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Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte

08.03.2013 | 10:43 Uhr
Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte
Hartmut Mehdorn zu seiner Zeit als Air-Berlin-Chef. Damals verklagte er den Berliner Flughafen - und wird während des Prozess' nun dessen Chef sein. Foto: dapd

Essen/Berlin.  Die Berufung von Hartmut Mehdorn als neuem Flughafenchef in Berlin hat ihre Tücken. Zum einen ist der frühere Chef von Bahn und Air Berlin nicht gerade für sein Geschick im Umgang mit der Politik bekannt. Zum anderen steht er mit dem neuen Job an der Spitze eines Airports, den er als Air-Berlin-Chef auf Schadenersatz verklagte. Und der Prozess steht noch aus.

In welcher Einheit wird die Verspätung eines ICE gemessen? In Mehdorn.

Ein platter Scherz mit ernstem Hintergrund: Der langjährige Bahnchef - 1999 bis 2009 steuerte er das größte Staatsunternehmen – hat mit seinen spritzigen Träumen vom großen Börsengang viel versaut im deutschen Schienennetz. Der planlose Sparkurs ging zu Lasten der Kundschaft.

Kanzlerin Merkel bremste Hartmut Mehdorn aus

Er ließ Weichenheizungen ausbauen – im Winter friert heute gerne der Fahrplan ein. Er demontierte Instandhaltungswerkstätten -  mühsam muss Nachfolger Grube Infrastruktur und Vertrauen wieder reparieren. Unvergessen sind die Bemühungen des Managers, das Preissystem zu revolutionieren, die erfolgreiche Bahncard zu schrotten und eine Zusatzgebühr für den Ticketkauf am Schalter zu nehmen.

Erst die Kanzlerin, die ein gut entwickeltes Gespür für die Realitäten des Lebens hat, bremste ihn aus und ließ ihn am Ende fallen.

Jetzt also: Mehdorn, der Flughafensanierer. Unbestritten braucht der misslungene Groß-Airport vor den Toren der Hauptstadt eine kräftige Hand, um die internationale Blamage der verspäteten Fertigstellung auszubügeln. Dennoch darf ein Fragezeichen hinter die Klugheit der Landesregierungen in Berlin und Brandenburg gemacht werden: Ist das die richtige Wahl?

Interessenskollision zwischen altem und neuem Job

Denn erstens: Nach seinem Sturz als Bahnchef hat er in seiner kurzen, nur 16 Monate dauernden Anschlussverwendung als Boss von Air Berlin genau eben jenen Flughafen verklagt, dem er jetzt vorstehen soll. Der Prozess um die Millionen Schadenersatz, die der einforderte, hat noch gar nicht angefangen. Es riecht also nach Interessenkollision.

Und zweitens: Im Umgang mit der Politik hat er sich nie gut geschlagen. Legendär ist seine Weigerung als Bahnchef, den Bahn-Eigner Bundestag als  Partner auf Augenhöhe zu akzeptieren. Das soll jetzt anders werden? Der Flughafen Berlin ist keine Privatfirma. Sein künftiger Chef  braucht ein feines Gespür, um ihn durch das Dickicht von Länderinteressen, Parlamentsrechten, Airline-Wünschen und allgegenwärtigen Lärmgegnern zu lavieren.

Der Hoppla-jetzt-komm-ich-Auftritt  des Tausendsassas wird da schnell erneut gegen die Wand gehen können. Zum dritten Mal.

Dietmar Seher



Kommentare
09.03.2013
09:14
Heiko Sakurai
von Tritt_Brettfahrer | #38

Kann die WAZ nicht noch einmal die Karikatur zeigen, in der Hartmut Mehdorn,
gerade aus einen vor die Wand gefahrenen ICE ausgestiegen, die Gangway zum Air Berlin Flieger hinauf steigt – mit einem völlig gleichgültigen Gesicht?

08.03.2013
20:06
Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte
von fogfog | #37

jetzt haben die verantwortlichen politik-nullen einen wirtschaftversager eingesetzt.
bei diesen ganzen nichtskönnern kann nur müll herauskommen. kann niemand diese versteckte geldschieberei untereinander mal stoppen???

08.03.2013
17:07
Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte
von sprichdichaus | #36

Das ist nun einmal der deutsche Normalzustand wie er seit einiger Zeit betrieben wird. Die Elite der Nation geht ins Ausland weil sie hier vergrault wird , aber Serienversager bekommen hochrangige Aufgaben. Da geht doch der Glauben gänzlich verloren das jemals etwas besser wird.

08.03.2013
15:55
Ob der Berliner Flughafen jetzt wohl auch...
von Tritt_Brettfahrer | #35

... in den Untergrund verlegt wird?

