Kanadier wollen bei Kaufhof in den Online-Handel investieren

Der Kaufhof wurde verkauft und zwar an die kanadische Kette HBC.
Der Kaufhof wurde verkauft und zwar an die kanadische Kette HBC.
Foto: imago/Contrast/Pollack
Was wir bereits wissen
Hudson’s Bay hat für 2,8 Milliarden Euro den Zuschlag an Kaufhof erhalten und verspricht die „Wiedergeburt des Warenhauses über das Internet“.

Essen.. Kitschig-amerikanische Schaufenster, uniformierte, aufdringlich-dauerlächelnde Verkäuferinnen mit gebleichten Zähnen? Die Zweifel gegen die kanadische Hudson’s Bay (HBC) als Käuferin des altehrwürdigen Kaufhof waren schnell gesät: Schon der US-Handelsgigant Walmart sei in Deutschland gescheitert, der britische Kaufhaus-Riese Marks & Spencer ebenso, anglo-amerikanische Konsumkonzepte funktionierten hierzulande eben nicht. Wenn die Metro ihre Tochter Kaufhof in eine gute Zukunft entlassen wolle, solle sie besser nicht an HBC verkaufen.

Diesen Subtext streuten Äußerungen sowohl der Gewerkschaft Verdi als auch der Karstadt-Mutter Signa. Doch der österreichische Karstadt-Eigner René Benko erhielt von der Metro zum zweiten Mal nach 2011 einen Korb und der Mitbewerber HBC den Zuschlag. Die Kanadier wagen den Sprung über den großen Teich und wollen mit Kaufhof in Europa Fuß fassen.

Die Botschaft: Wachstum statt Sanierung

Daran, dass sie nicht als Sparkommissare gekommen sind, ließen sie am Montag bei der Präsentation in Köln keinen Zweifel. Der Kaufhaus-Deal sei ein entscheidender Schritt auf dem Weg „zum weltweit führenden Handelskonzern“, sagte Jerry Storch, der das operative HBC-Geschäft führt. Seine Botschaft: Wachstum statt Sanierung.

Kaufhof Das zur Schau getragene Selbstbewusstsein ist aber die einzige Parallele, die sich etwa zu den vollmundigen Plänen von Walmart ziehen ließe. Denn die Kanadier wollen nicht wie so viele Handelsriesen aus Übersee zuvor einfach ihr Konzept nach Deutschland exportieren, sondern das von Kaufhof übernehmen und weiterentwickeln. Management und Mitarbeiter bleiben, HBC will in die Filialen und insbesondere den Onlinehandel investieren. Jerry Storch sprach von der „Wiedergeburt des Warenhauses über das Internet“.

Das älteste Unternehmen Nordamerikas

Diese Perspektive und die ihr zugrunde liegende Handelserfahrung der Kanadier hat laut Metro-Chef Olaf Koch neben dem Preis von 2,8 Milliarden Euro den Ausschlag gegeben. HBC ist an Tradition noch reicher als der Kaufhof, nach eigenen Angaben ist es das älteste Unternehmen Nordamerikas. Hudson’s Bay begann 1670 als Pelzhändler und begründete mit seinen Handelsposten den Aufbau etlicher Siedlungen, bis in 19. Jahrhundert besaß HBC etwa ein Drittel der Fläche Kanadas. Heute betreibt Hudson’s Bay die größte Warenhauskette in Kanada, die Filialen haben mit ihren mittelpreisigen Sortimenten eine ähnliche Zielgruppe wie Kaufhof in Deutschland.

Karstadt Seitdem HBC 2008 selbst vom US-Finanzinvestor NRDC übernomen wurde, setzt die Handelsgruppe auf Wachstum, 2013 kaufte sie die US-Luxuswarenhäuser „Saks Fifth Avenue“ und deren Outlets „Saks Off 5th“. Die Umsätze in beiden Ketten steigen seit Jahren, 2014 flächenbereinigt um 7,5 Prozent. Zusammen mit Kaufhof kommt die Gruppe auf einen Jahresumsatz von mehr als neun Milliarden Euro und damit auf eine enorme Einkaufsmacht, die auch in Deutschland für wettbewerbsfähige Preise sorgen soll.

Luxus-Label "Saks" als ExperimentKaufhof

Ein Experiment wollen die Kanadier in Deutschland dann aber doch wagen und testen, ob das Luxus-Label „Saks“ auch hier funktioniert. Einzelheiten nannte HBC am Montag nicht, Branchenkreisen zufolge könnten Saks-Ableger in Toplagen etwa in Düsseldorf oder Berlin an den Start gehen – allerdings nicht als Shop in Shop, sondern als Kaufhaus neben dem Kaufhaus. In Toronto etwa öffnet bald eine Saks- neben einer HBC-Filiale, getrennt nur durch eine Glasscheibe.

Gleichwohl übernimmt HBC den Kaufhof in einer schwierigen Phase. Zwar ist der deutsche Marktführer im Gegensatz zu Karstadt profitabel, doch der Gewinn sank, der Umsatz stagnierte. Nicht ohne Grund forderte die Gewerkschaft Verdi eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für fünf Jahre. HBC gewährt sie nur für drei Jahre. Ob das eine Randnotiz bleibt, darüber entscheidet, ob HBC wie in den eigenen Filialen in Kanada und bei Saks auch beim Kaufhof die Umsätze zu steigern versteht.