Kritik am Verbot für verkaufsoffene Sonntage in Bochum
03.02.2012 | 18:28 Uhr 2012-02-03T18:28:00+0100
Essen/Düsseldorf. Das Entsetzen am Tag nach der Entscheidung des Rates der Stadt Bochum, 2012 die verkaufsoffenen Sonntage komplett abzuschaffen, ist groß. Nun soll doch noch ein Kompromiss, um die Stadt vor einem Image-Schaden zu bewahren.
„Bochum darf nicht auf den Status des Provinznestes zurückfallen“, sagte Thomas Lenk, Vorsitzender des Bochumer Einzelhandelsverbandes, der WAZ. „Das ist ein unglaublicher Schlag ins Gesicht der Händler.“ Neben Siegen wäre Bochum die zweite Stadt in NRW, die Kunden und Handel den Sonntagseinkauf verbietet. Die Nachbarstädte frohlocken bereits über den Umsatz, den sie aus Bochum in die eigenen Zentren umleiten können.
Der Druck auf die Beteiligten in Bochum wurde so groß, dass sie eilig nach einem Ausweg aus der Blamage suchten. Die mit hauchdünner Mehrheit von nur einer Stimme im Rat beschlossene Abschaffung der verkaufsoffenen Sonntage wird in der Bochumer Politik als „Betriebsunfall“ gewertet. Die evangelische Kirche indes begrüßte die Entscheidung. Der Einzelhandelsverband kündigte gestern an, schon die Vorsitzenden aller Ratsfraktionen und Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD), die das Aus für die Sonntage als „wenig glücklich“ bezeichnet, an einen Tisch zu holen. „Wir müssen den wirtschaftlichen und den Image-Schaden von Bochum abwenden“, sagt Handelsverband-Chef Lenk.
Und so deutet alles auf einen Kompromiss für einen neuen Vorstoß im Rat hin – mit weniger als 13 verkaufsoffenen Sonntagen und der Ausklammerung des Muttertags.
„Das ist eine Katastrophe“
Der Ruhr-Park in Bochum, das Einkaufszentrum mit 140 Läden und rund 2500 Arbeitsplätzen, hat seine Werbekampagnen für 2012 längst geplant. Wie in jedem Jahr sind drei verkaufsoffene Sonntage fester Bestandteil des Konzepts. Doch die hat der Rat der Stadt Bochum nun völlig überraschend gekippt.
„Das ist eine Katastrophe. Wir jagen damit die Kunden in andere Städte“, entrüstet sich Jochen Czub, der Manager des Ruhr-Parks. An verkaufsoffenen Sonntagen zählt das Center im Schnitt 50 000 Besucher in fünf Stunden – so viele wie an Werktagen, wenn die Läden zehn Stunden lang geöffnet sind. Czub: „Die Sonntage sind für uns sehr wichtig. Die Händler sind mit dem Umsatz sehr zufrieden.“
Sonntagspläne in Venlo
Umso mehr hofft der Center-Manager, dass der Ratsbeschluss gegen die verkaufsoffenen Sonntage doch noch korrigiert wird. So wie 2010 in Aachen, als das dortige Stadtparlament nach Protest seinen Beschluss widerrief. Bislang stand Siegen mit komplett geschlossenen Läden am Sonntag allein da. Bis auf Düsseldorf haben die großen Städte in der Region die Shopping-Sonntage bereits festgelegt. Die Stadt Venlo plant sogar, die Geschäfte an jedem Sonntag zu öffnen, um deutsche Kunden hinter die niederländische Grenze zu locken.
Dass jetzt ausgerechnet Bochum ausschert, kommentiert der Handelsverband NRW als „Schlag ins Gesicht für alle Händler“. Auch wenn sich die umliegenden Städte insgeheim die Hände reiben, hagelt es Kritik an der Bochumer Entscheidung. „Die Politiker wissen doch gar nicht, worüber sie da entschieden haben“, meint Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Westfalen, der auch Dortmund vertritt. „Die Händler können auf den Sonntags-Umsatz nicht verzichten. Das zusätzliche Geschäft tut ihnen gut.“
Kunden weichen aus
Sein Kollege Marc-Andre Heistermann, der für die Händler in Essen, Oberhausen und Mülheim spricht, pflichtet ihm bei: „Den Verbrauchern kann man das Einkaufen doch nicht austreiben. Sie weichen dann auf Alternativen aus.“ Unter der Bochumer Entscheidung hätten insbesondere die Stadtteile zu leiden, die auf verkaufsoffene Sonntage als Marketing-Instrument angewiesen seien.
