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Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen

29.05.2013 | 18:45 Uhr
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
Wegen der niedrigen Frühlingstemperaturen steigen die Heizkosten.Foto: Sven Hoppe/dpa

Essen.   Die viel zu kalten Frühjahrsmonate März und Mai werden nach Einschätzung von Experten die Heizkosten in die Höhe treiben. Das Verbraucherportal Verivox hat ausgerechnet, dass ein vierköpfiger Musterhaushalt in diesem Mai 70,10 Euro für Gas zahlen muss. Im Vorjahresmonat waren es nur 57,47 Euro.

Viele Mieter haben noch nicht die Heizkostenabrechnung für 2012 erhalten, da müssen sie schon die nächste Nachzahlung für 2013 befürchten. Nach dem strengen Winter verlängert sich die Heizperiode vermutlich über den meteorologischen Sommeranfang am Samstag hinaus. Denn die Temperaturen in diesem Frühling liegen deutlich unter dem langjährigen Mittelwert.

In Essen waren der März 3,2 und der Mai 1,2 Grad zu kalt. Nur der April war eine Spur wärmer als das langjährige Mittel. Aber auch der Winter schlug ins Kontor. Im Februar war es 1,9 Grad kälter als üblich, im Januar 0,5 Grad. „Februar bis Mai waren eindeutig kühler als normal. Wir rechnen deshalb für 2013 mit einem höheren Heizungsverbrauch“, sagt Steffen Bukold vom Forschungs- und Beratungsbüro Energy Comment. Ging der Heizölabsatz im März der vergangenen Jahre stets zurück, gab es 2013 einen deutlichen Ausschlag nach oben. Mit 1,8 Millionen Tonnen erklomm der Heizölabsatz im März ein Mehrjahreshoch. Verantwortlich macht Bukold dafür neben der Kälte auch den im Frühjahr vorübergehend gesunkenen Ölpreis.

Die monatlichen Heizkosten im Durchschnitt

In der Verbilligung sieht der Experte allerdings keinen Trend. Im Gegenteil: Energy Comment rechnet damit, dass Ölheizungen bis 2020 rund 50 Prozent mehr Kosten verschlingen werden. Bis 2030 halten die Berater gar eine Verdoppelung des Heizölpreises für möglich.

Wegen der Bindung an den Ölpreis dürften auch die Gaspreise in die Höhe gehen. Und das bei wachsendem Verbrauch. Wegen des kalten Winters stieg der Gasverbrauch im ersten Quartal 2013 nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft in Deutschland um 8,7 Prozent auf 345 Milliarden Kilowattstunden. Zugleich sank der Stromverbrauch wegen der schwachen Konjunktur um 2,4 Prozent auf 135 Milliarden Kilowattstunden.

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Wie kalte Wände die Heizkosten in die Höhe treiben

Wenn die nächste Heizkostenabrechnung unerfreulich ausfällt, könnte es lohnen, einmal die Hand auf die Wand zu legen. Ist diese kalt, deutet alles auf ein Wärmeleck hin. Denn die Kälte zieht die warme Luft aus der Raummitte an und leitet sie ins Freie. Abhilfe schafft meist nur eine Sanierung.

Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass die Verbraucher im vergangenen Jahr 10,4 Prozent mehr für Gas ausgeben mussten als noch 2010. Beim Heizöl habe der Preissprung gar 35,7 Prozent betragen. Die Ausgaben für Fernwärme und Zentralheizung seien um 16,3 Prozent gestiegen.

Mehrkosten für Frühlingsmonate

Und was erwarten die Experten für das laufende Jahr? Auf Basis der Temperaturen und des Gaspreisindex hat das Verbraucherportal Verivox hochgerechnet, was auf die Haushalte wegen des miesen Wetters zukommt. Ein Vier-Personen-Haushalt, der 20 000 Kilowattstunden (KWh) pro Jahr verheizt, muss sich danach darauf einstellen, für Mai 70,10 Euro für Gas zu bezahlen. Im Mai 2012 waren es nur 57,47 Euro, im Mai 2011 sogar nur 54,99 Euro. Ein Single-Haushalt mit 7000 kWh Jahresenergieverbrauch ist mit 29,09 Euro in diesem Mai dabei. 2012 lagen die Heizkosten bei 23,85 Euro, 2011 bei 22,82 Euro.

