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Pferdefleischskandal

Maue Kennzeichnungspflicht macht es Fleisch-Betrügern leicht

18.02.2013 | 13:28 Uhr

Essen.  Anlässlich des Pferdefleischskandals erneuern Verbraucherschützer ihre Forderung, dass die Herkunft von Fleisch besser gekennzeichnet werden muss. Woher ein Stück Fleisch kommt, muss auf der Verpackung nicht angegeben werden, wenn es weiterverarbeitet wird. Da reicht schon eine Prise Salz.

Woher kommt das Fleisch im Fertigprodukt aus der Tiefkühltheke? Das wissen oft noch nicht einmal die Händler. Erst recht nicht die Verbraucher, die im Supermarkt vor der Tiefkühltruhe steht und auf eine Packung Fertigware blicken. Denn es gibt keine ausreichende Kennzeichnungspflicht für Fleisch. Das wurde von Verbraucherschützern schon lange vor dem europaweiten Pferdefleischskandal bemängelt.

"Wir wünschen uns eine bessere Kennzeichnung", sagt Sabine Klein von der Verbraucherzentrale NRW . Und die Experten haben guten Grund für diese Forderung: Denn auch in Nordrhein-Westfalen wurde nun bei amtlichen Kontrollen nicht deklariertes Pferdefleisch in Lebensmitteln entdeckt. Drei positive Funde gäbe es bislang, so teilte das NRW-Verbraucherschutzministerium am Montag mit. Nun sollen die Proben auf mögliche Medikamente getestet werden. Die pharmakologische Untersuchung würde ein paar Tage dauern, so Frank Seidlitz, Sprecher des NRW-Verbraucherschutzministeriums. Derzeit gäbe es in Deutschland keine Hinweise auf Medikamente in falsch deklariertem Pferdefleisch.

Hersteller und Gesetzgeber müssten sich im aktuellen Pferdefleischskandal "an die eigene Nase packen", meint Klein. Unzureichend seien die Regeln für die Kennzeichnung von Fleisch. Denn nur bei unverarbeiteten Rindfleisch und Rinderhack müsse der Händler angeben, wo das Tier geboren, gemästet, geschlachtet und zerlegt wurde, so Klein. Werde das Fleisch gesalzen, mariniert oder in Fertiggerichten verarbeitet, bestehe die Kennzeichnungspflicht laut EU-Verordnung nicht mehr, erklärt die Expertin. Eine Prise Salz reicht und schon kann der Verbraucher nicht mehr herausfinden, woher sein Fleisch kommt.

Geflügel aus China und Indien

Eine Ausnahme bildet noch Geflügelfleisch aus Nicht-EU-Ländern: Da müsse die Herkunft gekennzeichnet sein, so Klein. Allerdings nur so lange, wie das Geflügelfleisch nicht weiter verarbeitet wird. "Es landet massenhaft Geflügel aus Brasilien oder China in Fertigprodukten", sagt die Verbraucherschützerin. Und die Konsumenten an den Supermarkt-Tiefkühltruhen bleiben ahnungslos. Nicht zuletzt wird durch die fehlende Kennzeichnung den Verbrauchern die Möglichkeit genommen, sich beispielsweise gegen ein Produkt zu entscheiden, dessen Fleischanteil aus China kommt.

Zwar könnten Verbraucher sich beim Händler über ihr Fleisch informieren, doch einen Rechtsanspruch auf diese Auskunft hätten sie nicht, erklärt Klein. Oft, so die Expertin, wüssten die Händler und Hersteller selbst nicht, woher ihr Fleisch eigentlich kommt. "Das müssen sie auch laut Gesetzgeber nicht." Denn in den meisten Fällen werden die Tiere in einer Art Kette aufgezogen, geschlachtet, zerlegt, verarbeitet. Jeder Betrieb, der daran beteiligt sei, müsse immer nur wissen, was mit dem Fleisch auf der vorherigen Stufe passiert sei, so Klein. Zum Beispiel: Der Betrieb, der ein Tiefkühlprodukt mit Fleisch herstellt, muss wissen, von welchem Händler er das Fleisch unmittelbar bezogen hat. Er ist aber nicht gesetzlich dazu verpflichtet, zu wissen, wo das Tier geboren wurde. "Das finden wir Verbraucherschützer nicht gut", kommentiert Klein.

Angabe soll auf die Verpackung

Die Verbraucherzentrale NRW fordert daher, dass die Herkunft von Fleisch besser gekennzeichnet wird. "Eine Herkunftsangabe sollte auf die Verpackung", sagt Klein. Es sei nun an der Zeit, über eine bessere Regelung zu sprechen. Muss auf der Packung der Tiefkühl-Lasagne dann stehen: Rind, geboren in Deutschland, gemästet in Frankreich, geschlachtet in Italien, zerlegt in Polen und verarbeitet in Großbritannien? Das wäre die wohl transparenteste Lösung. "Darüber muss man jetzt diskutieren" sagt Klein.