Das Bochumer Nein befeuert die Debatte des Landtags über eine Reform des Ladenöffnungsgesetzes. „Die Bochumer Entscheidung ist der beste Beleg, dass die Gesetzeslage nicht verändert werden muss. Vor Ort kann entschieden werden, wie man mit der Liberalisierung des Ladenschlusses umgeht“, erklärte CDU-Fraktionsvize Josef Hovenjürgen. „Die Kommunen brauchen keine Gängelung durch Rot-Grün“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Hendrik Wüst.
Die rot-grüne Landesregierung will die Verkaufsmöglichkeiten am Sonntag einschränken. Sie sieht sich dabei in Einklang mit Kirchen und Gewerkschaften.

07:58
Die subjektive und einseitige Färbung Pro-Sonntagseinkauf Berichterstattung dieser Zeitung ist unerträglich. Wenn die Autoren kommentieren möchten, dann sollten sie das auch so kennzeichnen.
Der Rat der Stadt, immerhin das demokratisch gewählte Entscheidungsgremium, hat keinen Sonntageinkauf verboten; das wird schon durch das Ladenschlussgesetz geregelt. Er hat lediglich den inzwischen anscheinend selbstverständlich erwarteten Ausnahmegenehmigungen nicht zugestimmt.
Ohnehin ist es fraglich, ob bei einem Viertel der Sonntage im Jahr noch von einer Ausnahme geredet werden kann.
Nach den Kommentaren hier zu urteilen, ist unter der Bevölkerung das Thema genauso umstritten und knapp unentschieden wie die Entscheidung im Rat.
Von einer Blamage zu sprechen, wie im Artikel geschehen, deskreditiert die Mitglieder des Rats in erheblicher Weise. Ein "Betriebsunfall" war es sicherlich nicht. Immerhin war für die Abstimmung der Fraktionszwang aufgehoben, so dass die Abgeordneten in freier Entscheidung ihre Stimme abgeben konnten - was leider viel zu selten vorkommt.
Es sei einmal dahingestellt, wie groß der Verlust für die Händler nun wirklich ist. Natürlich ist es schade und bestimmt auch schwierig für den Einzelhandel, wenn Kaufkraft in die Nachbarstädte abwandert. Da das Thema damit allerdings anscheinend nicht auf eine Stadt beschränkt ist, muss hier eine städteübergreifende und allgemein gültige Regelung durch das Landesparalement her.
21:46
Die vom Konsumterror befreiten Werktätigen aus Bochum können ja dann von den Gewerkschaften zu Mahnwachen bei Sonntagsöffnungen in den umliegenden Städten gekarrt werden, um ihren in den Konsumtempeln zur Bedienung der Konsumsüchtigen gezwungenen und geschundenen Mitwerktätigen solidarisch beizustehen. Vorher können die Kanzeln der Kirchen dann ja schon vom donnernden Zorn wider den hedonistischen Zeitgeist erzittern. Hört sich wild an - wird nur nix bringen.
20:37
Die Sonntagsarbeit sollte auf gesellschaftlich notwendiger Tätigkeit beschränkt bleiben. Kein Mensch wird bestreiten, dass bei der Polizei, in Krankenhäuser, in Kraftwerken usw. auch sonntags gearbeitet werden muss. Ob aber die Ausweitung des Konsums gesellschaftlich notwendig ist, hat schon das Bundesverfassungsgericht bezweifelt. Das Arbeitgeber- oder Einzelhandelsverbände Interesse daran haben, dass auch der Sonntag nach und nach zum normalen Arbeitstag wird dient nur dem Zweck langfristig die Sonntagszuschläge abzuschaffen. Die Gesellschaft sollte aus vielen Gründen alles daran setzen, das möglichst viele Menschen einen "gemeinsamen" freien Tag beibehalten können.
"....gesellschaftlich notwendiger Tätigkeit...."
