Kerosin-See in Köln kostet Shell mehrere Millionen Euro

Düsseldorf/Köln..  Bei einem der bundesweit größten Umweltskandale in Deutschland traten vor drei Jahren bei der Shell-Raffinerie in Köln-Wesseling über eine Million Liter Flugbenzin aus. Ursache war ein Leck in einem unterirdischen Rohr. Bei der Vorstellung eines neuen Sicherheitsgutachtens räumte Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) ein, dass die Sanierung des „Kerosin-Sees“ in sieben Meter Tiefe noch über zehn Jahre dauern könne. Bisher sind laut Unternehmen erst 260 000 Liter Kerosin abgepumpt worden. Shell rechnet mit zweistelligen Millionenkosten für die Sanierung. Gleichzeitig wurde bereits ein „substanzieller“ Millionenbetrag als Strafgeld fällig. Das Verfahren ist abgeschlossen.

17 000 Rohrleitungen geprüft

In einem gestern vorgestellten Sicherheitsgutachten stellte Professor Christian Jochum fest, dass es bei der Shell Raffinerie nach heutiger Einschätzung wahrscheinlich keine größeren Chemie-Unfälle mehr geben wird. Fachleute, die vom Umweltministerium beauftragt wurden, bescheinigen dem Ölkonzern, dass er nach einer Unfallhäufung zwischen 2012 und 2014 intensiv an den Schwachstellen gearbeitet habe. Um weitere Zwischenfälle zu vermeiden, hat Shell die 17 000 Rohrleitungen für wassergefährliche Stoffe genau geprüft. Jochum kritisierte, dass Shell die Leckagen durch Rost zu spät erkannt habe, weil der Prüfzyklus der Rohre früher zu lang war. Laut Gutachten hat Shell die Prüfungen deutlich intensiviert.

Jochum kritisierte, dass der rechtliche Bestandsschutz für einmal genehmigte Anlagen verhindere, dass Leitungen für wassergefährdende Stoffe auf den neuesten Stand umgerüstet werden müssten. „Wenn die defekte Kerosinleitung nach dem heutigen Stand der Technik betrieben worden wäre, wäre der Schaden sehr viel früher entdeckt worden“, sagte Remmel. 2013 hatte der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, für bestehende Rohrleitungssysteme alle 20 Jahre die Prüfung einer Nachrüstung zu verlangen. Aus Sicht des Ministers muss es einen Zeitpunkt geben, an dem Altanlagen ausgetauscht werden, weil sie nicht mehr dem Standard entsprechen. Das hat der Bund bisher allerdings abgelehnt.