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Zukunft der Pflege

In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel

29.12.2009 | 22:11 Uhr
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel

Berlin. Die Pflege in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Auf der einen Seite werden die Pflegekräfte knapp, auf der anderen werden die Senioren von morgen neue Wohnformen für sich entdecken. Zukunftsfragen, die nach Antworten suchen.

Wohngemeinschaft – das klingt nach Studenten, die sich lieber die Nächte um die Ohren schlagen, anstatt Vorlesungen zu besuchen. In Zukunft denken wir bei der Abkürzung „WG” vielleicht aber ebenso an rüstige Senioren beim Kaffeeklatsch. Viele Menschen haben den Wunsch, ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu verbringen und schließen sich zum Wohnen zusammen. Betreuungsdienste und Einkaufshilfen kommen nach Hause, nicht ins Heim. „Die Pflege wird individueller”, prognostiziert der Zukunftsforscher Horst Opaschowski.

Der Wissenschaftler glaubt nicht an das Schreckensszenario einer älter und gleichzeitig pflegebedürftiger werdenden Gesellschaft. „Ein 80-Jähriger von morgen ist so fit wie ein 70-Jähriger von heute”, sagt er. In seiner Vision des Jahres 2030 existieren keine Altenheime mehr, dafür aber Wohn- und Hausgemeinschaften, die mit externen Dienstleistern wie Pflegediensten und Beratungsstellen vernetzt sind.

Dass Deutschland künftig ohne Pflegeheime auskommt, ist freilich nicht zu erwarten. Einer, der kein Interesse an deren Verschwinden hat, ist Thomas Greiner. Der Vorstandschef der Dussmann-Gruppe, zu der auch der Pflegeheimbetreiber Kursana gehört, sieht in der Pflege und Betreuung von Senioren „das Megathema” für die nächsten Jahre. 2,25 Millionen Pflegebedürftige gibt es heute in Deutschland. Je nachdem, wie gesund unsere Gesellschaft in Zukunft sein wird, könnten es 2030 zwischen drei und 3,4 Millionen sein. Das hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet.

Verstärkung aus Osteuropa

Wie gut die Menschen versorgt werden, hängt vom Angebot der Fachkräfte ab. Schon heute ist die Lage nicht rosig – es herrscht Fachkräftemangel. Zu wenig gut ausgebildetes Personal findet Kursana heute schon in Bayern und Baden-Württemberg, weil es viele Arbeitskräfte in die Schweiz zieht. „Dort wird einfach besser bezahlt”, erklärt Vorstandschef Greiner. In Zukunft sei Deutschland verstärkt auf osteuropäische Pflegekräfte angewiesen.

Dass sich der Engpass bei den Pflegekräften einfach durch polnisches oder russisches Personal beheben lässt, glaubt man beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe nicht. „Ausländische Pflegekräfte wandern an Deutschland vorbei”, erklärt Referentin Johanna Knüppel. Länder wie die USA oder Australien hätten bessere Pflegesysteme und böten attraktivere Löhne. Nur wenn die Berufe attraktiver gemacht würden, könne man dem Mangel entgegenwirken. „In Großbritannien wird 2020 jeder vierte Schulabgänger in der Pflege gebraucht”, gibt Knüppel zu bedenken, „in Deutschland wird es ähnlich aussehen.”

Die Sorge, im Alter selbst zum Pflegefall zu werden, beschäftigt viele. Fast jeder Zweite unter 30 Jahren verbindet seine Gedanken an das Alter „zumindest gelegentlich” mit der Sorge, pflegebedürftig zu werden. Das hat eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach ergeben. Die Mehrheit der Befragten ist überzeugt, dass die Leistungen der Pflegeversicherung im Pflegefall nicht genügen.

2010 steigen die Pflegesätze

Tatsächlich reichen die gesetzlichen Leistungen oftmals nicht aus. Mehrere Hundert bis weit über Tausend Euro bezahlen Betroffene für einen Heimplatz häufig selbst – oder Angehörige oder die Sozialhilfe springen ein. Zwar steigen 2010 die Pflegesätze und es gibt mehr Geld vom Staat. Doch wenn künftig immer weniger Junge für immer mehr Alte aufkommen, werden die Kosten für die Pflegeversicherung steigen müssen. Die Bundesregierung schmiedet schon Pläne, wonach sich jeder zusätzlich privat absichern soll.

Dass auch der Staat seine Ausgaben drücken will, zeigt ein Pilotprojekt in Hannover. Ältere Menschen werden von Fallmanagern unterstützt, ihre Pflege zu Hause zu organisieren. Das ist billiger als ein Heimplatz, und die Kommunen sparen Sozialhilfe. Hat der Modellversuch Erfolg, könnte es vielleicht doch weniger Pflegeheime geben und die Vision von Zukunftsforscher Opaschowski teilweise eintreffen.

