Karstadt plant Drei-Klassen-Gesellschaft in der Belegschaft

Bei Karstadt könnte es künftig drei Klassen für Mitarbeiter geben. Eine Kategorie: die Arbeit an der Kasse.
Bei Karstadt könnte es künftig drei Klassen für Mitarbeiter geben. Eine Kategorie: die Arbeit an der Kasse.
Foto: Dirk Bannert
Was wir bereits wissen
"Abgruppierungsdiskussion“ bei Karstadt - der Konzern will die Mitarbeiter in den Filialen in drei Gruppen einteilen – in Verkäufer, Kassierer und Wareneinräumer.

Essen.. Dass Karstadt die Mitarbeiter in den Filialen in drei Gruppen einteilen will – in Verkäufer, Kassierer und Wareneinräumer – sorgt für Irritationen in der Belegschaft. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass Mitarbeiter degradiert und künftig schlechter bezahlt werden könnten. Ob Karstadt-Mitarbeiter künftig sogar nach dem Tarif für die Logistikbranche bezahlt werden? Nein, stellt Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt klar. „Karstadt wird nicht wie Amazon.“ Der Versandhändler Amazon nutzt das Modell der Entlohnung nach Tarif der Logistikbranche – und hat deshalb seit Monaten mit Streiks zu kämpfen.

Richtig ist allerdings, dass es bei Karstadt „eine Abgruppierungsdiskussion“ gibt, wie Patzelt es nennt. Denn auch der Tarifvertrag des Einzelhandels lässt unterschiedliche Bezahlungen zu. Für die Mitarbeiter in sogenannten „Warenserviceteams“, über die bei Karstadt diskutiert wird, könnte weniger Geld herausspringen. Die Idee: Wer vor allem Waren auspackt und die Regale ausräumt, soll weniger verdienen als Mitarbeiter, die beraten oder bedienen. Beschäftigte an der Kasse wiederum könnten höher eingruppiert werden.

„Das ist verantwortungslos“

„Der Weg, Mitarbeiter aus der Beratung abzuziehen, würde in die Irre führen“, warnt Arno Peukes, Verdi-Vertreter im Karstadt-Aufsichtsrat. Und Betriebsratschef Patzelt fragt zweifelnd: „Wie geht es Karstadt an, Mitarbeiter zu überzeugen, gegebenenfalls eine andere Tätigkeit zu übernehmen?“ Die Drei-Klassen-Gesellschaft bei Karstadt wäre jedenfalls ein heikles Unterfangen.

Einzelhandel Im Tagesverlauf meldet sich Karstadt-Vertriebschef Thomas Wanke im Intranet des Konzerns zu Wort. „Karstadt ist und bleibt ein Einzelhandelsunternehmen“, betont er mit Blick auf die Amazon-Debatte. „Es besteht nicht die Absicht und es wurde bis jetzt auch zu keinem Zeitpunkt gefordert, dass Mitarbeiter von Karstadt nach Tarifen der Logistikbranche bezahlt werden.“ Dies sei rechtlich innerhalb der bestehenden Struktur von Karstadt auch gar nicht möglich. Mitarbeiter und Kunden seien verunsichert worden, kritisiert Wanke. „Das ist verantwortungslos.“

Tatsächlich wird unter den Beschäftigten in den Warenhäusern diskutiert, ob sich Karstadt auf dem richtigen Weg befindet – auch in der Filiale in Recklinghausen. „Wenn Karstadt eine Aufteilung der Verkaufsmitarbeiter will, ist das eine unternehmerische Entscheidung“, sagt die örtliche Betriebsrätin Christa Schubert. „Meine persönliche Meinung ist: Das kann nicht funktionieren. Denn der Kunde erwartet von uns Bedienung und Beratung.“

Karstadt Karstadt-Vertriebschef Thomas Wanke lässt durchblicken, dass sich die Essener Warenhauskette oft ins falsche Licht gerückt sieht. Er sagt: „Wenn ich mir ansehe, wie viele große Einzelhändler – gerade aus dem Textileinzelhandel – überhaupt noch über eine vergleichbar große Zahl sozialversicherungspflichtiger Jobs wie Karstadt verfügen, muss ich mich sehr wundern, wie wenig das eine Rolle in der Berichterstattung spielt.“

„Geschäftsschädigende Märchen vom SB-Warenhaus“ werde das Karstadt-Management widerlegen und zeigen, wie nah man am Kunden sein könne, kontert Vertriebschef Wanke Vorwürfe, Karstadt entwickle sich zum Selbstbedienungsgeschäft. Gleichzeitig gibt es offenbar Planungen, die Betreuung der Kunden stärker vom jeweiligen Sortiment abhängig zu machen. Bei Schreibwaren könnte es demnach überwiegend Selbstbedienung geben, der Schmuckverkauf hingegen sei besonders beratungsintensiv.