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Rosenmontagszüge

Karnevalsverein gegen Wetter und Terror versichert

08.02.2016 | 18:11 Uhr
Karnevalsverein gegen Wetter und Terror versichert
Kein Rosenmontagszug in Bottrop: Die Narren feiern stattdessen in den Kneipen.Foto: Winfried Labus

Essen/Düsseldorf.  Nach der Absage des Rosenmontagszugs können Düsseldorfer Karnevalisten auf Entschädigung hoffen. Doch längst nicht alle Veranstalter sind gegen Wetter und Terror versichert.

Die Absage der meisten Rosenmontagszüge in NRW hat nicht nur für tiefe Enttäuschung bei den Jecken gesorgt. Sturmtief Ruzica richtet auch einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden bei Organisatoren und Gastronomen an.

Auf rund eine Million Euro beziffert das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) den Wert des närrischen Lindwurms, der am Montag in den Startlöchern stand, aber nicht losziehen durfte. „Da ist alles mit eingerechnet – von allen Wagen über das Sicherheits- und Schankpersonal, Sanitätsversorgung und Süßigkeiten“, sagt CC-Sprecher Hans-Peter Suchand.

Ausfallversicherung soll zahlen

Die 60 bis 70 Tonnen Kamelle, die das CC am Rosenmontag unters Volk bringen wollte, können bis zum Ausweichtermin im März aufbewahrt werden, sofern das Verfallsdatum nicht abläuft. Die Kosten für die 30 Kapellen, die zum Teil aus der Schweiz angereist waren, den Sicherheitsdienst, die Sanitäter und andere Dienstleistungen muss das CC allerdings begleichen.

Zug-Absagen
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Je nach Größe der Stadt und des Zuges müssen Karnevalsvereine enorme Summen für die wegen Sturms abgesagten Rosenmontagszüge zahlen. Zwei Beispiele.

Suchand: „Wir hoffen, dass die meisten dieser Kosten durch unsere Ausfallversicherung gedeckt sind.“ Diese haben die Karnevalisten abgeschlossen, um sich auch gegen Terror- und Bombendrohungen abzusichern, die ebenfalls zur Absage des Rosenmontagszugs führen könnten. Der Versicherer, dessen Namen der CC-Sprecher nicht nennen wollte, springe aber auch bei Unwetterwarnungen ein. Das Sicherheitskonzept des Düsseldorfer Karnevals sieht vor, dass Umzüge ab Windstärke 8 nicht ziehen dürfen.

Einbußen für die Gastronomie

Mit dem Düsseldorfer Versicherungskonzern Arag hat der Kölner Karneval eine Ausfallversicherung abgeschlossen. „Sie umfasst Unwetterereignisse, aber auch Zugabsagen bei Terrorgefahr und aus Pietätsgründen, wenn etwa ein Unfall passiert“, sagt Arag-Sprecher Klaus Heiermann. Die Höhe der Kosten, die durch die Absage der Rosenmontagszüge entstanden sind, vermochte am Montag kein Festkomitee oder Verein zu beziffern. Für Volker Wagner, den Präsidenten des Bundes Deutscher Karneval, sind die wirtschaftlichen Konsequenzen noch gar nicht absehbar: „Wir kennen die Kosten noch gar nicht. In Mainz wird sogar befürchtet, dass Sponsoren ihr Geld zurückziehen. Schließlich sind nicht alle Vereine gegen einen Ausfall versichert.“

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Waren die Düsseldorfer mit ihrer Absage des Rosenmontagszug zu vorsichtig? Ein Wetterexperte zeigt jedenfalls sehr wenig Verständnis.

Weil die Wetterkapriolen das Feiern auf der Straße am Rosenmontag erschwerten, hofften Gastronomen auf zusätzliche Geschäfte. Doch auch ihre Erwartungen wurden vor allem in Düsseldorf nicht erfüllt. Nach den tagelangen Spekulationen um die Absage des Karnevalszugs waren viele Fans erst gar nicht in die Landeshauptstadt gekommen. Dabei sind die fünf tollen Tagen für Wirte in den närrischen Hochburgen extrem wichtig. Nach Schätzungen machen viele von ihnen von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag bis zu einem Drittel ihres Jahresumsatzes.

Wirtschaftsfaktor Karneval

Verlässliche Zahlen über die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Karneval gibt es nicht. Der Bund Deutscher Karneval geht davon aus, dass in der fünften Jahreszeit bundesweit rund zwei Milliarden Euro erwirtschaftet werden. Den Angaben zufolge leben etwa 3000 Unternehmen mit 40. 000 Beschäftigten das gesamte Jahr über von der Narretei.

Eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting aus dem Jahr 2009 beziffert den Umsatz einer Session allein in der Hochburg Köln auf 460 Millionen Euro. Die Zahlen seien noch aktuell, heißt es. Neben Sitzungen und Accessoires sei der Straßenkarneval mit dem Rosenmontagszug die dritte wichtige Säule.

Frank Meßing und Linda Schreiber

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