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In der Krise investieren sogar die Deutschen in Aktien

07.08.2012 | 17:49 Uhr
In der Krise investieren sogar die Deutschen in Aktien
Die Deutschen vertrauen wieder in Aktien.Foto: dapd

Frankfurt.   Euro-Krise, niedrige Zinsen: 10,2 Millionen Deutsche besitzen zurzeit Unternehmensanteile oder investieren in Aktienfonds. Wertpapiere liegen voll im Trend. Experten rechnen allerdings nicht damit, dass ein langfristiger Trend ablesbar ist. In anderen Ländern ist das Interesse an Aktien größer.

Die Euro-Schuldenkrise und die niedrigen Zinsen haben den Trend zur Aktienanlage in Deutschland im ersten Halbjahr überraschend deutlich gestärkt. Die Zahl der Aktiensparer stieg um 17,1 Prozent oder 1,5 Millionen Euro und damit so deutlich wie seit 12 Jahren nicht mehr. Rund 10,2 Millionen Bundesbürger besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) Ende Juni Aktien und Aktienfonds.

Das waren 15,2 Prozent der Bevölkerung. „Die seit der Finanzmarktkrise 2008 verloren gegangenen deutschen Anleger in die Aktie sind wieder zurückgekehrt“, sagt DAI-Direktor Franz-Josef Leven. Er warnt allerdings vor falschen Schlussfolgerungen: Es sei verfrüht von einer Stabilisierung der Aktienakzeptanz zu sprechen. Zudem drohten durch eine Finanztransaktionssteuer weitere Belastungen für die „ohnehin steuerlich diskriminierte Aktienanlage“.

Höhere Steuerbefreiung gefordert

Das DAI, Interessensvertretung der börsennotierten Unternehmen in Deutschland, weist seit Jahren auf die Steuerlasten für das Aktiensparen hin. Dadurch werde das Potential der Aktie als Instrument der privaten Altersvorsorge und der Vermögensbildung für Arbeitnehmer deutlich eingeschränkt. Tatsächlich sind die Aktionärszahlen in den angelsächsischen Ländern, aber auch in den Niederlanden oder Dänemark mit Quoten von zum Teil deutlich mehr als 20 Prozent erheblich höher.

Video
Frankfurt am Main, 03.08.12: Den vollmundigen Interventions-Ankündigungen in der Euro-Schuldenkrise ließ EZB-Chef Draghi am Donnerstag wohl auch wegen des deutschen Widerstandes vorerst keine Taten folgen. Die Finanzmärkte reagierten enttäuscht.

In den USA halten sogar 56 Prozent der Bürger Aktien. Das DAI fordert unter anderem ähnlich wie in Frankreich oder Großbritannien deutlich höhere Freibeträge. Dort sind Dividenden, Zinsen und Kursgewinne von 12.000 und 20.000 Euro von der Steuer befreit. In Deutschland sind es aktuell nur 800 Euro.

Aktie hat als Sachwert gewonnen

Trotzdem hat die Aktie als Sachwert in der Euro-Schuldenkrise wieder an Bedeutung gewonnen. „Die Aktie steht hier neben der Immobilie im Vordergrund“, sagt Leven. Daneben bietet sie als praktisch einzige Geldanlage aktuell die Aussicht auf eine attraktive laufende Ausschüttung. Im ersten Halbjahr haben die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland insgesamt 27,8 Milliarden Euro an Dividenden gezahlt, dies entspricht einer Rendite von im Schnitt rund vier Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen bringen dagegen aktuell nur rund 1,5 Prozent, Tagesgeld nur in wenigen Fällen zwei Prozent und mehr. Damit ist in den meisten Fällen nicht einmal die Inflationsrate ausgeglichen.

Vor allem diese Faktoren haben das Interesse an Aktien in den ersten sechs Monaten deutlich gefördert. Die Zahl der Anleger, die direkt Aktien kaufen, stieg um gut 19 Prozent oder rund 790.000 auf 4,9 Millionen. Das war der stärkste Anstieg seit neun Jahren. Allerdings sind es immer noch 1,3 Millionen weniger als im Rekordjahr 2000. Damals gab es auch insgesamt - also direkte Aktiensparer und Aktienfondsanleger - mit fast 13 Millionen die meisten Aktionäre in Deutschland.

Rolf Obertreis

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Kommentare
08.08.2012
14:30
Worin auch sonst?
von TorstenS | #4

Sicherlich ist die Nachricht von einem Interessenverband lanciert, aber das macht sie ja noch nicht inhaltlich falsch. Es passiert so einiges in der Welt was man nicht immer mitbekommt.

Und ich halte die Nachricht an sich auch für durchaus logisch, denn worin soll man denn sonst investieren. Zinsen sind Null. Exotische Staatsanleihen will - selbst in EUR - keiner mehr haben. Geschlossener Immobilienfonds wird gleichgesetzt mit "Schrottimmobilie" und manche haben halt schon Wohneigentum. Da bleibt ja nur noch die Aktie. Die ist insbesondere gegen eine Geldentwertung relativ gut abgesichert, denn die verbrieft ja einen Sachwert.

Einige der genannten indirekten Anleger sind übrigens auch solche, die aus Verlusten nach dem platzen der Blase Anfang der 2000er Jahre schlau geworden sind und sich z.B. in einem Investmentclub zusammengefunden haben, um sich eigenes und unabhängiges Wissen über Aktien zu erarbeiten. Das bringt nicht nur Rendite, sondern macht sogar Spass.

08.08.2012
10:07
Quelle?
von Alex9 | #3

Der Zuwachs an direkten und indirekten Aktionären von 8,7 auf 10,2 Millionen innerhalb nur sechs Monaten ist offenbar bisher keinem aufgefallen, bis ihn eine Interessengruppe für sich entdeckt zu haben meint. Oder hat es so einen Anstieg überhaupt nicht gegeben? Wenn man das mal hinterfragt, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass z.B. die Comdirect-Bank 1,7 Millionen Depots verwaltet - immerhin 20% von 8,7 Millionen - und von dem angeblichen Aktionärsboom mit einem Anstieg von nur 1,5% im ersten Halbjahr so gut wie gar nichts mitbekommen hat. Da tauchen schon gewisse Zweifel auf, ob das bei anderen Instituten so völlig anders aussieht.

08.08.2012
08:36
In der Krise investieren sogar die Deutschen in Aktien
von holmark | #2

Bargeld lacht. Aber nicht der EURO...

07.08.2012
23:57
In der Krise investieren sogar die Deutschen in Aktien
von Hugo60 | #1

Nach der Großen Depression dauterte es Jahrzehnte, bis Aktien wieder eine Wertsteigerung vorwiesen. Und wer sich nach dem Jahr 2000 in Aktien engagierte, der hatte auch keine hohe Rendite.
Der Artikel ist schlicht und einfach Werbung.

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