Mehdorn würde wieder überwachen lassen
31.01.2009 | 10:35 Uhr 2009-01-31T10:35:00+0100
Berlin. Ohne Reue: Bahnchef Hartmut Mehdorn kann nichts Unrechtes an den Massenüberprüfungen in seinem Konzern erkennen. Er bezeichnete die Überwachung als normales Regelverfahren. Auch eine Wiederholung schloss er nicht aus. Die Bahn hatte 170.000 Mitarbeiter auf Korruption hin checken lassen.
Bahnchef Hartmut Mehdorn hat die Massenüberwachung seiner Mitarbeiter verteidigt und eine Wiederholung nicht ausgeschlossen. Dies sei ein normales Regelverfahren, sagte Mehdorn am Freitag in Berlin: "Wir werden das auch wieder machen, wenn´s darauf ankommt." Allerdings würde die Belegschaft dann besser informiert und eingebunden. Er selbst sei nicht über den Datenabgleich von über 170.000 Mitarbeitern mit denen von Zulieferern informiert gewesen. "Ich persönlich wusste das nicht. Das ist ein Routineabgleich."
Bahn verbittet sich Einmischung der Politik
Bundskanzlerin Angela Merkel und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erklärten, die Öffentlichkeit und Mitarbeiter erwarteten umfassende Aufklärung. Mehdorn sagte, ein Eingreifen der Regierung sei überflüssig. Die Bahn schaltete aber die Staatsanwaltschaft ein. Zwar sehe das Unternehmen weiter keine Straftaten von Mitarbeitern, sagte Mehdorn vor Journalisten. Er fügte aber hinzu: "Da uns keiner mehr zuhört, haben wir gesagt, dann soll es doch der Staatsanwalt machen. Dem hören sie dann hoffentlich zu."
Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass das Unternehmen Adressen und Kontodaten von 173.000 Mitarbeitern mit denen von 80.000 Unternehmen abgeglichen hatte. Damit sollte Beschäftigten auf die Schliche gekommen werden, die privat Firmen führten und sich dabei Aufträge von der Bahn zuschusterten. Die Initiative war offenbar von der Konzernrevision ausgegangen, die dem Bahnchef direkt untersteht.
Mehdorn: Würden Mitarbeiter besser informieren
Das Vorgehen hat massive Kritik von Datenschützern, aber auch aus dem Betriebsrat und von Verkehrspolitikern hervorgerufen. Besonders wurde bemängelt, dass die Mitarbeiter auch im Nachhinein nicht informiert worden. Mehdorn räumte in diesem Punkt ein, dies würde man heute anders machen. "
Mehdorn betonte, wegen des Datenabgleichs hätten keine andere Gremien eingeschaltet werden müssen:"Was da im Einzelnen läuft, ist weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand bekannt, beschlossen oder in irgendeiner Form vorgebracht worden." Der Vorstand kümmere sich ja auch nicht um die Bestellung von Briefumschlägen oder Briefmarken.
Der Bahnchef verwahrte sich auch gegen eine Einmischung von Verkehrsminister Tiefensee und damit der Bundesregierung. Merkel ließ aber über ihren Sprecher erklären: "Es gibt ein öffentliches Interesse, dass diese Fragen geklärt werden, es gibt ein elementares Interesse der Beschäftigten und die klare Erwartung, dass Herr Mehdorn und die Verantwortlichen bei der Bahn diese Fragen beantworten."
Danach würden die notwendigen Schlüsse gezogen, sagte Regierungssprecher Thomas Steg. Er wich der Frage aus, ob Mehdorn noch das volle Vertrauen Merkels besitze. Tiefensees Sprecher Rainer Lingenthal stellte in Frage, ob eine solche Massenüberwachung - selbst wenn sie rechtlich zulässig sei - dem Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern förderlich sei.
Angeblich kein Vertrauensverlust
Mehdorn sagte: "Herr Tiefensee hat da seine Auffassung. Er hat damit nichts zu tun und braucht sich da auch nicht einzubringen." Im übrigen sehe er auch das Verhältnis zu den Bahnern nicht gestört: "Wir haben das Vertrauen der Mitarbeiter nicht verloren." Die Belegschaft unterstütze den Kampf gegen die Korruption. "Wenn einer klaut, den muss man jagen." Deshalb gebe es auch keinen Grund für Entschuldigungen.
Betriebsratschef Günter Kirchheim hatte in einem Brief an Mehdorn eine "Rehabilitation zu Unrecht verdächtigter Mitarbeiter" sowie eine Information über die Untersuchungen gefordert. Der Chef der Bahn-Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, beklagte, er sei getäuscht worden.
Forderungen nach Rücktritt
Die Untersuchungen wurden im Auftrag der Bahn von der Firma Network Deutschland geführt, die auch in den Spitzel-Skandal bei der Telekom verwickelt ist. Die 43 einzelnen Aufträge im Volumen von gut 800.000 Euro wurden nach einem Rahmenvertrag mündlich vergeben, wie Mehdorn bestätigte. Mündliche Vergaben werde es aber künftig nicht mehr geben, versicherte er.
Die Linkspartei forderte erneut Mehdorns Rücktritt. Wenn er von dem Datenabgleich nichts gewusst habe, habe er seinen Laden nicht im Griff, sagte die Verkehrsexpertin Dorothee Menzner. Winfried Hermann von den Grünen kritisierte, Mehdorn habe kein Unrechtsbewusstsein. "Es ist eben nicht internationaler Standard, zur Korruptionsbekämpfung gleich das gesamte Personal zu verdächtigen." (rtr)

15:17
Auch ich stelle mir immer wieder verwundert die Frage, wer diesen Herrn Mehdorn eigentlich deckt - besonders wenn ich lese, wie dieser über Politiker bzw. generell Kritiker herzieht.
