Jeder Zehnte unter 30 Jahren in der Schuldenfalle
17.02.2011 | 21:17 Uhr 2011-02-17T21:17:00+0100
Essen. Ob Kredite für Handy-Verträge oder ein neues Auto: Viele jüngere Menschen verlieren bei ihren finanziellen Verbindlichkeiten schnell den Überblick, warnt die Verbraucherzentrale.
Ob es der Kredit fürs erste Auto ist, die Einrichtung für die erste Wohnung oder der Knebelvertrag für das Handy: Immer mehr Menschen zwischen 18 und 29 Jahren rasseln in die Schuldenfalle, sind zahlungsunfähig. Dies geht aus dem Schuldneratlas 2010 hervor, den die Wirtschaftsauskunftei Creditreform gestern vorgestellt hat.
Demnach sind bundesweit 10,75 Prozent der Menschen zwischen 20 und 29 Jahren überschuldet – mehr als der Durchschnitt aller Altersgruppen (9,5 Prozent). Das ist ein Anstieg von 3,2 Prozent seit 2004. „Damit liegt die Gruppe der jungen Leute mittlerweile deutlich vor den Schuldnern im Alter von 50 bis 59 Jahren mit 8,12 Prozent“, sagt Thomas Glatzel, Geschäftsführer von Creditreform Bochum.
Verschuldung im Revier
Ebenso alarmierend: Auch bei den gerade völljährig gewordenen Menschen steigen die Geldsorgen. „Dies bestätigt den Negativtrend der Vorjahre“, sagt Glatzel. „Überschuldung wird jünger.“
Überdurchschnittlich hoch ist das Verschuldungsniveau im Ruhrgebiet: In Gelsenkirchen sind 15,41 Prozent der Erwachsenen überschuldet (Platz acht unter allen Städten Deutschlands), gefolgt von Duisburg mit 14,67 Prozent, Herne mit 14,91 Prozent und Dortmund mit 13,39 Prozent.
Doch warum geraten schon junge Leute so früh in die Schuldenfalle? Bei der Verbraucherzentrale NRW beobachtet man diese Entwicklung mit Sorge. „Nicht alle lernen, sinnvoll mit ihrem Geld umzugehen“, sagt Frank Lackmann-Kemna. „Die Verlockungen des Alltags sind für manche zu groß“. So einfach wie es heute sei, mal eben einen Handy-Vertrag abzuschließen, so schwer sei es, die Folgekosten im Auge zu behalten: „Manche Anbieter geben ihren Kunden für einen neuen Vertrag 300 Euro bar auf die Hand. Gerade für Jüngere ist das eine echte Versuchung.“
Buhlen um Jungkunden
Auch bei vielen Kreditinstituten hätte sich das Buhlen um Jungkunden zu einem echten Markt entwickelt, beobachtet der Verbraucherschützer. „Da wird ganz offensiv geworben.“ Kredite sind bequem zu haben. Auch der Flachbildfernseher lässt sich flink auf Pump finanzieren. „Das Hauptproblem für junge Leute ist die drohende Arbeitslosigkeit“, sagt Lackmann-Kemna. „Wer als Azubi von der Firma nicht übernommen und arbeitslos wird, kann die Raten nicht mehr abstottern. Da wächst der Schuldenberg schneller als man denkt.“
Daher sei es wichtig, schon möglichst früh zu lernen, wie man mit seinem Geld umgeht. „Ein Unterrichtsfach wie Wirtschaftslehre würde vielen Schulen gut zu Gesicht stehen“, sagt Lackmann-Kemna. „Darin könnte erörtert werden, was es bedeutet, einen Vertrag abzuschließen.“ An einigen Schulen liefen solche Projekte bereits. „Aber das ist ausbaufähig.“ Ein Grund für die Verschuldung Jüngerer sei das Verhalten der Eltern, die eine schlechte Zahlungsmoral vorlebten.
Wege aus roten Zahlen
Die Verbraucherzentrale gibt daher jungen Menschen Tipps mit auf den Weg, wie sie eine Überschuldung vermeiden können. – und sei die Versuchung auch noch so groß. „Ganz wichtig ist, ein Haushaltsbuch zu führen“, sagt der Experte. Darin sind aufgelistet: alle Einnahmen und Ausgaben inklusive der bargeldlosen Zahlungen. „Nur so behält man den Überblick.“
Zudem sollten Finanzierungsangebote von Kreditinstituten immer kritisch bewertet werden: „Oft verstecken sich hinter vermeintlich günstigen Angeboten teure Zinsen und Kosten im Kleingedruckten.“ Miete und Strom gehören neben den Zahlungen für Lebensmitteln zu den vorrangigen Kosten. „Erst wenn diese bezahlt sind, bleibt überhaupt Spielraum für andere Ausgaben.“

15:59
#8
Sie haben vollkommen recht, Haus, zwei Autos, Motorrad und mindestens drei mal Urlaub im Jahr und fast alles auf Pump finanziert ! Dann kommt der Schuldentrainer Peter Zwegat mit seinem Taschenrechner und man kann sich nur noch über die bodenlose Naivität der Schuldenmacher wundern !
