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Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz

01.08.2012 | 19:32 Uhr
Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp konzentriert sich auf interne Weiterbildung, um die Mitarbeiter für eine möglichst lange Arbeitszeit gesund und fit zu halten.Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Düsseldorf.   Bayer tut es, Eon tut es, Daimler und Otto auch: Eine Reihe von Unternehmen holt Rentner zurück an den Arbeitsplatz. Die Älteren sollen ihr Expertenwissen an jüngere Kollegen weitergeben und kurzfristig Stellen fehlender Fachkräfte besetzen.

1000 Rentner gegen den Fachkräftemangel: Mit einer eigenen Tochterfirma will der Versandhändler Otto frühere Mitarbeiter für eine begrenzte Zeit wieder für ihren alten Arbeitgeber begeistern. Das Ziel des Hamburger Konzerns: Die Älteren sollen ihr Expertenwissen an jüngere Kollegen weitergeben und kurzfristig Stellen fehlender Fachkräfte besetzen. Doch Otto ist nicht das einzige Unternehmen, das Rentner aus dem Ruhestand holt. Schon länger nutzen auch Firmen in NRW die Erfahrung ehemaliger Mitarbeiter.

Bayer tut es, Eon tut es und Daimler auch: Sie beschäftigen vereinzelt für bestimmte Projekte längst in Rente gegangene Mitarbeiter. „BaySen“ – Bayer Senior Expert Network – nennt sich zum Beispiel die Initiative des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer. Für ihn ist das Expertenwissen der Rentner im In- und Ausland gefragt. Neben organisatorischen Aufgaben übernehmen die wiedereingesetzten Kollegen auch Tätigkeiten in der Forschung, im Marketing und im Vertrieb.

Expertise der Pensionäre nutzen

„Wir nutzen die Expertise unserer Pensionäre, um den jungen Kollegen weiterzuhelfen“, sagt Elke Ickenstein von der Bayer AG. Dadurch sollen Generationen voneinander lernen. Aktuell sind 28 Rentner bei Bayer beschäftigt. Ihr Einsatz ist auf maximal 50 Arbeitstage beschränkt. In der Datenbank, in die sich Interessierte eintragen lassen können, befinden sich über 200 Ehemalige.

Beschäftigung
Alt und Jung arbeiten zusammen - von Birgitta Stauber-Klein

Der Fachkräftemangel zwingt viele Unternehmen, Arbeitnehmer aus dem Ruhestand zu holen. Dies zeigt, wie kurzsichtig die Politik der Frühverrentnung war. Ein Kommentar.

Auch der Energieversorger Eon hole seine Ruheständler vereinzelt als Berater für Projekte zurück, so Sprecher Georg Oppermann. Aber „unser Vorgehen ist nicht vergleichbar“ mit dem bei Otto. Denn es handele sich dabei lediglich um Einzelinitiativen und nicht um ein großangelegtes Firmen-Projekt.

So verfahren die einzelnen Konzerne zwar unterschiedlich mit ihren ehemaligen Mitarbeitern, verfolgen aber dasselbe Ziel: Die Ruheständler sollen ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Doch nicht alle Firmen setzen dafür auf ihre Rentner. Der Technologiekonzern Siemens etwa legt großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung eigener Mitarbeiter. Dafür investierte das Unternehmen allein im vergangenen Jahr 280 Millionen Euro in Deutschland. Zudem versuche die Firma nach eigenen Angaben, ihre Fachkräfte und deren Expertise durch Vorsorge- und Sport-Angebote bis zur Rente im Unternehmen zu halten. Gleiches gilt für Thyssen-Krupp: Der Industriekonzern konzentriere sich auf interne Weiterbildungen und Programme, um die Mitarbeiter für eine möglichst lange Arbeitszeit gesund und fit zu halten.

Gewerkschaft zeigt sich skeptisch

Uwe Grund vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), befürchtet, dass in Zukunft Rentner anstatt jüngere Kräfte eingestellt werden könnten, weil sie billiger seien, so wie im Falle der Leiharbeiter. „Die sollten auch nur dazu dienen, bei Auftragsspitzen die Belegschaft aufzustocken. Schon jetzt haben wir einen gespaltenen Arbeitsmarkt“ – mit Stammbelegschaften und Niedriglohnarbeitern. „Das Spiel wollen wir nicht wiederholen“, so Grund.

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Nürnberg, 31.07.12: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli auf 2,876 Millionen gestiegen. Das sind 67.000 mehr als im Juni, aber 63.000 weniger als vor einem Jahr. BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sieht deshalb keine Trendwende zum Schlechteren.

Professor Gerhard Bosch, Geschäftsführer des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, begrüßt dagegen das Vorgehen der Unternehmen, solange deswegen keine Ausbildungsplätze wegfallen: „Die Rentner ergänzen die jungen Kollegen, da sie Wissen mitbringen, das die Jungen noch nicht haben.“ Sie seien daher eine wichtige Reserve, so Bosch. „Ihr Expertenwissen tut der Wirtschaft und den Unternehmen gut.“

Anna Hückelheim



Kommentare
03.08.2012
10:50
Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz
von Nebukadnezar | #33

.