Zunächst habe ich auch an eine Männerfreundschaft mit Schröder geglaubt - aber mit Merkel geht es ohne Einschränkung weiter. Also können die Leichen, hinter denen er sich verschanzt, nicht nur im Keller der SPD liegen; auch die CDU/CSU ist wohl ausreichend stark involviert.
Ich bin gespannt, wie das noch weitergeht; den Verkehrsminister hat er ja schon zum Hanswurst degradiert. Wer ist der Nächste?
13:14
Eine Rvisionsabteilung gibt es in jedem Betrieb:
Und die 99% sollten froh sein das es die gibt.
Weiß ich als MA ob mein Kollege manchmal nicht mal eben meinen PC nutzt um mal eben was zu machen, nur weil ich es vergessen habe den zu sperren.
Das kommt aber durch einen Datenabgleich erst raus und manchmal erst Monate später.
Dafür ist aber eine Revision zuständig und hilft mir, mich ehrlich und sicher zu fühlen.
Mehdorn untersteht diese Abteilung, aber er läßt sie eigens verfahren. Sonst wäre eine Revision nichts.
Es gibt in jedem Unternehmen Diebstahl, bestechung usw. Im kleinen geht es um die fünf Müllbeutel der Putzfrau bis in zu Millionen mit eigenen Hausbau. Also warum soll man da was über Überwachung etwas sagen. Sonst wären die nicht rausgekommen.
Mehdorn macht noch was für mich gutes: Wer will es nicht intern klären und die Politik hat es doch mit seinen Instrumenten versäumt.
Wer wird nicht gerne eher erwischt, verliert nur seinen Platz als das die Polizei kommt und man noch zusätzlich im Knast landet.
Also soll die Merkel mal selber im Werk spionieren. Dann heißt es, die Stasi ist da....
Nein zur Politik, aber das bei der Bahn ist legal, normal und in jedem anderen Großbetrieb. Wer das läutet sollte mal auskunft beziehen über seine Revisionsberichte!
Ich bin froh das es so ist und ich arbeite ehrlich. Aber der Schutz durch die Revision vor anderen ist für mich Sicherheit.
Denkt mal nach und kehrt vor der eigen Tür, im eigenen Beruf.
12:57
Ist Herr Mehdorn noch zu halten?
12:46
Wer überwacht die Führungsriege der Bahn?? Herr Tiefensee, Sie haben geschlafen und sollten mit zurücktreten. Aber mit der SPD ist es sowieso bald vorbei. Gut so.
12:13
Frage 1: Leiden die Konzernlenker wie auch unsere Herrschaften im Bundestag mit diesem Überwachungswahn an Paranoia?
Antwort:
Wer seinen eigenen ***** nicht traut kommt auf solche Maßnahmen.
12:07
Der Vorstand kümmere sich ja auch nicht um die Bestellung von Briefumschlägen oder Briefmarken.
Nee, sicher nicht - aber er zahlt die Rechnung.
Weiß nicht, ob man diese Maßnahme nicht eleganter hätte durchführen können. War vielleicht doch nicht so professionell angelegt.
Ich versuche mal, das Geschehen differenziert zu betrachten:
In einer Zeit, in der sich Politiker und Führungskräfte möglichst bis auf die Unterhose ausziehen und ihre Einkünfte und Tätigkeiten offenlegen sollen um gar nicht erst in den Verdacht einer Vorteilsnahme zu kommen finde ich es nur fair, auch den umgekehrten Weg zu gehen. Ob das so erlaubt ist wie geschehen, ist eine andere Frage - das wird die Staatsanwaltschaft klären.
Jeder Chef auf der Welt wird vermeiden wollen, dass irgendwelche Mitarbeiter in erster Linie ihre Privatfirmen mit lukrativen Aufträgen bedenken. Da werfe ich keinen Stein - aber man muss sich an die Gesetze halten und eine gewisse Privatsphäre respektieren. Beide Seiten.
11:43
Frage 1: Leiden die Konzernlenker wie auch unsere Herrschaften im Bundestag mit diesem Überwachungswahn an Paranoia?
Frage 2: Hat o.a. Personenkreis die Stasiunterlagen studiert?
Frage 3: Gibt es vielleicht eine Unterwanderung von Scientology?
Mal drüber nachdenken!?!
Es lebe die totale überwachung! oder was?
11:38
Ich möchte das Buch Überwachen und strafen von Michel Foucault empfehlen. Dort wird der sich selbst übewachende Überwacher als Ideal einer modernen Gesellschaft bezeichnet. Wenn jeder Bahnmitabeiter sich demnach selbst überwacht, könnte die von aussen stattfindende Überwachung ins Über-Ich getrost verlegt werden. Jeder Bahnmitarbeiter benötigt darum dieses Buch. Und natürlich sind Räume immer nach Macht organisiert! Wenn der Überwacher sich selbst sorgfältig genug sändig überwacht, verinnerlicht er damit die Macht der anderen über ihn als fremdbestimmte Macht in sich selbst, deren Bestimmung von aussen nicht (mehr!) als solche empfunden wird.
Somit kann es kenen Überwachungsskandal mehr geben!
Es lebe die Philosophie!
10:20
Für mich stellt sich nur eine Frage. Hat sich Herr Mehdorn auch auf Korruption und Steuerhinterziehung checken lassen?
09:53
Schon gemerkt? Mehdorn ist immer gegen alle Vorwürfe resistent. Schuld haben nach seiner Ansicht nur die Medien.