Mehr Schmuggler durch starken Franken

Zürich..  Er ist nicht der bekannteste, aber wohl längst der begehrteste Schweizer: Jacob Burckhardt. Das Konterfei des Basler Kulturhistorikers (1818-1897) ist auf der Eintausend-Franken-Note abgebildet, dem weltweit wertvollsten Geldschein, der heute noch gedruckt wird (derzeit 960 Euro). Seit Monaten übersteigt die Nachfrage nach „Burckhardts“ bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) alle Erwartungen. Eine wichtige Ursache dafür ist die anhaltende Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung.

Seit die SNB am 15. Januar die Bindung des Franken an den Euro über einen Mindestkurs aufhob, ist der Kurs der Schweizer Währung – sie gilt vielen als sicherer Hafen in Krisenzeiten – um fast 20 Prozent beinahe auf 1:1 zum Euro angestiegen. Den Mindestkurs durch massive Euro-Aufkäufe in mehrfacher Millionenhöhe zu verteidigen, sei nicht mehr durchzuhalten, erklärte die SNB. Um den Höhenflug der Eidgenossen-Währung nach Aufgabe des Mindestkurses von 1,20 zu bremsen, ordnete die SNB Strafzinsen von 0,75 Prozent für große Franken-Einlagen an. Da bieten die praktischen Tausender ein wenig Erleichterung: Gebündelt kann man so Millionen Franken in Bankschließfächern bunkern. Laut Schweizer „Sonntags-Zeitung“ fallen für Transport, Tresormiete und Versicherung Kosten von 0,5 Prozent an – weniger als die Negativzinsen der SNB. So ließen sich „pro zehn Millionen rund 25 000 Franken sparen“.

Es ist nicht die einzige seltsame Blüte der Frankenstärke. Weil bei den Nachbarn (abgesehen vom Fürstentum Liechtenstein) alles billiger als daheim ist, frönen Hunderttausende der rund acht Millionen Schweizer dem Einkaufstourismus – besonders zur Freude von Handel und Gastronomie im nahen Baden-Württemberg, während grenznahe Schweizer Händler stöhnen.

Parallel zum legalen Auslands-Shopping nimmt der Schmuggel zu. Schlagzeilen wie diese gehören zum Alltag: „300 Kilogramm Fleisch im Kofferraum versteckt“. Zollfrei erlaubt ist pro Tag und Person ein Kilo. Fast resignierend titelte die „Neue Zürcher Zeitung“ unlängst: „Wenn selbst der Pfarrer Fleisch schmuggelt“. Ein Geistlicher war bei der Rückkehr aus Frankreich mit 30 Kilo Fleisch erwischt worden – für eine Grillparty, wie er angab.