung der MWSt. angekündigt, dass die Zimmerpreise nicht gesenkt werden. Durch die höheren Gewinne werden längst fällige Investitionen und die Aufrechterhaltung von Arbeitsplätzen finanziert.
Was soll also die Motzerei der Besserwisser?
Die Firmen werden mit den Hotels Verhandlungen führen und neue Preiskonditionen bekommen. Dadurch wird für die Hotelbranche den Gewinn durch Firmenkunden kaum steigen.
Für Privatkunden wäre eine Preissenkung kein Anreiz, eine Übernachtung zu buchen. Die Ersparnis von 12,- € (119 - 107) = 10% Ermäßigung.
Wer sich eine Übernachtung für 40,- € nicht leisten kann, wird auch bei 36,- € passen.
10:05
Klar! Und ich kann übers Wasser gehen!
Ich selbst bin kein Steuerexperte - halte diese zwar manchmal auch für blöd - aber für so blöd nun auch wieder nicht, dass Sie für den Staat durch diese Maßnahme Millarden an Steuerausfällen berechnen, dieser in Wirklichkeit aber Mehreinnahmen hat.
Das käme der Quadratur des Kreises gleich: Senkt der Hotelier die Preise aufgrund der Steuersenkung nicht, muss er unterm Strich mehr Steuern abführen.
09:30
Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil !
Punkt a) Viele Hotels/Beherberungsbetriebe vermieten schwarz um Leerstände auszugleichen.
Hier erhält der Staat keinen Cent an Steuern.
Daran ändert auch die Umsatzsteuersenkung nichts.
Punkt b) Die Senkung des Steuersatzes gilt im Grunde genommen nur für Vermietung an Privatleute, da im gewerblichen Bereich die Umsatzsteuer als sog. Vorsteuer (für den Leistungsempfänger abzugsfähig ist.
Heisst im Klartext: Die Nettovermietung ist für den gewerblichen Hotelgast höher und vermindert den Gewinn. In der Folge dann auch die Einkommen- und Körperschaftsteuer, die ja gewinnabhängig ist.
Beim Hotelier erhöht die Kürzung der Umsatzsteuer seinen Vermietungsanteil (= Gewinnerhöhung) und führt damit zu höherem Betriebsgewinn und auch für entsprechend höhere Einkommen- bzw. Körperschaftssteuer des Hoteliers.
Ergo: Für den unternehmerischen Bereich (Vermieter/Hotelgast) ändert sich per Saldo quasi nichts. Für den Privatgast ändert sich im Portemonnaie auch nichts, da der Übernachtungspreis nicht verändert wird.
Nur für den Staat bedeutet eine Kürzung der Umsatzsteuer insges. eine Erhöhung der Steuern.
Denn: Es fällt zwar ein Teil der Umsatzsteuer für den Staat weg, aber durch den dadurch resultierenden höheren Betriebsgewinn fällt eine höhere Einkommen- bzw. Körperschaftssteuer an (= Der Staat gewinnt, denn die Betriebssteuern sind %-ual höher als die Umsatzsteuer).
Hat das eigentlich noch niemand aus der Wirtschaftsredaktion recherchiert ???
07:52
Wer überprüft denn einen Hotelier, keiner.
Es geht genauso weiter wie bei der Euroeinführung, alle erhöhen die Preise völlig unkontrolliert.
Getreu dem Motto, der Geschäftsreisende setzt es eh von der Steuer ab.
Gestern 3 Tests gemacht bei HRS, Hotels in Kiel und Umgebung, Preise wie 2009.
Also nur ein Vorteil für den Hotelier.
Aber wer hat auch etwas anderes erwartet.
06:56
Der Wähler wird sich auch diesmal wieder von so Dummschwätzern der Politik die Rübe weichreden lassen und in stillem gehorsam zur Wahlurne rennen und das Kreuz neben den Versprecherparteien von CDU und FDP machen.
Aber wie die Vergangenheit immer gezeigt hat kommt danach das böse Erwachen und der große Aufschrei: Das habe man ja nicht gewußt und nicht gewollt.
Typisch Deutsch halt.
05:20
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.