23:02
Die Zeiten haben sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Wir kannten noch das schöne Gefühl der Vorfreude. Man legte Monat für Monat Geld auf die Seite, um sich einen Wunsch zu erfüllen. Als man das Geld zusammen hatte, kaufte man sich das heiß Ersehnte. Heute müssen die jungen Leute alles sofort haben.
17:16
Diese Missstände nur der elterlichen Erziehung zuzuschreiben, wird dem nicht gerecht.
Es ist vielmehr ein “ Produkt “ unserer Gesellschaft, die ein solches Konsumverhalten
( jetzt bestellen und in drei Jahren die erste Rate !! ) bei diesen Altergruppen gezielt in den Medien bewirbt !!
Da auch unsere Regierungen die Politik des “ Schuldenmachen “ praktizieren und somit den jüngeren Generationen vorleben, dass ein gigantischer Schuldenberg keine Probleme darstellt, wird sich für diese Denk- und Lebensweise langfristig keine Lösung finden.
Unter diesen Gesichtspunkten sind die elterlichen Möglichkeiten der erzieherischen Einwirkung doch sehr begrenzt !!
17:02
Das immer mehr Menschen in der Schuldenfalle stecken ist anscheinend politisch gewollt und wird ja nach Kräften auch vorgelebt !
12:26
MIttlerweile ist auch die Privatinsolvenz in den Köpfen fest verankert.
Kann ich nicht mehr zahlen, gehe ich halt diesen Weg, wird doch im Privat-Fernsehen so vorgelebt.
Über Konsequenzen macht sich von diesem Klienten keiner Gedanken. Einschränkungen bedeutet es auch kaum noch, da viele die Pfändungsgrenzen mit Ihrem Einkommen sowieso nie erreichen würden.
08:59
HansHuckebein, leider gibts diese Lösung nur für MIllionäre und Staaten. Kleine Schuldner werden von den Banken zusätzlich abgezockt mit überhöhten Gebühren und Zinsen. Da kann es vorkommen, dass eine Lastschrift über 3 EUR zurückgegeben wird, wofür dann 10 EUR Gebühren fällig werden.
Und ein weiterer Aspekt wird in dem Artikel nicht beleuchtet: Gerade Mobilfunkfirmen sind berüchtigt dafür, dass sie nicht nur juristische Tricks im Kleingedruckten anwenden, um Kunden (eigentlich: Beute) abzuzocken, sondern auch zusätzlich technische Tricks. Z. B. brandet Vodafone seine handys so, dass man mit der Zurück- Taste - einmal versehentlich zuviel gedrückt - im Internet landet. Hat man dann keine Flatrate gebucht, kommen schnell etliche 100 EUR an Gebühren zu Stande.
Solange unsere Verbraucher-Schutz - Minister allerdings nur Lobbyschutz betreiben, wird sich da wohl nichts ändern.
06:50
Und wenn sie einen großen Schuldenberg angehäuft haben, kommt die Bank und sagt Wir sehen, daß Sie aus Ihren Schulden nicht mehr rauskommen, hier haben Sie 100.000 €
So, nur im größeren Stil läuft`s in der EU.
22:34
...das Hauptproblem ist nicht eine drohende Arbeitslosigkeit - Das Hauptproblem ist Neid und ein überzogenes Anspruchsdenken bei gleichzeitig nur geringer Leistungsbereitschaft.
Firmen bieten Verträge an, sie zwingen aber Niemanden diese abzuschließen. ...und keine Firma muss und kann seine Kunden überprüfen, ob sie die Grundrechenarten beherrschen. Leute die nicht erkennen, dass 5 Raten für 5 verschiedene Produkte nicht 5*100 Euro sind, sondern glauben, da die Zahl ja immer gleich ist, es wären immer noch 100 Euro, die kann man eigentlich nur an ihrer Dummheit zu Grunde gehen lassen...
21:59
Der Grundstein für dieses Verhalten wird doch schon teilweise im Kindes- bzw. Schulalter gelegt. Hatten ein paar Mitschüler z.B. einen Gameboy, Markenturnschuhe bzw. Markenjeans, Playstation, eigenern Fernseher auf dem Zimmer, Handy, iPod oder derzeit das iPhone, dann bekamen nach und nach die anderen Kinder oder Jugendliche diese Konsumgüter ebenfalls. Wenn man als Eltern versuchte, sich dieses Massenphänomens zu entziehen, bekam man nur zu hören: Das geht nicht, dann ist mein Kind ja außen vor!
Und was Hänschen schon bekam, will Hans natürlich auch weiter haben.