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Lebensversicherungen

Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten

08.11.2012 | 17:20 Uhr
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
Lebensversicherungen sind nicht mehr die erste Anlagewahl.Foto: dapd

Berlin.   Weil die Lebensversicherer unter den durch die Finanzkrise niedrigen Zinsen leidet, will ihr die Politik unter die Arme greifen. Experten raten Verbrauchern: Ruhe bewahren. Alte Verträge zu kündigen, lohnt sich selten. Neue Abschlüsse wollen aber gut überlegt sein. Inzwischen gibt es bessere Anlagen.

Die deutschen Lebensversicherer geraten wegen anhaltend niedriger Zinsen immer stärker unter Druck – und damit auch Millionen Versicherte. Manche Unternehmen drängen Kunden sogar zum Tausch ihrer alten Verträge, die bis zu vier Prozent abwerfen müssen. „Die neuen Tarife werden als passender dargestellt“, sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. Man könne aber davon ausgehen, dass von dem Tausch nur die Unternehmen profitierten.

Die Regierung will die Branche mit einem Gesetzespaket unterstützen. Das Bundesfinanzministerium geht davon aus, dass finanzschwächere Anbieter ab 2018 in Schwierigkeiten geraten könnten, wenn die Phase der niedrigen Zinsen anhält. Nun sollen Versicherer Gewinnreserven behalten dürfen, statt sie anteilig an Kunden auszuschütten. Kleinlein kritisiert dies als Vertriebsförderung zu Lasten der Verbraucher.

Über 80 Milliarden Euro zahlen die Sparer jährlich in Lebensversicherungen ein

„Die Lebensversicherung ist sicher“, behauptet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Auch von einer Aussetzung der Garantie-Verzinsung, die bei 1,75 Prozent liegt, könne nicht die Rede sein.

Altersvorsorge im Überblick

Die Kapitallebensversicherung ist in Deutschland weit verbreitet. Über 90 Millionen Verträge laufen. Über 80 Milliarden Euro zahlen die Sparer jährlich ein.

Wenn schon die Bundesregierung sich um die Lebenversicherer sorgt – was ist dann mit der eigenen Versicherung? Der Expertenrat lautet: Ruhe bewahren. Fragen und Antworten zu den Schwierigkeiten der Branche.

Können sich die Kunden auf den Garantiezins verlassen?

Der beim Abschluss einer Kapitallebensversicherung gewährte Garantiezins kann nicht einseitig oder rückwirkend verändert oder gar ausgesetzt werden. Allerdings verändert sich die Mindestleistung mitunter für neue Verträge. Während viele alte Policen noch vier oder 3,5 Prozent vorsahen, gibt es seit Jahresbeginn nur noch 1,75 Prozent Garantieverzinsung. Der Begriff täuscht auch noch ein wenig: Diese Zusage bezieht sich nicht auf den gesamten Beitrag, sondern auf den Teil, der angespart wird. Die Kosten für den mit den Verträgen verbundenen Risikoschutz, zum Beispiel gegen Unfall oder Tod, werden nicht verzinst.

Warum haben die Versicherer Schwierigkeiten mit ihren Kapitalanlagen?

Die Unternehmen müssen das Geld der Versicherten möglichst sicher anlegen. „90 Prozent der Anlagen werden festverzinslich angelegt“, erläutert Theo Pischke von der Stiftung Warentest. Dazu gehören vor allem deutsche Staatsanleihen, die kaum noch Zinsen abwerfen.

Kommentar
Erst rechnen, dann handeln - von Wolfgang Mulke
Erst rechnen, dann handeln - von Wolfgang Mulke

Wer einen alten Vertrag besitzt, kann noch zufrieden sein. Im Vergleich zu anderen Anlagen werfen die Policen wegen der vergleichsweise hohen Garantiezinsen gute Renditen ab. Und in vielen Fällen bleiben die Erträge steuerfrei. Für die Sparer hat sich das Engagement also gelohnt.

Anders sieht es bei neuen Abschlüssen aus. Der Garantiezins ist auf 1,75 Prozent geschrumpft. Angesichts der für den Kunden immer noch völlig undurchsichtigen Regeln, nach denen Überschüsse gewährt werden, angesichts unklarer Vertragskosten und Verlusten bei frühzeitiger Kündigung lohnt sich die Unterschrift kaum.

Die Lebensversicherung ist also ein Auslaufmodell. Doch um die Sicherheit der Anlage müssen sich die Kunden noch keine Sorgen machen. Niemand sollte in Panik seine Police kündigen. Erst rechnen, dann handeln.

Wenn es für Schulden des Bundes weniger als zwei Prozent Zinsen gibt, fällt es den Versicherern auf Dauer schwer, die versprochenen drei oder vier Prozent zu erwirtschaften. Da die Europäische Zentralbank den Leitzins vermutlich noch lange niedrig halten wird, verschärft sich dieser Effekt weiter. Bis 2018 erwartet die Bundesregierung noch keine großen Schwierigkeiten. Danach befürchtet das Finanzministerium, „dass einzelne Unternehmen in Schwierigkeiten geraten“, heißt es in einem Schreiben für den Bundestag.

