Karstadt muss es nun allein schaffen

Essen..  Was wird, da René Benkos Traum von der Deutschen Warenhaus AG geplatzt ist, aus Karstadt? Hat der kriselnde Essener Warenhauskonzern im Alleingang eine Chance oder gerät er im Wettbewerb mit dem Kaufhof und seinem neuen, wachstumshungrigen Partner HBC ins Hintertreffen? Hat der österreichische Karstadt-Eigner Benko nach seiner bitteren Niederlage im Rennen um Kaufhof überhaupt noch Interesse an der „kleinen Lösung“ halbwegs stabilisierter Karstadt-Geschäfte? Oder greifen am Ende die Kanadier auch nach Karstadt und vollenden Benkos Fusionspläne selbst?

Diese Fragen stellen nach der Entscheidung der Metro, ihre Kaufhaus-Tochter an HBC statt an Benko zu verkaufen, viele Branchenexperten und Kommentatoren – die meisten beantworten sie aus Karstadt-Sicht negativ. Für „Spiegel Online“ ist mit der Niederlage im Bieterwettstreit gar das Ende von Karstadt besiegelt.

In der Essener Karstadt-Zentrale will man sich dazu nicht äußern, gibt sich aber betont selbstbewusst. Unternehmenschef Stephan Fanderl, zugleich Geschäftsführer von Benkos Firma Signa Retail, hatte im Vorfeld der Metro-Entscheidung betont, Karstadt werde es auch ohne Kaufhof schaffen. Durch die von ihm in Angriff genommene harte Sanierung mit Personalabbau und Filialschließungen will er nach einer schwarzen Null im laufenden Geschäftsjahr 2014/15 bereits im kommenden wieder Gewinne erzielen. Dafür soll auch ein neues Konzept für die verbleibenden 76 Häuser sorgen mit wieder breiteren und auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnittenen Sortimenten.

Aus Wien, dem Sitz der Muttergesellschaft Signa, kamen immerhin aufmunternde Worte, dort sprach man von einer „äußerst positiven Entwicklung der Karstadt Warenhaus GmbH, die man „mit aller Kraft fortsetzen“ wolle. Über diese offiziell verschickte Mitteilung hinaus wollte man sich aber nicht äußern. Fakt ist: Benkos Plan war von Beginn an kein Alleingang von Karstadt, sondern die Fusion mit Kaufhof mit all ihren Synergien, Sparpotenzialen und wachsender Einkaufsmacht.

Für Karstadt-Chef Fanderl wird es nun trotz erster positiver Auswirkungen seines Sparprogramms auf die Bilanzzahlen noch härter, Karstadt dauerhaft rentabel zu machen und sich im harten Wettbewerb zu behaupten. Die Kanadier wollen massiv in die Kaufhöfe investieren, was diese ebenso nötig haben wie die Karstadt-Häuser. Wie viel Benko bereit ist, in die Filialen zu stecken, ist ungewiss. Er hatte sich im Januar die Immobilien der drei ausgegliederten Luxushäuser gesichert, 20 klassische Häuser im Gegenzug an seinen früheren Partner Beny Steinmetz verkauft, die Karstadt nun anmietet.

Die Gretchenfrage ist nun, wie groß das Interesse des Immobilienmanns Benko am eigentlichen Warenhausgeschäft wirklich ist? Das seiner Luxushäuser KaDeWe (Berlin), Oberpollinger (München) und Alsterhaus (Hamburg) hat er gerade mehrheitlich an die italienische Kette La Rinascente abgegeben. Die Immobilien hat er behalten.

Die Warenhaus AG bleibt ein Thema

Thomas Roeb, Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, glaubt, dass Benko das Karstadt-Geschäft zunächst „laufen lässt“. Da er Karstadt praktisch umsonst erhalten habe, stehe er nicht unter Zeitdruck, zumal das Geschäft unter Fanderl „in eine positive Richtung“ laufe. Das ändere aber nichts am strategischen Problem des „geschwächten Unternehmens in einem schwierigen Marktumfeld“. Deshalb sieht Roeb „in wenigen Jahren“ die Warenhaus AG erneut auf der Agenda. „Entweder hat Hudson’s Bay mit Kaufhof Erfolg und übernimmt Karstadt oder die Kanadier verschätzen sich und verkaufen an Benko.“

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