Kaiser’s Tengelmann braucht Zeit

Mülheim..  Nach dem angekündigten Veto des Bundeskartellamts gegen die Übernahme des Supermarktgeschäfts von Kaiser’s Tengelmann durch den Marktführer Edeka haben die Wunschpartner nur eine Woche Zeit, ihre Pläne nachzubessern. Das sei nicht zu schaffen, heißt es im Umfeld der beiden Konzerne. Nach Informationen der NRZ werden sie deshalb beim Kartellamt eine Fristverlängerung um einige Wochen beantragen.

Was will das Kartellamt?

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub steht vor einer äußerst schwierigen Aufgabe. Für rund drei Viertel seiner 451 Supermärkte haben die Wettbewerbshüter nach Informationen dieser Zeitung Vorbehalte gegen einen Verkauf an Edeka. Der Marktführer baue durch eine Übernahme seine Vormachtstellung sowohl im Filialnetz, als auch beim Einkauf weiter aus, erklärte Behördenchef Andreas Mundt am Dienstag. Die Standorte liegen verstreut über die drei Regionen, auf die sich Kaiser’s Tengelmann konzentriert hat: Nordrhein, Berlin und München/Oberbayern.

Welche potenziellen Käufer gibt es überhaupt?

Nicht viele. Die vier großen Lebensmittel-Verkäufer Edeka, Aldi, Rewe und Lidl teilen sich schon jetzt 85 Prozent des Marktes. Insofern macht das Kartellamt auch der Nummer zwei Rewe wenig Hoffnung, die 451 Kaiser’s Tengelmann-Filialen übernehmen zu können. Das Angebot von Rewe-Chef Alan Caparros vom Mittwoch, alle 16 000 Arbeitsplätze zu sichern, geht ins Leere. Infrage kommen deshalb nur kleine oder internationale Anbieter, die nicht in der höchsten Handelsliga spielen.

Was kommt auf die Region Rhein-Ruhr zu?

Die Kaiser’s Tengelmann-Märkte in NRW weisen nach Einschätzung eines Insiders die höchsten Verluste und den größten Modernisierungsstau auf. Mittelständische Unternehmen, die die Filialen übernehmen könnten, drängen sich an Rhein und Ruhr kaum auf. Das Familienunternehmen Dohle als möglicher Interessent betreibt vornehmlich im Rheinland großflächige Märkte unter dem Namen „Hit“. Weiterer Nachteil: Seit 2006 besteht eine Kooperationsvereinbarung beim Einkauf zwischen Dohle und Rewe. Bleibt die ostfriesische Bünting-Gruppe (Familia, Combi, Markant), die NRW als Expansionsgebiet deklariert hat. So gilt es als wahrscheinlich, dass sich Edeka und Rewe die lukrativen Standorte untereinander aufteilen werden.

Welche Szenarien gibt es für Berlin und München?

In Berlin spielen die Kaiser’s-und Edeka-Supermärkte gleichermaßen eine starke Rolle. In Branchenkreisen macht der Name der Konsumgenossenschaft Coop die Runde, die als Käufer infrage kommen könnte. Coop betreibt über 200 Märkte in Nord- und Ostdeutschland. Ein Problem aus kartellrechtlicher Sicht: 2008 schmiedete die Genossenschaft eine Einkaufsallianz mit Rewe.

Für die Region München und Oberbayern könnte als Investor Migros einspringen. Die Schweizer Genossenschaft hatte sich jedoch erst 2013 aus ihren letzten vier Filialen in Süddeutschland zurückgezogen. Ob Haub der Migros die Rückkehr auf den hart umkämpften deutschen Markt schmackhaft macht, gilt als offen. Als er sich im vergangenen Sommer nach Interessenten im Ausland umsah, bekam er nur Absagen.

Was passiert, wenn das Kartellamt bei seinem Veto bleibt?

Um ein Insolvenzverfahren zu vermeiden, müsste der Tengelmann-Chef die lukrativen Standorte einzeln verkaufen. Davon profitieren würden Edeka und Rewe. In Nordrhein würden aber viele Arbeitsplätze verloren gehen. Haub, der über exzellente politische Kontakte insbesondere zu Bundeskanzlerin Angela Merkel verfügt, könnte aber auch auf eine Ministererlaubnis hinwirken, die das Veto des Kartellamts außer Kraft setzt. Dieses Instrument wurde in der deutschen Geschichte aber erst siebenmal erfolgreich eingesetzt.