Entspannt sich die Lage, wenn die Zinsen wieder steigen?

Wohl nicht. Die Experten des Ministeriums vermuten, dass viele Kunden in diesem Fall auf besser verzinste Anlagen ausweichen und ihr Geld zurückziehen. In diesem Fall müssten die Versicherungen Anlagen auflösen und dabei erhebliche Wertverluste hinnehmen. „Die Unternehmen haben unter Umständen nicht mehr ausreichende Mittel, um die Verpflichtungen aus den im Bestand verbleibenden Versicherungsverträge zu erfüllen,“ vermuten die Beamten.

Droht eine Pleitewelle?

Nein. Die Bundesregierung will die finanzielle Lage der Branche stabilisieren. So sollen Unternehmen gut verzinste Anlagen länger halten dürfen, statt aktuelle Gewinne daraus an die Kunden ausschütten zu müssen. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) sieht in den Warnungen der Regierung ohnehin „rein hypothetische Betrachtungen“.

Verbrauchertipp
Für wen sich die Lebensversicherung noch lohnt

Etwa 60 Prozent der Bürger haben eine Lebensversicherung, manche sogar zwei. Aber niedrige Zinsen verunsichern die Verbraucher. Viele wissen nicht, ob sich eine Lebensversicherung als Altersabsicherung noch lohnt. Experten raten: Vor allem ältere Verträge sollte man nicht zwangsläufig kündigen.

Die Aufsichtsbehörden hätten noch vor kurzem bestätigt, dass die Lebensversicherer ihre Verpflichtungen auch in ei­ner extremen Niedrigzinsphase noch „etliche Jahre“ erfüllen können. Auch die Stiftung Warentest erkennt keine besonderen Ge­fahren.

Sollten Verbraucher vorsichtshalber ihre Verträge kündigen?

Davon rät Pischke ab. „Aus ei­nem langfristigen Vertrag herauszugehen, ist ein Riesenblödsinn“, meint der Experte. Zur Sicherheit sollten Anleger auf einem Renditerechner im Internet auf der Seite der Warentester nachrechnen, ob sich die Anlage tatsächlich lohnt.

Verbraucher
Ist eine Betriebsrente die richtige Altervorsorge für mich?

Betriebsrenten sind ein gutes Standbein für die Altersvorsorge. Arbeitnehmer haben seit den Riester-Reformen im Jahr 2002 einen Rechtsanspruch auf eine so genannte Entgeltumwandlung. Allerdings rechnen sie sich nicht für alle Arbeitnehmer. Experten warnen vor Fallstricken.

Denn Verbraucherschützer kritisieren, dass die Kunden nicht genau über die tatsächliche Verzinsung informiert werden. Deshalb fordern die Grünen Gegenleistungen der Anbieter für die Hilfe. „Die Versicherungen müssen die Berechnung der Überschussbeteiligungen in einer Form transparent machen, die für ihre Kunden nachvollziehbar ist“, sagte der Finanzexperte.

Sind die Anlagegelder der Versicherungen wie die Spargroschen bei der Bank geschützt?

Bislang haben sich die Versicherungen immer selbst geholfen, wenn einzelne Unternehmen in Schwierigkeiten kamen. Dann übernahmen andere Anbieter die Kunden und damit auch die Verträge, so dass den Verbrauchern kein Schaden entstand. Außerdem gibt es die Auffanggesellschaft Protektor, die von der Branche getragen wird und notfalls den Vertragsbestand von Pleitegesellschaften weiterführt. Bisher sind noch nie Kunden um ihr Vermögen gekommen.

Wolfgang Mulke



Kommentare
11.11.2012
00:27
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von Hugo60 | #7

Am "Storno-Klau" verdienen Versicherungen eine ganze Menge.
Wer seine Versicherung kündigt, erlebt sein blaues Wunder, denn durch eine raffinierte Verrechnung der Abschlusskosten bilden die Versicherungskunden trotz fleißiger Beitragszahlung kaum Sparkapital bei einer Kündigung ihrer Versicherung.
So kann es vorkommen, dass der Kunde gar nichts ausgezahlt bekommt, wenn
er frühzeitig kündigt. Ja, man liest richtig: es gibt eine Auszahlung in Höhe von 0,00 Euro.

10.11.2012
12:16
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von Hugo60 | #6

holmark wie immer ganz staatstragend. Ist der eigentlich Versicherungsvertreter?
Nun ja, dann würde ich mir auch Sorgen um meinen Job machen.

Jedem würde der Bissen im Halse feststecken bleiben, wenn er wüsste, wo Versicherungen ihre Kundengelder anlegen.
Zum Großteil nämlich in Staatsanleihen!

Bei der Finanzkrise im September 2008 wurden ja auch alle so hektisch. Damals wurden die Versicherungen gerettet, und damit die vielen Privatvorsorger.
Die Rende iss sischä.

.

1 Antwort
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von DerMerkerNRW | #6-1

Wenn es nur die Staatsanleihen wären, wäre ja alles eingermaßen Gut!
Aber der größteteil geht in die Verwaltung mit horrenden Gehälter und Pu.f Besuche mit teuren Auslandsreisen!

