Konfliktreiche Lohnrunden 2009
28.12.2008 | 18:33 Uhr 2008-12-28T18:33:15+0100Düsseldorf. Die Gewerkschaften fordern für die Lohnrunde 2009 nach einer Analyse ihres Wirtschaftsinstituts WSI fünf bis zehn Prozent mehr Geld.
"Krise hin und her. Das führt nicht dazu, dass sich überall tarifpolitische Bescheidenheit breit macht." Das sagte Reinhard Bispinck, Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
Die Gewerkschaften machten mit Verweis auf gute Firmengewinne bis zum Herbst 2008 einen Nachholbedarf geltend. Zudem stärkten kräftige Lohnsteigerungen den Konsum. "Wenn milliardenschwere Konjunkturpakete geschnürt werden, wäre ein Rückwärtsgang in der Tarifpolitik ausgesprochen kontraproduktiv", sagte Bispinck.
Der Tarifexperte räumt ein, dass Forderungen nach kräftigen Lohnerhöhungen angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise nur schwer durchsetzbar seien. "Kurzarbeit im Rücken und ein starkes Anwachsen der Arbeitslosigkeit sind immer schwierige Rahmenbedingungen für die Gewerkschaften, auch wenn die Lohnentwicklung der Konjunkturentwicklung zeitverzögert folgt."
Vieles spreche für konfliktreiche Verhandlungen. "Dass es Warnstreiks geben wird, ist in einigen Bereichen absehbar."
Der Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie von 4,2 Prozent liefere die Vorlage für die Lohnrunde 2009. Für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst der Bundesländer laufe der Tarifvertrag Ende 2008 aus. "Die Forderungen sind gestellt. Verdi will 8,5 Prozent mehr Geld."
Die Gewerkschaft NGG fordere für die Ernährungswirtschaft, Hotels und Gaststätten zwischen fünf und sieben Prozent mehr.
Im Energiebereich laute die Forderung acht Prozent mehr Geld. "Mit RWE und Vattenfall gibt es erste Abschlüsse von vier Prozent plus Einmalzahlungen", sagte der Tarifexperte.
Im Frühjahr stünden außerdem Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe, im Einzel- und Großhandel sowie in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie an.
Bei der Deutschen Bahn und der Deutschen Telekom gehe es nächstes Jahr um neue Firmentarifverträge. Bei der Bahn hätten Transnet und GDBA zehn Prozent mehr gefordert, bei der Telekom gehe Verdi mit der Forderung nach 8,5 Prozent mehr Geld - mindestens 200 Euro monatlich - an den Start. Das sei jeweils mit Verweis auf gute Bilanzen erfolgt.
"Hohe Inflation fraß Tariferhöhungen auf"
"Damit ist klar: Die Beschäftigten haben die Entwicklung der vergangenen Jahre im Hinterkopf", sagte Bispinck.
2008 seien die deutlichen Tariferhöhungen großteils von der hohen Inflation "aufgefressen" worden. Die Reallöhne seien allenfalls gering gestiegen, schätzte der Tarifexperte. Im nächsten Jahr werde eine geringere Inflation erwartet. Auch das werde in der anstehenden Tarifrunde ein Thema sein.

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