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Iserlohner Modell Vorreiter in Sachen Flüchtlings-Ausbildung

25.02.2016 | 22:00 Uhr
Iserlohner Modell Vorreiter in Sachen Flüchtlings-Ausbildung

Iserlohn.   Das Modell des Iserlohner Berufsbildungszentrum ist bundesweit Vorreiter für die Ausbildung von Flüchtlingen. Bislang gibt's aber keine Fördergelder.

Was er einmal werden will? „Schornsteinfeger“, sagt Rexford Grant. Der 27-Jährige grinst: „Komisch. Oder?“ Ja, aus seinem Mund klingt es seltsam. Warum nicht? Der Mann aus Ghana ist optimistisch. Er hofft auf eine gute Zukunft. Drei Jahre war er auf der Flucht.

Jetzt ist er in Iserlohn angekommen. Er gehört zu den Flüchtlingen, die im Berufsbildungszentrum (bbz) der Kreishandwerkerschaft des Märkischen Kreises freiwillig für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollen. Dass sie alle Ein-Euro-Jobber sind, führt auf die falsche Fährte. Sie erledigen keine Arbeiten, die niemand braucht, sie nehmen niemandem Arbeit weg, sie sind viel mehr auf dem Weg, sich beruflich zu orientieren.

„Hier können sie verschiedene Berufe ausprobieren und ihr Potenzial ergründen“, sagt bbz-Geschäftsführer Dirk Jedan. Gegenwärtig unterweist sie Ausbildungsmeister Dietmar Fiedler in der Schweißtechnik. Mit Feuereifer ist die Gruppe dabei. „Morgens sind sie nicht immer so motiviert“, sagt der 56-Jährige, „aber wenn sie einmal angeschoben werden, sind sie hoch konzentrier und motiviert.“ Und eines fällt ihm auf. „Ein Acht-Stunden-Tag sind sie nicht gewöhnt. Auch ihre Schulbildung ist sehr unterschiedlich. Sie müssen lernen, dass die Anforderungen in Deutschland hoch sind.“

Jeden Tag zwei Stunden Deutsch

Das wollen sie. Wer die Männer beobachtet, zweifelt daran nicht. Sie arbeiten vier Stunden, haben zwei Stunden Deutschunterricht und zwei Stunden Gesellschaftslehre. Jeden Tag. „Die Bereitschaft zu lernen, ist groß“, sagt Katrin Brenner, Erste Beigeordnete der Stadt Iserlohn. Sie ist die Initiatorin dieses Projektes, das bundesweit großen Anklang findet. „Wir sind offenbar nicht so falsch unterwegs.“ Wuppertal, Solingen, Kerpen und Gelsenkirchen haben zuletzt im Rathaus angerufen und um nähere Informationen gebeten.

„Das Projekt hat nichts mit Sozialromantik zu tun“, versichert die Christdemokratin. „auch die Stadt hat von diesem Vorhaben einen Mehrwert. Wir brauchen nach den sogenannten Arbeitsgelegenheits (AGH)-Maßnahmen, den zweiten Schritt. Wir müssen die Menschen qualifizieren. Im Idealfall integrieren wir sie in unser Beschäftigungssystem. So steigt ihre Akzeptanz.“

Dass das nicht über Nacht passiert, ist allen Beteiligten bewusst. Jedan: „Dieser Prozess, in dem wir die Menschen fordern und fördern, braucht viel Zeit und großer Geduld.“ Frühestens in fünf, sechs Jahren sei ein positiver Effekt spürbar. Nach seiner Einschätzung brauchen die Betriebe in Zukunft die Neuankömmlinge. Und er weiß: „Das Handwerk hat einen Vorteil. Die Ansprüche im industriellen Bereich sind höher.“ Die Frage, welche Flüchtlinge für dieses Projekt in Frage kommen, ist schnell beantwortet. „Alle zugereisten Menschen ab 16 Jahren aufwärts mit einem Aufenthaltstitel“, sagt Katrin Brenner. „Sie brauchen eine mittelfristige Bleibeperspektive. Auch wenn ihr Asylantrag abgelehnt werden sollte, nehmen sie auf jeden Fall etwas mit nach Hause. Ausgeschlossen an der Teilnahme sind Asylbewerber aus sicheren Drittstaaten.“

Kosten liegen bei 1,2 Millionen Euro

Die Erste Beigeordnete der Stadt setzt gegenwärtig alle Hebel in Bewegung, um Fördermittel für das Projekt, das 100 Flüchtlinge in zwei Jahren für den Arbeitsmarkt qualifizieren soll, zu bekommen. Die 47-Jährige: „Es gibt bislang Null-Förderung der öffentlichen Hand.“

Für sie unverständlich. „Wir brauchen mehr Fördergelder für die Kommunen. Hier kommen die Flüchtlinge an, hier geben wir ihnen eine Struktur, hier liegt ihre Zukunft.“ Die Kosten beziffert Katrin Brenner auf insgesamt 1,2 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt beträgt 250 000 Euro. Summen, die Rexford Grant zu hoch sind. Er wirkt zufrieden, verabschiedet sich auf Deutsch: „Schönen Tag noch.“

Joachim Karpa

Kommentare
26.02.2016
22:36
Iserlohner Modell Vorreiter in Sachen Flüchtlings-Ausbildung
von Feinsieb | #4

Los jetzt!
Macht darauf eine coole Rapperband!
Hier der Name:

THE HOT WELDER!

Auf die Namensverwendung erhebe ich eine Provision von 10 % aller...
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2016-02-25 22:00
Wirtschaft