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Klimaschutz geht in den Untergrund

25.04.2007 | 16:08 Uhr

Das Abscheiden und Speichern von CO2 in unterirdischen Lagerstätten gilt als eine der letzten Hoffnung, angesichts der globalen Erwärmung Öl, Gas oder Kohle überhaupt weiter verfeuern zu können. Der Shell-Konzern treibt die Politik an

Düsseldorf. Angesichts verschärfter Klimaschutzauflagen und dem Problem der globalen Erwärmung wartet die Industrie händeringend auf neue Technologien, um Erdöl, Erdgas und Kohle überhaupt weiter zu nutzen können. Der Öl- und Gaskonzern Shell setzt seine Hoffnung auf das Abscheiden und langfristige Verwahren des Klimakillers CO2 in geeigneten Lagerstätten: unterirdische wasserführende Schichten in Norddeutschland oder leere Öl- und Gasfelder vor den Küsten.

Carbon Capture and Storage (CCS) heißt das Verfahren, in dessen Erprobung derzeit weltweit Milliarden investiert werden. "Wir können es, und wir müssen es nun schnellstens flächendeckend einführen", sagt Wolfgang Heidug, Leiter des Bereiches CO2-Politik im Shell-Konzern, zur WAZ. Die USA und Europa, angeführt von Deutschland, lieferten sich derzeit einen Wettlauf um die technologische Vorherrschaft in einem Zukunftsmarkt: "Wer die Technologie zuerst einsetzt, kann sie auch verkaufen."

Die Idee ist simpel. Statt es in die Atmosphäre zu blasen, wird das klimaschädliche CO2 aus den Abgasen eines Kraftwerks abgetrennt und zu den Lagerstätten transportiert, wo es für Jahrhunderte verwahrt werden soll. Shell verweist auf jahrelange Erfahrung in der Öl- und Gasförderung, bei der CO2 in den Untergrund gepumpt werde, um die Rohstoffe an die Oberfläche zu bringen. "Die Lagerung ist sicher", behauptet Heidug. Was auf sich warten lasse, sei die Technologie zur Abscheidung in den Kraftwerken.

Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie rechnet nicht vor 2020 mit dem flächendeckenden Einsatz in den Kraftwerken. Das große Problem: Wird das CO2 aufgefangen, sinkt der Wirkungsgrad des Kraftwerks erheblich. Für die gleiche Leistung muss mehr Brennstoff verfeuert werden. In einem Kraftwerk mit CO2-Abscheidung fällt also mehr CO2 an als in einem konventionellem. Das Wuppertal Institut geht in seiner Studie davon aus, dass der erzeugte Strom nach derzeitigem Stand um 50 bis 70 Prozent teurer würde. 54 Euro koste die "Verklappung" einer Tonne CO2 derzeit. "RWE oder Vattenfall wollen runter auf 20 Euro pro Tonne", sagt der Vizepräsident des Instituts, Manfred Fischedick.

Ein weiteres Problem: In alten Kraftwerken mit niedrigen Wirkungsgraden - viele von ihnen laufen in NRW - lohnt sich die technische Nachrüstung nicht. Die Energieversorger müssten bei Neuanlagen die Option CCS einplanen. "Doch dafür fehlen ökonomische Anreize", beklagt Shell-Experte Wolfgang Heidug. Die Politik müsse dafür sorgen, dass die CCS-Technologie im Emissionshandel als Beitrag zum Klimaschutz mit Vergütungen belohnt werde.

Wie sinnvoll es sei, im globalen Kampf gegen die Erderwärmung eine Klimaschutz-Technologie etwa nach China zu exportieren, verdeutlichte Fischedick: "Das Land baut pro Jahr 25 Gigawatt an Kohlekraftwerksleistung zu. Das sind drei Viertel der überhaupt in Deutschland in Steinkohlekraftwerken installierten Leistung." Kommentar"Wir können es, und wir müssen es nun schnellstens einführen"

Von Jürgen Polzin

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