Dass die Verbraucher ein großes Interesse haben, zu wissen, woher ihre Lebensmittel stammen, zeigt auch eine Umfrage, die der Europäischer Verbraucherverband Ende Januar vorstellte. Die Herkunft der Produkte ist demnach für 70 Prozent der befragten Konsumenten ein entscheidender Kauffaktor.

Pirkko Gohlke


Kommentare
19.02.2013
02:44
Rote Karte ziehen im Dschungel der Fertiggerichte!
von AMSTERDAMNED | #6

Ziehen Sie als Verbraucher Rot gegen Marken und Hersteller! Das geht ganz einfach. Grundlage: der jetzige Skandal, in dem man Sie arglistig getäuscht und betrogen hat.
Lösung: Sehen Sie die involvierten Marken wie Spieler und die involvierten Hersteller wie Vereine!
Beispiel: Marke Findus Lasagne. Produzent: Findus.
Aktion: Ziehen Sie Rot gegen Findus Lasagne! Und Rot gegen den Produzenten gleich dazu! Zweimal Rot? Ja! Kaufen Sie nie wieder Finuds-Produkte. Vollkommen ernst.

Wenn es jeder Verbraucher so machen würde (mit allen involvierten Firmen) dann wären die Firmen innerhalb eines Jahres Konkurs.
Sie als Verbraucher haben eine grosse Macht: endgültiges Rot bedeutet dass Sie nie wieder einen Euro (Cent) in diese Firma (Firmen) stecken, die Sie betrogen hat. MfG,

18.02.2013
19:28
Maue Kennzeichnungspflicht macht es Fleisch-Betrügern leicht
von Broncezeit | #5

Ein Beipackzettel wie bei Medikamenten wäre nicht schlecht.

Aber immer noch keine Gewähr für Fusch und Betrug.

Was die Überwachung betrifft, auch Überwacher sind bestechlich.

1 Antwort
Maue Kennzeichnungspflicht macht es Fleisch-Betrügern leicht
von IIDottore | #5-1

"Die Medikamente ,die dem Pferd und dem Bernhardiner in diesem Hackfleischgericht verabreicht wurden ,können bei empfindlichen Menschen gefährliche Wechselwirkungen erzeugen . Für Schwangere , Stillende , Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem nur nach ärztlicher Konsultation geeignet .

Nebenwirkungen : Häufige Nebenwirkungen sind Durchfall ,Erbrechen und allergischer Auschlag .Bei einigen Essern wurden vermehrt migräneartige Kopfschmerzen und Pilzerkrankungen im Intimbereich beobachtet . In seltenen Fällen kann es zu Nierenversagen und Leberzirrose kommen

Dosierung : eine tägliche Dosis von 2g pro kg Klrpergewicht gilt als weitgehend ungefährlich . Bei Überdosierung dofort die Notaufnahme aufsuchen !"

18.02.2013
18:31
Und was lernt die EU daraus - Medikamtenversuche an Menschen weniger kontrollieren
von meigustu | #4

denn wenn Gesetze scharf überwacht würden, müssten sehr viel mehr ehrenwerte Manager straffällig werden.

18.02.2013
14:33
Maue Kennzeichnungspflicht macht es Fleisch-Betrügern leicht
von icolor | #3

Naja, warum viel ändern?

Warum nicht wie üblich mit auf´s Etikett?

"Kann Spuren von Pferdefleisch enthalten"

Und gut ist ....

18.02.2013
14:18
Maue Kennzeichnungspflicht macht es Fleisch-Betrügern leicht
von jessiesrevenge | #2

solange es ja nichtmals exakt kontrolliert wird, wirds auch nix ändern, wenn man es kennzeichnet, wer sagt denn das der angegebene Ort auch stimmt?? 100% Rind hat ja auch nicht gestimmt.....Die Politiker müßen erstmal lernen das es nix bringt, wenn Firmen sich selber kontrollieren und das man nunmal in der heutigen Welt mit sowas rechnen muss, da die Firmen nur noch an den Gewinn denken und nicht an die Menschen die das kaufen, denen interessiert das doch nicht, ob sich wer eckelt oder jemand krank wird, solange die keine Strafen zu befürchten haben, die denen auch wirklich weh tuen wird das sich nicht ändern lassen - denn am Ende zahlt eh wieder der Endverbraucher deren Rechnung...

18.02.2013
13:59
Maue Kennzeichnungspflicht macht es Fleisch-Betrügern leicht
von Shy_Eye | #1

Genau, aktuelles Beispiel dafür ist VOSKO !!! Die schreiben auf ihren Verpackungen nicht drauf wo das Fleisch herkommt, sie beziehen es aber zu 99% aus Brasilien!° Was soll das? Ich will kein Fleisch aus Brasilien! Aber auch an der Frischetheke ist es ein Problem! Dort erfährt man meistens GAR NICHTS! Nicht mal was dem Fleisch beigemischt ist oder der Wurst.

Wir werden hier ganz auf die Schippe genommen... das ist Lobbyarbeit! Und jetzt tun alle so, als wären sie schockiert (Politiker) !! Es war doch von Anfang klar welche Ausmaße das nehmen wird. Hier kann sich niemand rausreden! Vor allem nicht die Aigner...

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