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Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet

20.12.2012 | 12:03 Uhr
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
Kinder sind von Armut besonders betroffen - und jeder sechste in Deutschland läuft Gefahr, eines Tages zu verarmen.Foto: dapd

Berlin.  Seit der Wiedervereinigung waren noch nie so viele Menschen in Deutschland von Armut bedroht wie heute. Zu diesem Ergebnis kommt der Paritätische Wohlfahrtsverband - und fordert sofortige Gegenmaßnahmen wie einen gesetzlichen Mindestlohn. Das Ruhrgebiet gilt als besonders problematische Region.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert ein milliardenschweres Sofortprogramm zur Bekämpfung der Armut in Deutschland. Seit 2006 sei die Armutsgefährdungsquote stetig gestiegen und habe 2011 mit 15,1 Prozent einen neuen Höchststand erreicht.

Seit der Wiedervereinigung "hatten wir noch nie so viele von Armut bedrohte Menschen wie im Jahr 2011", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider. Er verwies auf das wachsende Problem von Niedriglöhnen und prekären Beschäftigungsverhältnissen. Das Phänomen der sogenannten working poor sei das, "was unsere Gesellschaft wirklich umkrempelt".

Das Ruhrgebiet gilt als besonders Armutszone

Als armutsgefährdet gilt, wer für seine Lebensführung weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Nach der regionalen Auswertung des Verbandes sind in Bayern und Baden-Württemberg weitaus weniger Menschen von Armut betroffen.

Finanzbericht
Ruhrgebietsstädte reduzieren Gesamtdefizit um ein Drittel

Die Städte im Ruhrgebiet müssen weiter deutlich sparen. Nach einem neuen Finanzbericht für das Ruhrgebiet stehen leicht gestiegene Steuereinnahmen überproportionalen Sozialausgaben gegenüber. Trotz drückender Kosten konnten die Ruhrgebietsstädte ihr Gesamtdefizit um etwa ein Drittel verringern.

Mit Bremen landet im Länderranking erstmals ein westdeutsches Bundesland auf dem letzten Platz. Dort beträgt die Quote 22,3 Prozent. Zu den besonderen Problemregionen zählt der am Donnerstag vorgestellte Bericht neben Mecklenburg-Vorpommern auch Berlin und das Ruhrgebiet.

Wohlfahrtsverband fordert Mindestlohn und mehr Hartz IV

Um diesem Problem zu begegnen, forderte der Verband die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, die Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze sowie eine Reform des Wohngeldgesetzes. Diese Maßnahmen würden "erst mal" zwischen zehn und 20 Milliarden Euro kosten, erklärte Schneider.

Dies sei zwar viel Geld, aber "wir haben das Geld", fügte er hinzu und verwies auf rund 4,8 Billionen Euro, die auf den Konten deutscher Privathaushalte lägen. Der Paritätische Gesamtverband stellt am Vormittag in Berlin seinen Bericht zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland vor. (dpa/afp)



Kommentare
22.12.2012
02:16
MKTFranke | #18
von scheinhardRuessler | #19

Ich kann mir Ihren Kommentar nur so erklären, dass Sie sich über die aktuellen Zustände am Arbeitsmarkt überhaupt nicht informiert haben.

Wobei ich mir das bei den vielfältigen Informationsmöglichkeiten in unserem Medienzeitalter eigentlich gar nicht vorstellen kann.

21.12.2012
22:41
@ scheinhardRuessler | #17
von MKTFranke | #18

Ungerechtigkeit? Im Gegenteil, das Arbeitsleben ist sogar sehr gerecht. Wer Leistung bringt, bekommt im Allgemeinen auch einen ordentlichen Job.

Wobei Managergehälter usw. übrigens erst recht die Floskelsammlung pur sind.

Wer arbeitet, aber nicht genug zum Leben hat, hat in seinem Leben halt irgendwas falsch gemacht. Genauso ist das mit den Renten.

Wo liegt die Ungerechtigkeit, wenn jemand nach dem Abi sein Wirtschaftsstudium macht, sich danach zum hochdotierten Manager hocharbeitet, und dafür entsprechend Geld und Rente bekommt?

Er bringt die Leistung, also bekommt er einen Bonus. Der Geringverdiener hat im schlechtesten (nicht in jedem) Fall keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, und schafft so nur angelernte Arbeiten, bekommt also auch nur wenig Lohn und Rente.

Sorry, aber es ist inakzeptabel, den Bengel auch noch zu belohnen, der mit 16 die Schule schmeißt, und dem mit 30 Jahren dann langsam dämmert, dass er nur noch die mies bezahlten Restarbeiten, oder gar nichts, bekommt

21.12.2012
21:06
MKTFranke | #16
von scheinhardRuessler | #17

Oh, wieder diese Floskelsammlung. "soziale Hängematte", Hintern hochkriegn", wow!

Dabei ist gar nicht die Arbeiutslosihgkeit der Grund für wachsende Armut. DIe Arbeitslosenzahlen waren schon mal wesentlich höher.

Aber es gibt imme rmehr Menschen,m die arbeiten und trotzdem nicht genug zum Leben haben.
Oder die en Leben lang gearbeitet haben, dafür aber eine Rentenansprüche unterhalb der Grundsicherung erworben haben.

Gleichzeitig sind Managergehälter, Boni oder Aktiengewinne explodiert.

Ich halte den Begriff Armut insofern auch für falsch gewählt. Der richtige Begriff wäre m.E. Ungerechtigkeit.

21.12.2012
14:10
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
von MKTFranke | #16

Interessant dabei ist, dass manche meinen, bei einer entsprechenden Reichenbesteuerung würde es den armen Harzlern besser gehen. Die Realität wird wohl so aussehen, dass weniger Schulden gemacht würden, mehr nicht.

