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Lagarde und Schäuble streiten über Wachstum

12.10.2012 | 15:44 Uhr
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Ohne Wachstum ist eine Erholung der Weltwirtschaft laut IWF-Direktorin Christine Lagarde nicht möglich - anders sieht das Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Auf dem Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Tokio haben sie am Freitag offen über ihre unterschiedlichen Positionen gestritten.

Tokio (dapd). Ohne Wachstum ist eine Erholung der Weltwirtschaft laut IWF-Direktorin Christine Lagarde nicht möglich - anders sieht das Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Auf dem Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Tokio haben sie am Freitag offen über ihre unterschiedlichen Positionen gestritten. Lagarde sagte, Sparpolitik alleine würde die Weltwirtschaft in Gefahr bringen; Schäuble hielt dagegen, hohe Staatsschulden seien ein Hindernis für Wachstum. Auch beim Umgang mit Griechenland gab es Meinungsverschiedenheiten.

Sie sei "verzweifelt optimistisch" in Bezug auf eine globale Erholung, sagte Lagarde. Die oberste Priorität müsse sein, "die Krise zu überwinden, das Wachstum wiederherzustellen und vor allem die Plage der Arbeitslosigkeit loszuwerden". Mittelfristig müssten die Schulden gesenkt werden. Strukturelle Reformen seien dann nötig, um langfristiges Wachstum sicherzustellen, erklärte sie. Notwendig sei daher eine Geldpolitik, die die Banken ermutige, "an den richtigen Stellen" Kredite zu gewähren.

"Das ist das Paket, das benötigt wird", sagte die IWF-Chefin. "Ohne Wachstum ist die Zukunft der Weltwirtschaft in Gefahr." Die weltweite wirtschaftliche Erholung sei noch zu schwach. Für Millionen Menschen seien die Aussichten auf einen Arbeitsplatz zu schlecht, die Kluft zwischen Armen und Reichen sei noch immer viel zu groß.

Schäuble mahnte in einer Videokonferenz zur Vorsicht. "Die Staatsschulden zu erhöhen schafft kein Wachstum, es zerstört Wachstum", sagte er. Wenn man einen Marathon laufe, könne man nicht einfach auf halbem Weg umkehren. Lagarde erwiderte, es gehe nicht darum, bestehende Verpflichtungen auszusetzen, sondern die Geschwindigkeit an die Situation in jedem Land anzupassen.

Der IWF hatte Anfang der Woche in seinem Weltwirtschaftsausblick die Wachstumsprognosen für 2013 von 3,5 auf 3,3 Prozent gesenkt. Vor allem in Europa und den USA sind die Aussichten demnach schlecht.

Niveau der Schulden erinnert laut Lagarde an Kriegszeiten

Lagarde warnte überdies vor den immensen Staatsschulden in den führenden Volkswirtschaften. Teilweise betrügen die Schulden hundert Prozent des Bruttoinlandsprodukts und lägen damit auf einem Niveau, das an Kriegszeiten erinnere, sagte sie. Eine Reduzierung der Schulden sei "unglaublich schwierig ohne Wachstum". Doch bei einer hohen Verschuldung sei Wachstum noch viel schwieriger zu erreichen. Daher sei die Suche nach einer Lösung eine Gratwanderung, ein langer Weg, auf dem es keine Abkürzungen gebe. "Es ist ein Weg, der beschritten werden muss", mahnte Lagarde.

Die IWF-Chefin rief die europäischen Gläubiger dazu auf, Griechenland zwei zusätzliche Jahre einzuräumen, damit das Land das Konsolidierungsprogramm angehen könne. "Manchmal ist es besser, etwas mehr Zeit zu haben", sagte sie angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von mehr als 25 Prozent in Griechenland. Dazu sagte Schäuble, dies würde die Märkte verwirren und die Unsicherheit erhöhen.

Sowohl Lagarde als auch Weltbankpräsident Jim Yong Kim bekräftigten, ohne größere Gerechtigkeit und Gleichheit sei Wachstum nicht nachhaltig. Die Proteste des Arabischen Frühlings hätten gezeigt, dass Wachstum Arbeitsplätze für Junge und Frauen bringen müsse.

Mit Blick auf die USA sagte Lagarde am Donnerstag, dort drohe 2013 eine Krise, wenn Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen in Kraft träten, weil der Kongress seinen Haushaltsstreit nicht beilege. "Auch hier werden entschlossene Handlungen erwartet." US-Finanzminister Timothy Geithner bemühte sich angesichts dieses drohenden Szenarios in seinem Land um ein Signal der Entwarnung. Die Regierung wolle das Problem bis Ende des Jahres in den Griff bekommen, sagte er.

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