MAN Diesel & Turbo bekennt sich zum Standort Oberhausen

Im Turbinenwerk in Oberhausen werden derzeit 120 Stellen abgebaut. Dabei soll es aber bleiben.
Im Turbinenwerk in Oberhausen werden derzeit 120 Stellen abgebaut. Dabei soll es aber bleiben.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Uwe Lauber, Chef von MAN Diesel & Turbo, bekennt sich zum Oberhausener Werk und spricht über Chancen durch die derzeitige Energiewende – in China.

Oberhausen.. Wie der große Nachbar Siemens in Mülheim baut auch der Turbinenbauer MAN Turbo & Diesel in Oberhausen derzeit Stellen ab. Vorstandschef Uwe Lauber sieht das Werk aber wieder im Aufwind und gab im Gespräch mit dieser Zeitung ein klares Bekenntnis zu seinem Revier-Standort ab.

Herr Lauber, VW baut den MAN-Konzern um, will von Wolfsburg aus durchregieren. Was bedeutet das für MAN Diesel & Turbo?

Uwe Lauber: Das ist für uns nur positiv, wir können unsere Strategie direkt mit VW abstimmen, das bedeutet kürzere Wege und kürzere Entscheidungsprozess

Warum sollte Europas größter Autobauer langfristig am Bau etwa von Gas- und Dampfturbinen festhalten?

Lauber: Wir kümmern uns nicht um Spekulationen, sondern konzentrieren uns auf das, was wir können, das ist der Bau von Turbomaschinen, Schiffs- und Kraftwerks-Dieselmotoren. VW ist eine gute Mutter für uns, die uns sehr hilft. Hier in Oberhausen haben wir gerade erst 8,5 Millionen Euro in einen neuen Prüfstand investiert.

Wirtschaft Ihr großer Konkurrent Siemens streicht in der Nachbarstadt Mülheim gerade 950 Stellen, Sie bauen in Oberhausen gerade rund 120 Stellen ab. War es das oder droht auch bei MAN eine zweite Welle?

Lauber: Das Programm läuft noch, aber wir sind vernünftig durch unsere konjunkturbedingte Talsohle gekommen, die jüngste Entwicklung stimmt mich positiv, die Aufträge ziehen an. MAN ist keine Hire&Fire-Firma, das Wissen unserer Fachkräfte in Oberhausen ist für uns unendlich wertvoll. Der Stellenabbau läuft sozialverträglich und auch Kurzarbeit ist derzeit überhaupt kein Thema. Bis auf weiteres müssen wir bei der Mitarbeiterzahl auf Sicht fahren. Sollte der Markt wieder anziehen, bauen wir auch wieder Stellen auf.

Siemens klagt über die Verwerfungen der Energiewende, Gasturbinen werden hier nicht mehr gebraucht. Haben Sie nicht dasselbe Problem?

Lauber: Wir sind bei Weitem nicht so vom Kraftwerksbau abhängig, unsere Turbomaschinen werden neben der Energieerzeugung auch in der Prozessindustrie oder der Öl- & Gasbranche eingesetzt. Beim Elefantenrennen der Großen wollen wir gar nicht mitmischen, Elefanten sind träge und können nicht so schnell umschalten. Wir tun genau das – wir sind schnell und flexibel und wollen intelligent wachsen, indem wir genau die Produkte anbieten, die der Markt gerade nachfragt. Um das zu erreichen haben, wir unsere internen Strukturen entsprechend angepasst.

Wenn Ihnen das gelingt, könnte ein Elefant Sie schlucken wollen.

Lauber: Zu solchen Spekulationen kann ich nichts sagen. Mein Job ist es, eine bessere Produktpalette hinzulegen als unsere Konkurrenz.

Auch wenn die Energiewende Sie weniger trifft als Siemens – wie viele Aufträge erhalten Sie denn noch aus Deutschland?

Lauber: 95 Prozent unserer Maschinen gehen in den Export. Natürlich tut uns etwa der Stillstand bei der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Deutschland weh, für die wir wichtige Komponenten herstellen, aber wir können und dürfen nicht auf die Politik warten, sondern müssen reagieren.

Kohle Die Regierung plant nun Strafabgaben für alte Kohlekraftwerke, das könnte auch kleinere Gaskraftwerke wieder rentabel machen. Vielleicht profitieren Sie ja noch von der Energiewende?

Lauber: Wenn es in Zukunft stärker als bisher in Richtung kleinerer, dezentraler Kraftwerke geht, stehen wir natürlich wie die Zinnsoldaten Gewehr bei Fuß und sind dabei.

Mit anderen Worten: Je früher das Aus für die Braunkohle kommt, desto besser für Sie?

Lauber: Wenn die Kohle-Tür geschlossen wird, muss eine andere Tür aufgehen, etwa durch mehr KWK-Förderung. Wir könnten einiges beitragen, unsere Maschinen können Strom in Gas umwandeln und umgekehrt. Insofern halten wir beide Augen auf, was die Politik so treibt.

Wenn Sie in Oberhausen fast nur für den Export produzieren – droht eine Verlagerung ins Ausland?

Lauber: Wir fertigen bereits im Ausland und haben z.B. ein Werk in China. Aber die Qualitätsanforderungen an unsere Produktion sind zu hoch, als dass eine klassische Verlagerung in Billiglohnländer Sinn machte. Wir haben nicht ohne Grund gerade erst massiv in den Standort Oberhausen investiert.

Eine Energiewende gibt es nicht nur in Deutschland, sondern in anderen Formen in vielen Ländern. China zum Beispiel setzt in seinem neuen Fünf-Jahres-Plan weniger auf die umweltbelastende Kohlekraft. Ihre Chance?

Lauber: Ich bin oft in China, die Luft in den Städten dort wird leider nicht besser. Die Regierung setzt deshalb auf neue Technologien, der Trend geht Richtung Gaskraft. Alles, was damit zu tun hat, birgt nicht nur für unsere Energieprodukte große Potenziale. In China, Korea und Japan stehen die großen Schiffswerften – auch im Schiffbau wird vermehrt Wert auf saubere Antriebstechnologien gelegt. Wir liefern dafür die Diesel- und Gas-Motoren.