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Lokführerstreiks kosteten Bahn 150 Millionen

22.01.2015 | 00:12 Uhr

Berlin. Streiks, Stürme, Billig-Busse: Dem größten deutschen Staatsunternehmen hat ein Mix aus Ereignissen und Entwicklungen die Erwartungen für das Jahr 2014 verhagelt. Bahnchef Rüdiger Grube in einer ersten Bilanz: „Es war ein Jahr, auf das wir mit sehr gemischten Gefühlen zurückblicken.“

Was auch damit zu tun hat, dass es die zweite Enttäuschung in Folge für den seit 2009 amtierenden Manager ist. Schon der Jahresabschluss 2013 war mit einem Gewinn von 649 Millionen Euro nur halb so hoch wie der von 2012. Der Abschluss 2014 wird ähnliche Zahlen bringen.

Erstmals nennt Grube jetzt neben den Ausfällen durch die neue Bus-Konkurrenz (120 Millionen Euro) und Sturm „Ela“ in NRW (60 Millionen) die Kosten, die der Mehrfach-Streik der Lokführergewerkschaft GDL verursacht hat: In der Summe sind das 150 Millionen Euro, die sich aus Einnahmeausfällen, Mehraufwand für Notfallpläne und Schadenersatz für gestrandete Reisende zusammensetzen.

Zu allem Ärger: Die Bahn musste Züge während des Streiks irgendwo auf der Strecke parken, was Graffiti-Sprayer gerne genutzt haben: Die Waggon-Säuberung hat zusätzlich in die Bücher geschlagen.

Appell an die Vernunft

Morgen geht es in die nächste Verhandlungsrunde zwischen Bahn-Personalchef Ulrich Weber und GDL-Mann Claus Weselsky. Mit dem Jahreswechsel ist das Klima zwischen den Verhandlungspartnern zwar milder geworden. Dennoch appelliert der Bahnvorstand „mit Nachdruck an die Vernunft, Verantwortung und Verhältnismäßigkeit“ der Tarifparteien, bald zu einem Abschluss zu kommen.

Jetzt will der Konzern Gas geben. Im Februar legt er ein Konzept als Antwort auf den boomenden Bus-Verkehr vor, im März präsentiert die Bahn ihre Pläne für den Fernverkehr. Die fünf Millionen Bahncard-Kunden sollen stärkeren Zugriff auf Sonderangebote bekommen – wobei die Bahncard auf jeden Fall unangetastet bleibt. In den ICE soll allen Fahrgästen „so rasch wie möglich ein stabiles und leistungsfähiges Surfen im Internet gewährleistet werden“.

Für die kommenden fünf Jahre setzt der Vorstandschef auf massive Investitionen des Staatsunternehmens. 28 Milliarden Euro fließen in das bestehende Streckennetz, sieben weitere Milliarden in Neu- und Ausbauprojekte. „Ein solches Investitionsprogramm für den Bahnsektor ist in ganz Europa einmalig“, lobt Grube „die größte Joblokomotive, die bei der Eisenbahn in Deutschland bislang aufs Gleis gesetzt wurde“. Die Bahn selbst wird 1700 neue Kräfte einstellen, Tausende weitere Jobs sollen Aufträge für mittelständische Unternehmen bringen.

Dietmar Seher

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2015-01-22 00:12
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