Krankenkassen legen weitere Milliarden auf die hohe Kante
05.09.2012 | 11:34 Uhr 2012-09-05T11:34:03+0200
Berlin. Die Krankenkassen in Deutschland häufen erneut einen Milliardenüberschuss an. Im ersten Halbjahr erzielten sie einen Überschuss von bei 2,7 Milliarden Euro. Gesundheitsminister Daniel Bahr fordert daher, den Versicherten müsse Geld zurückgezahlt werden: "Krankenkassen sind keine Sparkassen".
Bei den gesetzlichen Krankenkassen hat sich die positive Finanzentwicklung im ersten Halbjahr des laufenden Jahres fortgesetzt. Von Januar bis Juni erzielten die Kassen einen Überschuss von rund 2,7 Milliarden Euro, wie das Bundesgesundheitsministerium in Berlin unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte. Damit steigen die Rücklagen der Kassen auf rund 22,5 Milliarden Euro.
Das Ministerium führte den Überschuss auf den anhaltenden Boom am Arbeitsmarkt und deutlich gestiegene Löhne zurück. Zudem seien die Ausgabenzuwächse unter den Erwartungen geblieben.
Deutlich geringerer Überschuss erwartet
Einnahmen in Höhe von 94,8 Milliarden Euro standen laut Ministerium Ausgaben in Höhe von 92,1 Milliarden Euro gegenüber. Die Einnahmen der Kassen erhöhten sich im Vorjahresvergleich um 3,1 Milliarden Euro, die Ausgaben um 2,8 Milliarden Euro. Für das zweite Halbjahr erwartet das Ministerium einen deutlich geringeren Überschuss. Dennoch werden die Aussichten für das zweite Halbjahr vom Ministerium als "positiv" bezeichnet.
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte, der Überschuss müsse an die Versicherten zurückgegeben werden. "Sie sollen profitieren durch Leistungsverbesserungen und Entlastungen", erklärte Bahr. "Krankenkassen sind keine Sparkassen."
Auch der Gesundheitsexperte der Union, Jens Spahn (CDU), sagte, es sei "falsch, dass Kassen Milliarden an Beitragsgeldern horten". Die Beitragszahler sollten endlich in Form von Prämien davon profitieren, dass ihre Kasse gut wirtschafteten. "Notfalls müssen wir das gesetzlich noch einmal klarstellen", drohte er. Die Reserve für schlechte Zeiten werde im Gesundheitsfonds gehalten.
Reserve von fünf Tagen
Der GKV-Spitzenverband unterstrich dagegen, dass jede Kasse "verantwortungsbewusst und eigenverantwortlich" darüber entscheide, ob sie Zusatzbeiträge nehme, Prämien auszahle oder besondere Zusatzleistungen anbiete. Die hohen Summen dürften nicht den Blick darauf verstellen, "dass der Überschuss aus dem ersten Halbjahr 2012 lediglich einer Reserve von fünf Tagen entspricht und dass der Gesundheitsfonds ein Minus von fast 500 Millionen Euro gemacht hat", sagte GKV-Sprecher Florian Lanz.
Bereits im vergangenen Jahr hatten die Krankenkassen einen Milliardenüberschuss verzeichnet, das Statistische Bundesamt bezifferte ihn auf 9,3 Milliarden Euro. (afp/dapd)

11:54
Wenn man sparen wollte,, müsste man die vielen Krankenkassen erst einmal abschaffen. Wettbewerb gibt es sowieso nicht. Milliarden könnten dann für die Gesundheit eingesetzt werden und nicht für den Wasserkopf Verwaltung.
Die Verwaltungsausgaben liegen lediglich bei rund 5 %, bei manchen Kassen auch darunter. Dies ist weit weniger als irgendsonst in der Privatwirtschaft. Wo wollen Sie hier großartig Geld sparen, dass Sie für Gesundheitsleistungen einsetzen? Glauben Sie etwa, in einem Hundert-Milliarden-System würden die paar Mio. für - zugegebenermaßen eigentlich - unnötige Vorstandsgehälter den Kohl fett machen?
23:38
Wer glaubt, dass die Krankenkassen das nicht ausbezahlte Geld im Wesentlichen für die Versicherten zurücklegen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann ;-)
Bei einer Sparkasse wird es bei einem entsprechenden Konto wenigstens verzinst und auf Kundenwunsch aufgelöst, die Krankenkassen werden sich dagegen ordentlich an den zurückgelegten und zwangsweise dem Beitragszahler vorenthaltenen Summen gesundstoßen - es lässt sich immer viel finden, was angeblich notwendig oder teurer ist oder wo man "Leistungen" ausbauen und mehr dafür kassieren kann, ob der Versicherte will und braucht, oder nicht...
Klar will die FDP in der Wählergunst davon profitieren, trotzdem ist eine Rückerstattung angehäufter Beiträge sinnvoll und notwendig. Es kann und darf nicht sein, dass die Krankenkassen sich von der Wirtschafts- und Marktlage abzukoppeln versuchen und erst abkassieren und erhöhen und dann nicht wieder rausrücken, was sie zusammengerafft haben.
@Daredevil
siehe meine Beiträge zum Thema unten!
Auch die Krankenkassen legen das Geld auf dem Kapitalmarkt an!