Ich sehe als gesellschaftlich notwendige Tätigkeit weder:
Busverkehr
Taxifahren
offene Restaurants, Imbissbuden, Gaststätten
Tankstellen
Kiosk
Bäcker
usw
an. Diese Tätigkeiten sollten auch auf Wochenzeiten von 8 Uhr bis 19 Uhr beschränkt werden.
Früher machten die Tankstellen z.B. auch abends zu und keinen hat´s gestört. Wieso brauchen wir dann heutzutage 24-Stunden-Tankstellenservice??
PS: Auch der Druck und Verkauf von Zeitungen an Wochenenden ist nicht gesellschaftlich notwendig. Ebensowenig wie Fernseh- oder Radiosendungen am Wochenende. Hier könnte sich die Gesellschaft sinnvoller beschäftigen als vor der Glotze zu hängen.
Zudem sollte auch der Fussball am Wochenende untersagt werden, denn auch die Fußballspieler möchten gerne das Wochenende im Kreis ihrer Familie verbringen, denn auch Fußball ist nicht zwangsweise am Wochenende gesellschaftlich notwendig.
20:17
Manche Kommentare könnten auf der Faschingbühne ,Karnevalsbühne zur Heiterkeit reichen
20:03
Die Taxifahrer arbeiten sogar 24 Stunden am Tag, Busfahrer fangen auch mitten in der Nacht an, nochmal meine Frage: Sind dieses Menschen 2. Klasse gegenüber den armen unterbezahlten (11,00€ / Stunde) Verkäuferinnen, die zumeist sogar noch ungelernt sind. Von solch einem Verdienst träumen die meisten Facharbeiter....
Ich werde morgen abend um 21 Uhr beim Einkauf alle Verkäuferinnen bedauern....
.....wenn ich meinen 14-Stunden Arbeitstag hinter mir habe. :O
Keiner hat Sie gezwungen, diesen Job zu machen. Wir haben in Deutschland immer noch freie Arbeitsplatzwahl.
Dann suchen Sie sich soch einen Job, der Ihnen ermöglicht, zu normalen Zeiten einkaufen zu gehen.
"Keiner hat Sie gezwungen, diesen Job zu machen. Wir haben in Deutschland immer noch freie Arbeitsplatzwahl."
Uuups! Da haben sie aber ein schönes Eigentor geschossen.
Wurden denn die Verkäufer/innen zu ihrem Job gezwungen. Die könnten sich ja auch was anderes suchen.
Nichts Eigentor.
Das war lediglich ein Zitat, eben von Herrn Wurzelpacker. (#48-2)
Ich hoffe, die Absurdität dieser Argumentation damit deutlich gemacht zu haben.
Ich beschwere mich nicht, im Gegensatz zu einigen wenigen Verkäuferinnen, denn ich arbeite gerne 14 Stunden für meine Kunden. Daher brauche ich mir keinen anderen Job suchen.
...denn ich verstehe meine Dienstleistung immer noch als das, was sie sein sollte:
Nämlich Dienst am Kunden.
Oh, sorry, ich wusste ja nicht, was für ein edler Mensch Sie sind.
Das hat nix mit edel zu tun, sondern einfach mit ein wenig Engagement für den Job.
Wenn ich eine Arbeit übernehme, dann weiß ich, was auf mich zukommt.
Dienstleistung heißt ganz einfach:
Ich habe mich an die Wünsche meiner Kunden anzupassen, ansonsten kann ich den Laden dicht machen.
Ich vermute mal, dass Sie selbstständig sind, sonst würden Sie vermutlich nicht 14 Stunden am Tag arbeiten.
Das ist ja wohl etwas anderes als ein Job als Verkäuferin.
Und es geht hier nicht um den Konkurrenzkampf, in dem man natürlich Engagement zeigen muss, sondern um gesetzliche Regelungen. Und wenn alle Läden sonntags zu haben, gehen auch keine Kunden verloren, da die ja irgendwann einkaufen müssen.
Wenn es die Möglichkleit gibt, sonntags zu verkaufen, dann entsteht eben auch der Druck, dass man sich dem nicht entziehen kann. Es ist also alles andere als eine freie Entscheidung des einzelnen Händlers, wann er sein Geschäft aufmacht.