Etwas anderes wäre auch nicht sinnig, das ließe sich dem arbeitenden Steuerzahler nicht vermitteln. Wenn mehr Energie ins Jobsuchen gesteckt würde, anstatt sich über sein Los zu beschweren, würde es insgesamt besser gehen.

Also mal nicht darauf hoffen, dass die Gutverdiener für die soziale Hängematte geschröpft werden, sondern den Hintern selber hoch bekommen.

21.12.2012
12:21
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
von lass_mal_laufen | #15

Ich denke, dass der ein oder andere Schreiber nicht wirklich versteht, wie sich das Durchschnittseinkommen (DE) zusammensetzt und was es bedeutet, wenn hier der ein oder andere ein DE von 60.000€ als erstrebenswert erachtet. Auch verstehe ich die Diskussin über angeblichen "Kontenraub" zugunsten "Armer" nicht. Solche Vorgehen wird es nicht geben. Das DE kann ja mal jeder selbst errechnen, in dem er annimmt:
20 v. H. verdienen 20.000.000 €
80 v. H. verdienen 36.000 €
Das gewichtete aritmetische Mittel würde zwar verzerren, wäre aber für die Sache vollkommen ausreichend!
ich würde annehmen es käme ein DE von 2.014.400€ heraus. Das haben defakto die wenigsten. Würden sich aber die Meisten wünschen!
Aus dem DE ergibt sich unter anderem die Preispolitik. Und jetzt mögen sich die Verfechter der Armut einmal bemühen darüber nachzudenken, wohin sich die Preisschraube dreht?
Immer erst denken!!!

1 Antwort
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
von johnlord | #15-1

Aha 16.000.000 Bundesbürger verdienen 20.000.000 Euro.

Wer mit sochen an den Haaren herbeigezogenen Zahlen arbeitet, der entlarvt sich selbst als Lügner. Unglaublich, was nicht alles versucht wird, die eigene Propaganda am Leben zu halten.

20.12.2012
23:59
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
von Karlot | #14

Sozialstaatszerstörer Schröder im Januar 2005:
"Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt."

20.12.2012
23:52
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
von Karlot | #13

@Pellet

Blödsinn! Es wird ja nicht das "Durchschnittseinkommen" als Grundlage genommen.
Statistiker sind ja nicht so blöd wie ihre Kritiker.

Als Grundlage dient der Median der EInkommen und nicht der Durchschnitt.

Natürlich muss es ein Lohnabstandsgebot geben. Das erreicht man aber nicht dadurch, dass man Transfereinkommen immer weiter nach unten kürzt sondern indem man die Löhne auf ein angemessenes Niveau hebt.
Deutschland ist im übrigen Lohndumpingland Nr. 1. Die is auch einer der Gründe für die Eurokrise, da die niedrigen Löhne in Deutschland zu einem Auseinanderdriften der Inflationsraten in der Eurozone geführt haben.

Niemand fordert, dass Sparguthaben aufgelöst werden, damit sie den Armen gegeben werden.
Es geht darum, dass Reiche (zu denen Sie wahrscheinlich gar nicht gehören) so besteuert werden wie es in zivilisierten Industrienationen üblich ist.
Die deutsche Reichtumspflege ist nämlich einmalig und nur mit einem bonierten deutschen Ökonomieverständnis zu erklären.

20.12.2012
21:12
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
von Pellet | #12

Konsequent weiter gedacht müßten also die Transferleistungen auf ein Niveau angehoben werden, dass mindestens 60 % des Durchschnittseinkommens beträgt. Das treibt aber das Durchschnittseinkommen in die Höhe, während "Armut" nach der jetzigen Berechnungsmethode bleibt. Außerdem lohnt es sich dann immer weniger, überhaupt arbeiten zu gehen angesichts des zum Teil erschreckenden Lohnniveaus. Wirklich zukunftsweisende Ideen. Die Aussage "Wir haben Geld" und dann auf die Sparguthaben der Menschen zu verweisen ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten. Wieviel Geld liegt denn so auf den Konten der Wohlfahrtsverbände herum und wieviel wird für nutzlose Studien ausgegeben?

20.12.2012
20:35
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
von AuroraBorealis | #11

Hartz IV ist der Grund der exorbitant nach oben schnellenden Zahl an Armen.
Hartz IV ist wurde durch SPD und GRÜNE in den Bundestag eingebracht und gemeinsam mit CDU und der Splittergruppe FDP über Deutschland ausgeschüttet.

Ändern wird man nur etwas, wenn man auch bereit ist wählen zu gehen und seine Wählerstimme NICHT mehr immer nur einer der obersten vier Parteien auf dem Stimmzettel zu geben, sondern den kleineren Parteien endlich eine Chance zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität aller in Deutschland zu ermöglichen.

Merken:
Keine Stimme mehr für die auf dem Wahlzettel vier zu oberst aufgeführten Parteien geben!


































































































































































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20.12.2012
20:35
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet
von kuba4711 | #10

Angesichts der Tatsache ,dass in wenigen Jahren der durchschnittliche Rentner lediglich 43 Prozent seines letzten Netto - Lohnes als regelmäßige ,gesetzliche Rente zu erwarten hat ,da halte ich die Zahlen des paritätischen Wohlfahrtsverbandes noch für untertrieben ,bezogen auf die Situation in wenigen Jahren.
Angenommen man hat als letztes Gehalt 2000 Euro verdient ,dann hat man eine Rente von 860 Euro zu erwarten.
Frage an die EFFDEP - Propagandisten :
Ist man dann arm ,oder in Monaco etwa Einkommensmillionär?

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