Erst die Mitarbeiter über 50 mit einem "goldenen Handschlag" und einer üppigen ABfindung in Rente schicken und sich dann beklagen, daß es keine Fachkräfte gibt. Es drängt sich der Verdacht auf, daß hier bewußt ein Mangel herbeigeredet wird. Außerdem sind bei dem rd. 2,8 Mio Arbeitslose auch viele über 50 dabei, die händeringend eine anerkannte Arbeit und keinen "Sklavenjob" bei einer Verleihfirma suchen. Hier wird wieder der Boden bereitet, um ausländische Arbeitskräfte anzuwerben, damit die Arbeitgeber ein genügend großes Reservoir an Arbeitslosen haben, um das Lohnniveau insgesamt zu senken.
Aufmerksame Arbeiter sollten hier kritisch das Verhalten der Arbeitgeber beobachten und sich solidarisieren.

Quo vadis Deutschland ?

03.08.2012
10:47
Konzerne haben das Problem selbst verursacht...
von FreieMeinung79 | #32

Jetzt rächt sich, was die Konzerne in den letzten 20 Jahren unterm dem Gewinnmaximierungswahn verursacht haben. Nachwuchs wurde zeitweise kaum eingestellt, oft nur befristet - jaaaa, auch bei Akademikern. Anstatt bewusst über Bedarf auszubilden und auch zu übernehmen, wurde nur von heute bis Morgen gedacht und jetzt ist der Aufschrei groß.

Passender Nachwuchs muss herangezogen werden, das kostet, und diese Kosten wollte man vermeiden.

Selbst schuld. Zumal die Rentner auf Spitzenlohnniveau agieren am Ende ihrer Laufbahn (was ihnen gegönnt sei!)

03.08.2012
10:32
Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz
von Jaheiwa | #31

Zahlen die dann auch wieder in die Rentenkasse ein ?

1 Antwort
Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz
von klara930 | #31-1

Nein

03.08.2012
09:55
Beobachtung aus dem Bewerbungsdschungel....
von hamicha | #30

Ein Tiefbautechniker bewarb sich mit ca. 42 J. bei einem nahmhaften Unternehmen in Karlsruhe.
Zeugnisse und fundiertes Wissen überzeugten den Entscheider durchaus.
Nach der Gehaltsfrage sagte er dann, " Das ist durchaus gerechtfertigt,aber für uns zu teuer.
Da hole ich mir lieber einen jungen ( billigen ) Ing. von der Schule und wenn der nix taugt setze ich den in die Baubude um Abrechnungen zu machen und Pläne zu
falten".
Diese Praxis sagt viel über das Wissen und Können vieler Jung-Ing´s - die vmtl. nie ne Schüppe in der Hand hatten - aus.
Andrerseits : Geiz ist geil ,
oder auch : Was nix kostet,taugt auch nix !
Deshalb suchen die Unternehmen auch händeringend nach Fachkräften : 25 Jahre alt,
mit fundiertem Können eines 40-jährigen, aber möglichst mit Azubi-Gehalt !

03.08.2012
09:28
Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz
von Pit01 | #29

Ist schon toll. Da werden die Leute in den Vorruhestand gedrängt, nur noch unter 50 jährige eingestellt und jetzt fehlen Fachkräfte. Ich würde denen den berühmten Finger zeigen. Was sitzen da für (hochbezahlte ) Managertypen?

03.08.2012
09:08
Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz
von joatiat | #28

Zahlen die Konzerne dann auch die Euros zurück, die die vorzeitige Verrentung die Allgemeinheit gekostet hat ?
Wieviel verdienen die Rentner denn dazu ? 400 €, damit die Sozialkosten nicht so hoch sind ?
Ist doch mal wieder typisch BWLer Ideenreichtum, ich tu das, was mir und meinem Betrieb zugute kommt, der Staat ist doch nur nebensächlich.

03.08.2012
09:04
Von wegen dringend gesucht - Die Legende vom heiß begehrten Ingenieur
von bayou | #27

Während die Industrie mit immer neuen Panikmeldungen vor dem Fachkräftemangel warnt, suchen zehntausende gutausgebildete und hochmotivierte deutsche Ingenieure eine Stelle......
http://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/videos-und-manuskripte/arbeitslose-ingenieure102.html

03.08.2012
08:58
Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz
von GrafVonDingelstein | #26

Das Bild oben ist GÖTTLICH! Die Leute die wirklich am Hochofen "malocht" haben, waren meistens schon mit 50 ausgebrannt und fertig.
Fehlt jetzt eigentlich nur noch ein Foto von einer "Zechenneueröffnung"mit dem Titel,

"Opa macht mit 68 Sonderschicht auf Prosper 08/15".

03.08.2012
08:52
Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz
von klara930 | #25

Das Problem ist,wenn eine Fachkraft dem Jung-Ing.was mitgeben will,wirds dem Unternehmer zu Teuer.

Das zweite Problem ist,das Ei will immer schlauer als die Henne sein.

Schönes Wochenende.

03.08.2012
07:56
Konzerne holen Rentner zurück an den Arbeitsplatz
von Black123 | #24

da die rentner nicht dazu gezwungen werden können wird ihr gehalt schon passen

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