08.03.2013
15:44
Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte
von Pitti12 | #34

Da hat man ja den Bock zum Gärtner gemacht. Die Bahn marode, Stuttgart 21 ein Desaster und bei Air Berlin hat er ja wohl bisher auch keine Glanzleistungen vollbracht. Jetzt kann er den Berliner Flughafen auch noch vor die Wand fahren. Und als gleichzeitiger Kläger gegen den Flughafen ist er doch überhaupt nit loyal. Fragt sich wer nun schneller Bankrott geht. Der Flughafen oder Air Berlin. Es zeigt die große Verzweiflung der verantwortlichen in Berlin ausgerechnet Mehdorn anzuheuern.

08.03.2013
15:20
Mehdorn
von akaz | #33

der Name müsste doch bei jedem SPDler die Zornesröte ins Gesicht steigen. Und was machen die Großfürsten von Berlin und Brandenburg? Denen ist ihre Herkunft total egal. Wie SPD, kennen wir nicht, haben wir nichts mit am Hut, Mitgliederwillen sche..... doch drauf.
So sieht die rote Politik aus, sie ist von den anderen Farben nicht zu unterscheiden.

Ich habe mal ne einfache Frage. Wird Mehdorn auch im voraus bezahlt? Es soll ja eine Summe zwischen 500.000 und 1 Mio. pro Jahr im Raum stehen, bei einem Drei-Jahres-Vertrag, da summiert es sich. Wenn dann in Bälde der Ofen aus ist, er hat das Salär im Sack, und der Topmanager kann sich anderen Projekten widmen, um sie an die Wand zu fahren!

2 Antworten
Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte
von wkah | #33-1

Seit wann ist unser Verkehrsminister in der SPD?

Haben sie da neue Infos?

Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte
von akaz | #33-2

@ wkah: Wo erwähnte ich einen Verkehrsminister?
Welchen meinen Sie denn eigentlich, den des Bundes oder eines der beteiligten Länder? Vermuten Sie etwa unter den Großfürsten von Berlin und Brandenburg einen Verkehrsminister?
Also bitte korrekte Fragen stellen, auf die dann ebenso korrekt geantwortet werden kann.

08.03.2013
15:05
Eine gute Entscheidung zur rechten Zeit!
von Kuman-Kuman | #32

Gut, dass man mit Herrn Mehdorn endlich einen Manager mit Format verplichtet hat! Er ist wenigstens eine echte Führungspersönlichkeit, die sich nicht von jedem dahergelaufenen Wichtigtuer reinreden lässt! Natürlich eckt er permanent an. Seine Art schmeckt vielen nicht, die damit nicht umgehen können. Aber genau so jemanden braucht man, um dieses tragische Projekt endlich auf die Zielgeraden zu bringen! BRAVO!
Und allen Kritikern sei mal gesagt, dass es eben nicht immer die populärsten sind, die Veränderungen herbeiführen und Dinge bewegen! Lasst ihn doch erst mal anfangen! Kritisieren kann man dann immer noch. Oder sich entschuldigen!

08.03.2013
14:59
ach übrigens...
von ruhrgebietwest | #31

..man munkelt, nach dem Flughafen und seiner Umwandlung in ein riesiges Maisfeld als Beitrag für Brot für die Welt, kündigt Herr M. und kümmert wird sich dann um Stuttgart 21, da soll noch Geld aus meinen Steuerbeiträgen in den Kassen sein. Zumindest solange dort noch keine Züge fahren....

08.03.2013
14:49
Der Wahnsinn hat Methode
von ruhrgebietwest | #30

Als Herr M. damals nach verschiedenen Jobs u.a. bei der LH bei der Bahn antrat, tat er das mit dem Ziel, die Bahn gegen über den Fluggesellschaften zumindest auf Kurzstrecken konkurrenzfähig zu machen. Hat geklappt, die Tickets der Bahn wurden so teuer, dass man lieber für 19 Euronen durch Deutschland flog, als für 29 mit der Bahn zu fahren. Dann wechselte er zur Air Berlin, ein bis dato expandierendes Unternehmen, das die LTU übernahm, sich mit anderen Gesellschaften zusammen tat um Synergieeffekte in der europäischen Luftfahrt zu nutzen. Herr M. kam und gewohnheitsgemäß begannen Einsparungen (vorher war das kein Thema) und die daraus resultierenden Massnahmen erledigten die bis dahin solvente Fluggesellschaft (Spritmangel auf Flügen, Serviceverschlechterungen) - zumindest schon mal das Ansehen. Auch hingerichtet.Fertig. Logischerweise folgt jetzt nach dieser Hinrichtung ganz konsequent weitergedacht die Hinrichtung des so genannten Hauptstadtflughafens. M. wächst eben an den Aufgaben

08.03.2013
14:41
Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte
von michalek | #29

Man kann über die Narretei der Landesregierungen nur noch den Kopf schütteln. Wenn diese Geschichte nicht Generationen von Steuerzahlern viel Geld und auf der anderen Seite erheblichen sozialen Abbau kosten würde, wäre sie zum Lachen.

1 Antwort
Mehdorn soll den Flughafen leiten, den er selbst verklagte
von tzler | #29-1

Nicht Landesregierung, sondern Bundesregierung in Person des Bundesverkehrsministers Ramsauer!

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