10.11.2012
10:05
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von holmark | #5

Die Kündigung lohnt sich auf jeden Fall, selbst wenn man einen geringen Verlust macht. Dieser wird auf jeden Fall durch die Möglichkeit deutlich besserer Anlageformen aufgefangen.

Einzig über eine Risikolebensversicherung lohnt sich nachzudenken.

10.11.2012
09:43
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von mikonczak | #4

Nachdem mein, durch Fakten gedeckter, Beitrag hier offensichtlich von einem Moderator ohne Hinweis entfernt wurde nehme ich einen neuen Anlauf fasse mich aber kürzer:

# Kündigen der Lebensversicherung lohnt sich wenn alternative Anlageformen mit guten Renditen bei überschaubarer Laufzeit zur Verfügung stehen. Das BGH hat bezgl. der Rückkaufswerte für Kapitallebensversicherungen ein Urteil gefält welches der Branche Rückzahlungen an die Kunden in Höhe von ca. 12 Milliarden Euro beschert (BGH 17.10.2012 - IV ZR 202/10);
# es ist nicht unwahrscheinlich dass Lebensversicherer aufgrund des Urteils in Schieflage geraten könnten;
# die Protektor AG, in der alle Lebensversicherer Zwangsmitglied sind, kann nur in sehr begrenztem Umfang drohende Insolvenzen auffangen;
# weil das so ist kann die BaFin ein Zahlungsverbot gegen bedrohte Lebensversicherer ausssprechen (siehe § 89 Abs.2 Versicherungsaufsichtsgesetz)
# auch bei Zahlungsverbot müssen die Prämien weiter eingezahlt werden!!!

mikonczak

3 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von RennYuppieRenn | #4-2

Wäre Ihr Beitrag blockiert worden stünde das hier irgendwo. Manchmal hapert es auch an der Technik.

Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von Moderation | #4-3

"offensichtlich von einem Moderator ohne Hinweis entfernt" - Sie haben bis dato vier Beiträge hinterlassen, keiner wurde blockiert - aber es war offensichtlich der Moderator. Ganz großes Tennis!!!

09.11.2012
12:31
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von MalNachgedacht | #3

Und mal wieder ein Artikel aus der Düsseldorfer PR- Schmiede.....

09.11.2012
11:36
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von wortmelder | #2

Lebensversicherungen haben nur einen Gewinner: die Aktionäre der Gesellschaften. Wenn der Staat jetzt hergeht und diesen noch Unterstützung zusichert, um die Aktionäre noch reicher zu machen und die Vorstände noch höher zu entlohnen, versteh ich die Welt nicht mehr! Erstens verkaufen die Unternehmen nicht nur Lebensversicherungen und zweitens lassen sich Ausfälle aus niedrigeren Zinsen durch Entnahmen aus den anderen Spartengewinnen kompensieren. Niedrigere Zinsen haben ja schließlich nicht nur die Versicherungen zu verzeichnen, auch jeder "normale" Sparer kriegt weniger für sein Geld, also, was soll das!!! Finger weg von meinen Steuerzahlungen und keine Umleitung auf "notleidende" Versicherungen!

09.11.2012
11:21
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von neuich | #1

Warum sollen wieder die Versicherungsnehmer die Zeche zahlen? Der Staat/die Politik läßt sich durch die Lobbisten wieder vor den Wagen der Versicherungwirtschaft spannen. Es kann nicht sein das der Staat den Versicherungen bei der Zwangsenteignung hilft. Wo sind die Milliarden und aber Milliarden der Versicherungsbranche geblieben? Provisionen, F(f)este feiern ( Ergo) usw., usw. Vertrag ist Vertrag und muss auch von den Versicherungen erfüllt werden. Genau so wie sie es von jedem Versicherungsnehmer fordern.

1 Antwort
Lebensversicherungen kündigen? Das lohnt sich nur selten
von mikonczak | #1-1

Folgende Punkte sind hier zu bedenken:

Die Lebensversicherung kommt aufgrund der schlechten Renditen, mit dazu noch fallender Tendenz, beim Verbraucher immer weniger an;

Viele Verbraucher die eine, oder mehrere, Lebensversicherungen halten suchen nach Wegen die angesparten Ansprüche in lohnendere Anlagen umzuwandeln. Damit ginge einher die gehaltenen Policen zzu kündigen.

Das würde der Versicherungswirtschaft Liquiditätsproblem bescheren und im Resultat Insolvenzen von Lebensversicherungsgesellschaften wahrscheinlich werden lassen.

Die Protektor AG, in der alle Lebensversicherungen Zwangsmitglied sind, könnte Insolvenzen einer grossen, oder mehrer kleiner Gesellschaften, nicht ausgleichen. Da wird falsche Sicherheit vorgespiegelt.

Man beachte in diesem Zusammenhang das Urteil des BGH vom 17.10.2012 - IV ZR 202/10 wegen Verstosses gegen das Transparenzgebot in den Versicherungsklauseln.

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weiter in Teil 2

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