Joschka Fischer ist weiterhin Außenminister - nur für RWE
08.09.2009 | 16:27 Uhr 2009-09-08T16:27:00+0200
Brüssel. Fast wie früher: Ex-Außenminister Joschka Fischer reist in ferne Hauptstädte, trifft Minister und sammelt Unterstützung – diesmal freilich für einen anderen Auftraggeber. Fischer ist Berater von RWE, was er sich einst als erster grüner Umweltminister in Hessen sicher nicht vorgestellt hat.
Neulich war er in Baku. Hat sich mit aserbeidschanischen Ministern getroffen. Fast wie früher. Jetzt sitzt er in Brüssel vor Journalisten – und zieht noch immer mehr Aufmerksamkeit auf sich als manches amtierende Regierungsmitglied.
Wenn man Joschka Fischer zuhört, wie er von seinem neuen Job plaudert, drängt sich ohnehin der Eindruck auf, er sei nach wie vor Außenminister. Nur eben nicht von Deutschland, sondern von RWE. „Reisen, mich mit Energie- und Außenministern treffen, Hindernisse überwinden helfen“, so lautet Fischers Kurzdarstellung seines Postens als „Berater“ des Essener RWE-Konzerns sowie des österreichischen Energieriesen OMV.
Dass er ausgerechnet auf der Gehaltsliste beim Kernkraftwerksbauer RWE-Konzern landen würde, hat sich Fischer gewiss nicht vorgestellt, als er sich einst als erster grüner Umweltminister in Hessen einen harten Kampf mit Nuklearfirmen lieferte. Auf die Frage, ob er sich mit den Managern seines heutigen Arbeitgebers denn nicht über Atomstrom streite, antwortet Fischer schmallippig, er habe nichts mit diesem Geschäftsbereich zu tun und führe deshalb keine Nukleardebatten. Eingestellt sei er ausschließlich, um das Gaspipeline-Projekt Nabucco von RWE und seinen Partnern mit voranzutreiben – jene gigantische 3300 Kilometer lange Röhre, die in fünf Jahren Erdgas vom Kaspischen Meer nach Österreich liefern soll. Das ist der Grund, warum er wieder unterwegs ist – in Brüssel, Berlin und Washington ebenso wie in Baku, Aschgabat und Ankara. Fischer soll in der EU die politische Rückendeckung und im Kaukasus den politischen Mut für jenes Projekt sichern, das wie kaum ein anderes Vorhaben die Russen provoziert, weil sich der Westen damit zumindest ein klein wenig aus der Abhängigkeit vom Energielieferanten Moskau befreien will.
Nabucco und Nordstream sind keine Rivalen
Zwar muss auch Fischer darüber schmunzeln, dass sein ehemaliger Regierungskollege Gerhard Schröder beim gleichen Thema russische Interessen vertritt – das entbehre nicht einer gewissen Ironie. Seiner Ansicht nach stünden aber Nabucco und das von Schröder beworbene Nordstream-Vorhaben gar nicht in Rivalität zueinander. Er habe daher keinen Anlass, Schröder speziell deswegen aufzusuchen. „Abgesehen davon sehe ich ihn sowieso manchmal.“
Er sei von Nabucco schon überzeugt gewesen, bevor RWE ihn angeheuert habe, beteuert Fischer. So erkennt er etwa die Chance, die demokratische Verfassung von Ländern, die westlichen Standards bisher nicht genügen, durch Einbindung in das Projekt zu stärken. Was die Frage provoziert, ob er denn in seinen Gesprächen in Turkmenistan auch Menschenrechtsfragen thematisiere. Da grenzt sich Fischer indes klar ab: „Ich bin nicht mehr Außenminister.“

01:52
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18:12
Von einem Aufkleber in den späten 80ern abgelesen:
Die Grünen - die Melonenpartei.
Außen grün, innen rot.
09:30
Fischer hat doch ein gutes Vorbild. Gunda Röstel hat damit angefangen. Sie heuerte nach ihrem Ausstieg aus der Politik bei einem großen Wasserversorger an, um als Ostdeutsche das Geschäft in den Neuen Bundesländern anzukurbeln. Mit genügend Geld auf der Gehaltsabrechnung vergisst man leicht seine eigentliche Gesinnung. Und - davon bin ich überzeugt - es werden noch viele folgen. Wie heisst es so schön: Wasser predigen - Sekt trinken.
07:50
Der hat sie alle verarscht. Immer zur rechten Zeit am rechten PLatz, als links jedem Halodri ein Nischendasein gewährt wurde, als grün einen Turschuhminister benötigte und dann schließlich als Staatsmann. Immer befriedigte Josef Martin Fischer sein Klientel zur vollsten Zufriedenheit.
Und nicht nur die Gesinnung, die Gesinnung, die keine war, auch Figur und Outfit, sogar die Frau an der Seite wurde den jeweiligen Gegebenheiten angepaßt. Daß das keiner merkte....
01:59
@22 dummberger.
So gesehen ,haste auch wieder recht.
Sie-die Grünen- entwickeln sich zunehmend zur Allzweckwaffe des sog. bürgerlichen Lagers.
01:17
@2
Brötchen verdienen muss sich Joschka sicher nicht mehr, die bezahlen wir ihm wie allen anderen Politikern bis an ihr Lebensende.
Ansonsten finde ich die ganze Sache als ehemaliger Grünen-Wähler schon ziemlich unappetitlich. Irgendwie waren die Grünen doch lange Zeit so eine Art moralische Instanz in der deutschen Politik. Deshalb kann man auch nicht auf ähnliche Karrieren konservativer Politiker verweisen, da hat man das ja nie anders erwartet.
Verrückt ist ja, dass diese Partei gerade jetzt, wo sie so ziemlich alle Ideale aus ihrer Gründerzeit über Bord geworfen hat, die besten Wahlergebnisse einfährt. Das ist die Logik der deutschen Wähler.
Aber was solls? Warum sollen die Grünen noch grün sein, wenn die CDU nicht mehr christlich und die SPD nicht mehr sozial ist.
23:21
@ Jens 0-8-15: Zur Beruhigung: Abi und Hochschulabschluss, macht mich aber nicht automatisch zu einem besseren/klügeren/schöneren Menschen.. Und minderbemittelt ist eher Ihre *hust* Argumentation.
Wird Abitur heutzutage ausgewürfelt?
22:23
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21:47
Große Teile der Grünen sind eigentlich grün gefärbte Gelbe.
Diese Partei ist gesellschaftspolitisch ,ökonomisch ,aussenpolitisch -in den Institutionen - ermüdet.
21:33
Naja, die machen es nach ihrer aktiven Mandatszeit, andere lügen unverfroren und zocken schon während ihrer (Scheinaktiven) Zeit wie zB die FDP-Sozialbetrüger.