In welcher Form sollten sich bitteschön die Krankenkassen an dem Geld gesundstoßen? Und warum sollten diese, wenn dem so wäre, erst Geld ansparen? Sie könnten das Geld längst aus dem Fenster schmeißen. Das Gesundheitssystem ist aber schon seit langem ein fühlbares Mangelsystem u. die Ausgaben werden gezielt verknappt. Jede Mehrausgabe kommt dem Versichten zugute, sofern die Leistungserbringer nicht versuchen - siehe Ärzte überhöhte Gehälter zu kassieren.
Auch das Märchen von den angeblich überhöhten Verwaltungsausgaben zieht nicht. Die liegen lediglich bei rund 5 %!
23:35
Die Beiträge sind meines Wissens zukünftig per Gesetz auf 15,5 % gedeckelt. Es werden darüber hinaus für alle Versicherten - unabhängig vom Einkommen - gleich hohe Zusatzzahlungen fällig, die auch nicht mehr vom Arbeitgeber paritätisch mitbezahlt werden müssen! Besonders unsozial, aber insbesondere von der FDP, aber auch rechten CDUlern gewollt: eine Art schleichende Einführung von gleichen Beiträgen wie in der Privaten Krankenversicherung.
Endlich mal ein Mensch mit Sachverstand und VERNUNFT hier. Danke!
23:14
Gut, dass wir verantwortungsbewusste Krankenkassenmanager haben. Die angesammelten Guthaben sind eine Reserve für wirtschaftlich schlechtere Zeiten. Damit kann auch für die Zukunft dieStabilität der Beiträge garantiert werden. Außerdem sind so auch Leistungsausweitungen der Kassen möglich.
Und die nächste Rezession klopft schon an die Tür. Eine Erhöhung der ARbeitslosenzahlen führt dann zu Beitragsrückgängen und damit zwangsläufig zu höheren Beiträgen. Wie gut, wenn man dann Reserven hat...
23:12
Man muss sich klar machen, dass in Zeiten schlechterer Einnahmen - welche bald kommen werden - innerhalb recht kurzer Zeit die angesammelten Überschüsse verbraucht sein werden. Die Überschüsse entsprechen nur den Ausgaben von einigen wenigen Tagen! Da der Beitragssatz des Gesundheitsfond zukünftig nicht mehr steigen soll, sondern die Kassen von allen Versicherten - unabhängig vom Einkommen - gleichhohe, sich steigernde Zusatzbeiträge nehmen müssen, würde sicherlich schnell ein großes Geschrei unter den Versicherten losgehen. Auch gibt es für alle zusätzlichen Ausgaben dann keine Beitragsparität mit den Arbeitgebern mehr. Verständlicherweise möchten die Kassen dies so lange wie möglich vermeiden. Wenn den Versichterten dies klar wäre, würde sicher nur wenige zur jetzigen Zeit Rückerstattungen fordern.
20:50
Also, her mit der Kohle, mein Mann braucht Hörgeräte, können uns das aber nicht leisten. Die von der Kasse bezahlten reichen bei dem Grad der Schwerhörigkeit nicht aus.
Auch für höherwertige Hörgeräte muss die Kasse zahlen. Urteil des Bundessozialgerichtes. Bezahlt werden Geräte, die dem notwendigen Technikstand entsprechen.
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18:31
Sarkusmus ein:
Können wir dafür nicht griechische Staatsanleihen kaufen ? Unsere Politiker sind doch sonst immer so spendabel wenn es um die Sozialkassen geht oder wie man unsere Knete an die EU verschenkt.
Oder die Krankenkassen geben dem griechischen Gesundheitswesen einen Kredit, damit die ihre Rechnungen bei Bayer und Co. bezahlen.
Die Rentträger erwerben Imobilien aus ihren Gewinnen, als Geldanlage, natürlich spanische, die sind ja gerade soo billig zu haben...
Sorry, wenn die Arbeitslosenversicherung durch Hartz IV Gesetze und dieser Ablösesumme der BA von 10.000/Hartz IVIer bisher 30 Md.€ an den Finanzminister als Strafe zahlen muss, dann können wir unsere Beitragsüberschüsse auch im Mittelmeer versenken oder sich gleich verschenken.
"Sarkusmus aus"
Blechen tut doch eh nur der kleine Man, ob über seine Sozialbeiträge oder Steuern...
14:50
warum greift dieser doofe staat nicht ein und gibt den beitragszahlern das geld zurück, so schwer kann das doch nicht sein in diesem land. bin mal gespannt wann die ersten vorstandgehälter hoch gehen, die kassen sich neue paläste bauen oder ihre tolle verwaltung aufstocken. laufen in dieser republik eigentlich nur unfähige politiker rum?
Ja, nochmals ja!!!
13:36
Wenn die Rentenbeiträge sinken, müssen auch die Krankenkassenbeiträge sinken. Freiwillig werden die Versicherer nichts tun. Warum gibt es das Gesetz analog der Rente nicht, muss man die Politiker fragen!?
Das ist doch vollkommen offensichtlich: Das Gesundheitsministerium ist ja zur Zeit von einem Lobbyisten der privaten Versichungswirtschaft besetzt und eine Senkung der Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherungen passt den privaten nunmal gar nicht in den Kram.
12:55
Zitat aus dem Bericht:
"Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte, der Überschuss müsse an die Versicherten zurückgegeben werden."
Vollkommener Blödsinn. Der Knabe will einzig und allein seine Partei bei der Wählergunst positiv erscheinen lassen. Wenn der Knabe dürfte wie er möchte, würde er die Vorstandsgehälter kräftig erhöhen lassen.
FDP==NO GO!!!