Mandy Kunstmann

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Kommentare
02.03.2010
12:48
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von hajori | #10

Wen wundert das bei den Löhnen?
Altenpflege gehört wie die Krankenversicherung nicht in privatwirtschaftliche Hände!
Das ist kein Gebiet für Gewinnmaximierung auf Kosten der Pfleger(innen) und der zu pflegenden!
Wir haben 3,5 Mio Arbeitslose, da sollten sich doch entsprechende Kräfte finden lassen bzw. Leute die bereit sind, sich in den Pflegeberuf umschulen zu lassen.
Vernünftige Bezahlung (mind. 10,--EUR netto) vorausgesetzt!
Leistung muß sich auch lohnen!!!

02.03.2010
11:33
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von Holländer | #9

Wenn Pflegekräfte 10 Eu. pro Stunde verdienen würden + anständige Zulagen für Nacht u. Feiertagsschichten, dann gäbe es auch keinen Pflegenotstand.
Aber Altenheimbetreiber die mit 6 Eu. netto auf
Munijobbasis kalkulieren gehören aus dem Markt gedrängt; für solche Sätze kann man keine menschenwürdige Betreuung erwarten.

Die Gefahr besteht, dass bei der Arbeitsfreizügigkeit ab 2011, die der gute Kanzler Schröder (SPD) damals mit verbockt hat, Millionen EU-Neubürger aus Osteuropa in die hiesige Arbeitswelt strömen u. es zu einer Lohnverwerfung 1. Grades kommt; - darum sind
verbindliche Mindestlöhne so wichtig, wann wird 3M ( Murks Mutti Merkel) das endlich kapieren, nach dem 1.1.2011 ist es schon zuspät !

02.03.2010
07:36
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von Josef Weingarten | #8

Zahlt den Pflegekräften ein menschenwürdiges Gehalt. Dann gibt es sicherlich auch Anreize für den Nachwuchs einen Beruf im Pflegebreich zu erlernen. Doch niemand hat Bock darauf dies zu einem Hungerlohn zu tun.

30.12.2009
19:02
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von ohnehoffnung | #7

Fachkräfte???? Wer soll die bezahlen. Vielleicht können wir noch ein paar Mini- oder 1 Euro-Kräfte für unsere Pflegebedürftigen angagieren??? Damit in den Chefetagen keine finanzielle Einschnitte stattfinden müssen. Ich möchte nicht irgendwann mal auf ein Pflegeheim angewiesen sein. Es wird sich hier bestimmt nichts in den nächsten Jahren ändern, denn angeblich ist ja kein Geld vorhanden.
Denn es wird grundsätzlich immer am falschen Ende gespart.

30.12.2009
18:49
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von DGB NEIN DANKE | #6

Kann ich nicht verstehen, es gibt doch genug Hartzis.

30.12.2009
09:13
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von Banjoboy10 | #5

Wieso sucht man Fachkräfte?
Hier ein Tipp: die befinden sich bei der ARGE

30.12.2009
08:42
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von Argus | #4

Fachkräfte fehlen doch überall -sie sind zu teuer, z. B. auch für die WAZ.

30.12.2009
08:12
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von B.Schmitz | #3

Klar das Deutschland auf osteuropäische Kräfte zurückgreift. Die arbeiten ja auch für einen Hungerlohn.
Wann wird eigentlich mal begriffen, dass in die eigenen Leute investiert werden muss? Zählen wir Deutschen hier in Deutschland gar nicht mehr? Sind wir nur noch dazu da ausgenommen zu werden?
In den Pflegeberufen ist doch das Personal unterbesetzt und unterbezahlt.
Klar das lieber Betreuungsdienste eingesetzt werden. Diese lassen sich schließlich jeden Handschlag bezahlen. Dazu reicht noch nicht einmal das Pflegegeld um alles zu bezahlen. Vor allen Dingen kommt noch hinzu, bevor man überhaupt eine Pflegestufe erhält, vergeht sehr viel Zeit und der erste Antrag wird meistens abgelehnt.

30.12.2009
07:55
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von watislos | #2

Ist das wirklich so? Also ich kenne das seit vielen Jahren anders! Unterbezahltes und unterbesetztes Pflegepersonal, dass sich im Papierkrieg und in Dokumentation verheddert, anstatt die Pflege zu leisten, die es laut Dokumentation angeblich erbracht hat! Die Heimaufsicht hat ja keine Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen - oder wie will die feststellen, ob seit vier Tagen oder über einer Woche nicht mehr geduscht wurde? Müffeln tut ein inkontinenter Patient dann gleich stark. Ja, und in Sachen Fütterung bekomme ich Zustände! Schläft ein Patient zu dieser Zeit - tja, dann schläft er eben - so ist das Mittagessen für ihn vorbei!!! ...lebenswertes leben???

29.12.2009
23:41
In Altenheimen droht ein Fachkräftemangel
von Michael Beckmann | #1

Wir werden auch zukünftig Pflegeheime benötigen. In Modellversuchen lönnen nur ausgesuchte Patienten in ausgesuchten Situationen erfasst werden. Aber nicht der sog. Normalfall.
Solche Projekte verschleiern die Wirklichkeit. Von sehr vielen hilfebedürftigen Menschen im hohen Alter.
Da ich viele Pflegeeinrichtungen persönlich kennengelernt habe, bin ich für die nachfolgenden Generationen sehr zuversichtlich, das ein lebenswertes Leben möglich ist.

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