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Heizöl kommt Kunden teurer zu stehen als Gas

Heizöl ist teurer als Erdgas. Durchschnittlich zahlt ein Haushalt, der Heizöl verwendet, rund 400 Euro mehr. Die Heizölkosten sind stärker an die hohen Rohölpreise gekoppelt, was sich schließlich in der Rechnung niederschlägt.

Mieterbund: Abrechnungen oft fehlerhaft

Der Deutsche Mieterbund (DMB) gibt sich noch gelassen, sieht auf die Verbraucher aktuell wegen der Kälte keine zusätzliche Kostenlawine zurollen. „Viel wichtiger für die Heizkosten sind die Monate Oktober, November und Dezember“, sagt DMB-Geschäftsführer Ulrich Ropertz. Da das Wetter und auch die weitere Entwicklung der Energiepreise nicht seriös vorausgesagt werden könne, lasse sich auch jetzt noch nicht ermessen, ob auf Mieter für 2013 hohe Nachzahlungen zukommen.

Der Mieterbund rät dazu, vorsichtshalber schon jetzt Geld an die Seite zu legen und bei hohen Nachforderungen mit dem Vermieter gegebenenfalls eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Und Ropertz ruft dazu auf, die Abrechnungen genau zu prüfen und möglicherweise die örtlichen Mietervereine um Hilfe zu bitten. Der DMB-Geschäftsführer: „Heizkostenabrechnungen sind oft fehlerhaft.“

Frank Meßing



Kommentare
31.05.2013
19:59
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von oldergerman | #10

Wohl dem der heizen kann! Mein Vermieter hat seit 1.5. einfach die Heizung komplett
abgeschaltet.

31.05.2013
18:36
Last euch nicht verheizen!
von wohlzufrieden | #9

Wenn mehr geheizt wird, steigt die Erderwärmung, der nächste Winter wird warm, und das zu viel bezahlte Geld kommt wieder rein... Ironie aus.

31.05.2013
00:00
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von Juelicher | #8

Rohstoffanalysten sehen übrigens durch Fracking-Techniken, Ölsand u. Ölschiefernutzung etc. eher ein permanentes leichtes Sinken der Ölpreise in den nächsten 10 oder 15 Jahren. Das Märchen vom starken Anstieg möchten nur die Lobbyisten der Dämm- u. Energiesparbranchen den Menschen weißmachen.

30.05.2013
23:56
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von Juelicher | #7

Ein ähnlicher Artikel, wie er hier schon einmal vor ein paar Wochen erschienen ist. Das Internetportal Verivox darf mit alarmistischen Meldungen ihre Propaganda verbreiten u. irgendeine Vorfeldorganisation der Dämm- u. Energiesparlobby ebenfalls.
Die Betrachtung eines kurzen Zeitraums bzgl. Wettergeschehen u. Heizkostenentwicklung bietet keinerlei Aussagekraft über die Gesamtkosten, die bis zum Jahresende, also dem Ende der abzurechnenden Heizperiode entstehen werden, weil die weitere Temperaturentwicklung des Jahres nicht vorhergesagt werden kann.
Ebenfalls falsch ist die Behauptung, die Energiepreise würden permanent steigen. Heizöl hatte einen Höchstpreis von 96 Cent im Sommer 2008, also vor fünf Jahren. Z.Zt. liegt der Preis bei rund 82 Cent - er ist also um 15 % gesunken, war günstiger als im gesamten Vorjahreszeitraum!
Auch Gas hatte seinen Höchstpreis (mit Zeitverzögerung zum Heizöl) im ersten Halbjahr 2009 u. ist z.Zt sicherlich 15 % günstiger.
Reiner Lobby-Märchenartikel

4 Antworten
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von DaDU | #7-1

Sehr geehrter Herr Esso,
meine Familie und ich sitzen bei 16°C im Wohnzimmer. Sie wissen in Ihrer Dekadenz wohl nicht was im richtigen (realen) Leben geschieht?
Und ob ich 600 Euro 2009 bezahle, oder jetzt 900 für ist wohl ein Unterschied.

Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von Juelicher | #7-2

@DaDU
Einen sachlichen Kostenvergleich oder irgendeine andere sachliche Aussage kann ich in Ihren Sprüchen nicht entdecken. Im Gegensatz zu Ihren Zahlen stimmen meine Zahlen. Sie stellen wahrscheinlich die falschen Vergleiche an. Wie wollen Sie im Mai bereits die gesamten Heizkosten für 2013 im beurteilen, wenn diese noch garnicht bekannt sind. Mit diesen unbekannten Gesamtkosten ziehen Sie obendrein schon einen Vergleich mit 2009. Der im bundesweiten Durchschnitt mit Abstand höchste Gaspreis wurde im ersten Halbjahr 2009 erreicht, erst ab Sommer 2009 sank er, um Ende 2009 etwas unter dem heutigen Preis zu liegen.
Ist Ihnen Vorsorge oder Sparen fremd oder warum müssen Sie bei 16 Grad im Wohnzimmer sitzen? Weil der jetzige Mai sage u. schreibe 1,2 Grad kühler ist als der Durchschnitt? Man glaubt wirklich kaum, was manche Leute von sich geben!

Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von DaDU | #7-3

Trotz all Ihrer betimmt korrekten Berechungen sitz ich am 01. Juni immer noch bei 16° C in unserer Wohnung. Aber an eine so lange Heizperide kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Und noch eins, der Ölpreis ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Dazu benötige ich nicht Ihre Berechnungen/Belehrungen sondern einzig und allein die Erkenntnis darüber, was ich letzendlich bezahlen muss.

Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von Juelicher | #7-4

DaDU
Sie unterliegen einem Irrtum!
Der Heizölpreis erreichte im Juli 2008 seinen Höchststand mit rund 96 Cent. Im Zuge der Finanz- u. Wirtschaftkrise ist er bis Ende 2008/Anfang 2009 auf unter 50 Cent gefallen, um danach wieder sukzessive anzusteigen bis Oktober 2012, als er in etwa wieder den Höchstpreis von Sommer 2008 erreichte.
Seit Herbst 2012 ist er in Schüben gesunken. Im kompletten Zeitraum der ersten fünf Monate dieses Jahres war Heizöl bis auf wenige Tage kostengünstiger als im Vorjahr.
Zur Zeit steht der Heizölpreis bei rund 82 Cent, also 15 % unter Höchstpreis!
Sie haben Recht damit, dass man in diesem Frühjahr relativ lange heizen muss. Da der weitere Temperaturverlauf aber unbekannt ist, insbesondere der kommende Herbst, können die kompletten Jahresheizkosten nicht vorhergesagt werden. Beim Heizöl hängt die persönliche Belastung insbesondere vom Einkaufszeitpunkt ab, günstiger Kurs, eventuell bei großen alten Tankanlagen Bevorratung von großer Menge

30.05.2013
20:42
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von MalNachgedacht | #6

Wenn es kalt ist, wird geheizt. Wenn es länger kalt ist, wird länger geheizt.
Nobelpreisverdächtige Erkenntnis.

Wann übernimmt Frau kraft endlich die Verantwortung dafür? :-D

30.05.2013
18:22
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von DaDU | #5

Vielleicht kann Frau Merkel bei den Heizkosten einen Rettungsschirm aufspannen. Bei läppischen 10 Milliarden könnten alle sehr billig heizen!

2 Antworten
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von DaDU | #5-1

Und alle wäre glücklich und würden verdienen: Industrie, Handwerker, Lieferanten, Verbraucher.

Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von DaDU | #5-2

Upps, das geht ja nicht. Das wäre ja für das eigene Volk.
Naja, entschuldigt meinen Irrtum.

30.05.2013
11:43
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von kumpelanton | #4

Ihre Erkenntnisse sind immer wieder überraschend!

30.05.2013
11:06
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von DoNoToCo | #3

Wie wäre es mal mit ´nem dicken Pulli, anstatt die Bude so hochzuheizen dass man es selbst im T-Shirt schon muckelig hat!?
Wir haben die Heizung schon lange aus, und das obwohl unsere Nebenkosten in letzter Zeit nicht gestiegen sind und wir auch nicht dringend ein paar Euro sparen müssen.

30.05.2013
08:59
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von xxyz | #2

Gas gibt es in Massen, wieso die Abhängigkeit vom Öl?

Was sollen die Aussagen zu den Kosten?
Mich würde interessieren, um welchen Wert der Verbrauch wg. Der Temperaturen in einer Region im Vergleich zum Vorjahr schwankt, damit ich sehen kann, ob Energieoptimierungen was bringen und nicht nur die Dämmlobby füttern. Diese Transparenz ist aber wohl nicht gewollt.

Die Kosten kann ich über einen Anbieterwechsel selber optmieren

30.05.2013
08:57
Kalte Frühlingsmonate lassen Heizkosten steigen
von Tritt_Brettfahrer | #1

Vielleicht haben wir ja in der letzten Zeit zu viel CO2 eingespart.

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