„Jeder Kreditnehmer profitiert von den niedrigen Zinsen“

Mal egoistisch gedacht, verlieren die Deutschen mehr Geld, wenn Griechenland aus dem Euro ausscheidet oder bei einem neuen Schuldenschnitt?

Schmidt: Das Beste aus deutscher Sicht wäre die Rückkehr zu dem Weg, den wir bis Ende 2014 gesehen haben, also eine Kombination aus Haushaltskonsolidierung und Reformen. Wenn Griechenland sich stattdessen selbst aus dem Euro herauskatapultiert, wäre die Konsequenz vermutlich eine humanitäre Katastrophe, bei der Deutschland sicher nicht zusehen könnte, sondern helfen würde. Die Kredite in Euro könnte Griechenland mit einer neuen Währung auch nicht mehr zurückzahlen, es würde also sehr teuer werden. Der schlechteste und teuerste Weg wäre es aber, den Forderungen aus Athen nachzugeben, um den Grexit um jeden Preis zu verhindern.

Zurzeit sind deutsche Sparer große Verlierer, weil zur Krisenpolitik historisch niedrige Zinsen gehören.

Ja, es gibt derzeit die Klagen, dass die deutschen Sparer enteignet werden. Aber was wäre die Alternative? Dass die EZB die Zinsen senkt, wenn Wachstums- und Inflationsaussichten niedrig sind, halte ich grundsätzlich für eine richtige Maßnahme. Und man muss sehen, dass der schwache Euro ja auch unsere Exporte beflügelt. Richtig ist aber, dass jeder, der sein Geld werterhaltend anlegen will, sich derzeit schwer tut. Die Gefahr ist, dass viele in höhere Risiken fliehen und damit zu Übertreibungen bei Geldanlagen beitragen.

Großer Profiteur ist dagegen der deutsche Staat, der fast keine Zinsen mehr für neue Kredite zahlen muss. Muss man diesen Profit nicht gegenrechnen, wenn man beklagt, wie teuer die Rettungsaktionen werden könnten?

Sicher profitiert der deutsche Staat, aber letztlich jeder Kreditnehmer derzeit von den niedrigen Zinsen, aber dafür tragen wir auch enorme Risiken. Deutschland wäre sicherlich besser dran, wenn wir diese Krise und damit auch die niedrigen Zinsen nicht hätten. Was wir dadurch sparen, würde die Regierung sicher gerne gegen einen stabilen Euroraum tauschen.