Interessant ist in dem Zusammenhang, dass es sich z.B. im Lebensmittelbereich nur Konzerne wie REWE leisten können, die Mehrkosten durch längere Öffnungszeiten zu stemmen. Damit werden kleineren Geschäften Kunden entzogen.
18:19
manche Kommentare sind ja so was von unterste Schublade, die toppen ja noch
die Panik über die E-Zigarette.
Nur mal so, Wurzelpacker : die Verkäufer/innen arbeiten unter der Woche schon
teilweise bis 22 Uhr, wo bleibt da die offene Apotheke ohne Notdienstzuschlag ?
Wo bleibt da das offene Rathaus oder gar das Finanzamt ?
Also grab mal weiter im Wald und halt den Ball flach ...
Richtig, und zwar arbeiten die Verkäufer/innen nämlich dann auch schon -quasi zwangsweise- seit mindestens 7.00 Uhr morgens. Bis 22.00 Uhr ! Das muss man sich mal vorstellen. Natürlich ist danach und davor keine Zeit mehr, seine Steuererklärung beim Finanzamt persönlich mündlich vorzutragen. Das hat möglicherweise noch niemand richtig durchdacht.
@tomatenkiller:
Keiner zwingt irgendeine/n Verkäufer/in diesen Job zu machen. Wir haben in Deutschland immer noch freie Arbeitsplatzwahl.
Es gibt genügend die froh sind (auch abends) im Laden zu verkaufen oder zu kassieren.
18:11
Unsinn!
Packen wir es doch mal anders herum an.
Schaffen wir doch die Wochenenden ganz ab.
Warum kann ich nicht im Bürgeramt sonntags um 23.00 Uhr meinen Perso beantragen?
Warum muss ich bis Montag warten, bevor der Elektriker mir den Herd anschließt, den ich Sonntagmorgen im Media-Markt gekauft habe?
Warum muss ich mich samstags und sonntags mit meinen Kindern herumschlagen, nur weil die Lehrer Wochenende haben?
Das Problem ist nur: Wen alle sonntags arbeiten, wer geht dann shoppen?
Das zweite Problem ist: Wenn alle wochentags arbeiten müssen, wer geht dann wochentags shoppen?
17:59
@45: Um die Beschäftigten in den anderen Bereichen mit den Werktätigen im Einzelhandel gleichzustellen, sollten dann aber auch entsprechende Schließzeiten für unter der Woche festgelegt werden. Nach 20.00 Uhr muss doch auch keiner mehr ins Restaurant ohne der Gefahr des Verhungerns ausgesetzt zu sein und dort ewig lange Rumsitzen während Kellner /- innen und Küchenpersonal längst nach Hause wollen ist doch auch nicht im Sinne des Erfinders. Nach 20.00 Uhr muss dann auch wirklich alles geschlossen sein. Sicher könnte doch auch insgesamt gesetzlich geregelt werden bis wann und wie sich die Bürger bevorraten bzw. vergnügen müssen. Es würde unsere Welt sicher besser machen und viele Menschen hätten sich wieder lieb !
17:36
Ich bin für eine 5-Tage-Woche in ALLEN Bereichen, dass heißt
freie Wochenenden für Taxifahrer
freie Wochenenden für Busfahrer
keine Öffnung von Biergärten, Gaststätten am Wochenende
denn all das ist nicht lebensnotwendig und daher muss aus den Bereichen auch keiner am Wochenende arbeiten.
Ebenfalls nicht lebensnotwendig z.B.
Telefonauskunft, Internet, Störungsbeseitigungen bei Telefon und Internet, Catering, Abschleppdienste, ADAC-Pannenhelfer und und und. Denn da kann man eben bis zum Montag warten, das ist doch früh genug.
Zudem gehört ein Einkaufsverbot im Internet ausserhalb der regulären Ladenschlußzeiten her.
Es geht nicht an, dass nur für die "armen" Verkäufer/innen so etwas gefordert wird oder sind die Beschäftigten in den anderen Bereichen Menschen 2. Klasse?
Ladenschlußzeiten - sollte LadenÖFFNUNGSzeiten heißen :)
17:05
Jeder geschlossene Sonntag ist ein guter Sonntag. Und in der Woche von 9.00 Uhr bis 18.30 Uhr und Samstags bis 14.00 Uhr reicht völlig.