Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Arbeitsmarkt

Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück

27.08.2014 | 19:21 Uhr
Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück
Leiharbeit hat keinen guten Ruf. 2012 demonstrierte die IG Metall für bessere Bezahlung der Zeitarbeits-Kollegen. Foto: Marcus Simaitis

Essen.  Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine aktuelle Anfrage der Linken hervorgeht, ist die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland bereits im dritten Jahr in Folge rückläufig. Ende 2013 zählte die Bundesagentur für Arbeit 814.580 Leiharbeitnehmer, Ende 2011 noch 871.726. Hintergrund ist offenbar der Fachkräftemangel.

Die Gewerkschaften werden es sicher gerne hören: Die robuste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sorgt offenbar dafür, dass der Markt für Leiharbeiter schrumpft. Zeitarbeitsfirmen können auf immer weniger Personal zurückgreifen, das sie auf dem Wege der sogenannten Arbeitnehmerüberlassung Unternehmen zur Verfügung stellen, ohne dass diese reguläre Stellen schaffen müssen. Allerdings vollzieht sich die Entwicklung nur langsam. Und zumindest für Geringqualifizierte ist auch dieser Trend keine wirklich gute Nachricht. Denn wie schon auf dem ersten Arbeitsmarkt sind unter den Zeitarbeitern in erster Linie die besserqualifizierten Fachkräfte die Gewinner.

Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine aktuelle Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgeht, ist die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland bereits im dritten Jahr in Folge rückläufig. Ende 2013 zählte die Bundesagentur für Arbeit 814.580 Leiharbeitnehmer, 822 379 waren es im Jahr zuvor und Ende 2011 sogar 871.726. Die Zahl der Leiharbeitsfirmen ging – wenn auch nur leicht – ebenfalls zurück.

Entwicklung variiert von Stadt zu Stadt

Diese Tendenz gilt auch für Nordrhein-Westfalen, wenngleich die Entwicklung im größten Bundesland von Stadt zu Stadt höchst unterschiedlich ausfällt, was unter anderem auf die Wirtschaftsstruktur der jeweiligen Städte zurückzuführen ist. Große Konzerne etwa beschäftigen für ihre Projekte gleich einen ganzen Stab von Zeitarbeitern. Das spiegelt sich in der Statistik entsprechend wider. Dass in Düsseldorf und Köln überproportional viele Leiharbeiter gemeldet sind, liegt nach Einschätzung der NRW-Arbeitsagentur vor allem an der hohen Zahl der Zeitarbeitsunternehmen in diesen Städten.

Lesen Sie auch:
Wer vom Mindestlohn profitiert - die wichtigsten Fakten

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung für einen Mindestlohn beschäftigt an diesem Donnerstag erstmals den Bundestag. Grundsätzlich sollen alle...

Wegen der hohen Dichte an Industriebetrieben und der vielen Konzernsitze in NRW ist die Region ohnehin ein begehrter Markt für Zeitarbeitsfirmen. Marktführer Randstad betreibt in fast allen Großstädten an Rhein und Ruhr gleich mehrere Filialen. „Zeitarbeiter werden besonders im gewerblichen und im kaufmännischen Sektor gesucht, der ist in NRW stark ausgeprägt“, so Unternehmenssprecherin Petra Timm. Nachgefragt sei neben den begehrten IT-Ingenieuren vor allem der klassische deutsche Facharbeiter, besonders wenn er über Zusatzqualifikation wie etwa Fremdsprachenkenntnisse verfüge. Jobs für Elektroinstallateure, Mechatroniker und IT-Spezialisten, aber auch viele Berufe aus dem kaufmännischen Bereich finden sich gleich reihenweise unter den rund 8.400 offenen Stellen, die Randstad derzeit anbieten kann. 50 000 Zeitarbeiter hat der nach eigenen Angaben weltweit zweitgrößte Personalvermittler insgesamt in Deutschland unter Vertrag.

Bild vom ausgebeuteten Leiharbeiter hält nicht Stand

Lesen Sie auch:
Leiharbeit in NRW weiter auf dem Vormarsch - DGB warnt

Die Leiharbeitsbranche boomt. Allein in NRW gibt es rund 4000 Verleihbetreibe. DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber warnt: „Der Versuch der Großen...

Leiharbeit hat in Deutschland keinen besonders guten Ruf. Die Gewerkschaften kritisieren oft zu Recht, dass Leiharbeitskräfte im Schnitt weniger verdienen und eher von Arbeitslosigkeit bedroht sind als regulär Beschäftigte. Doch das Bild vom ausgebeuteten Leiharbeiter, der für die selbe Arbeit schlechter entlohnt wird als sein festangestellter Kollege, hält der Wirklichkeit immer weniger stand. Denn inzwischen wird der Arbeitsmarkt auch für Leihkräfte mehr und mehr durch den zunehmenden Fachkräftemangel geprägt. Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass viele Firmen lieber direkt einstellen und Fachkräfte so dem Zeitarbeitsmarkt entziehen. Bei Randstad beobachtet man einen anderen Trend. Unternehmen nutzten die Zeitarbeit verstärkt als eine Art Probezeit für künftige Festanstellungen, so Petra Timm.

Das Papier der Bundesregierung gibt wenig Aufschluss darüber, ob Leiharbeiter vermehrt in feste Jobs übernommen werden. Belastbare Zahlen über diese „Brückenfunktion“ der Zeitarbeit lägen nicht vor. Bei Branchenführer Randstad ist man da weiter. 25 bis 30 Prozent der Mitarbeiter, weiß Unternehmenssprecherin Timm, landen am Ende in festen Beschäftigungsverhältnissen.

Michael Kohlstadt

Kommentare
29.08.2014
13:18
Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück
von UliKoehler | #5

Schon sehr spannend die Kommentare hier. Dan kann man sich kaum zurück halten, wenn man für eine "Leihbude" arbeitet. An der Stelle mal 3 Fragen an...
Weiterlesen

4 Antworten
Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück
von Rosenelfi | #5-1

Das ist Lobbyistensprech in Reinkultur!

Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück
von OhneUepsilon | #5-2

Die meisten der über 800.000 Leute wären in vernünftigen Beschäftigungsverhältnissen und müssten weder ihre Fachkraft für Dumpinglöhne verkaufen, noch dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.

Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück
von Herby52 | #5-3

Und warum müssen bei den (meisten) Leiharbeitsfirmen Zeitkonto geführt werden, die erstmal zwangsweise gefüllt werden, in denen, solange, diese nicht voll sind, nicht die tägl. Arbeitszeit bezahlt wird.
Richtig, schließlich soll der Leiharbeiter, ja das Risiko der Nichtbeschäftigung tragen.

Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück
von UliKoehler | #5-4

Hm ich bin kein Lobbyist und kommentiere hier sogar unter meinen richtigen Namen liebe Elfi. Ich mache den Job lang genug, um zu sagen, dass die Branche den Ruf den sie hat nicht ohne Grund hat. Trotzdem weiß ich, dass viele von uns einen guten Job machen und viele Menschen einen Job geben, die sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, was nun wirklich nicht unsere Schuld ist.

Wenn Ihr mal ECHTE Informationen von unserer Seite haben wollt stehe ich gerne für ein Gespräch zur Verfügung. Die Realität ist weit entfernt von RTL Dokus und frommen Sprüchen zum 1. Mai. Ich sende da auch gern meine Kontaktdaten!

Eins noch...Arbeitszeitkonten sind im übrigen Bestandteil unseres Tarifvertrages und werden auch in seinem Sinn angewendet. Ist es also schlimm, wenn in Absprache mit einem Mitarbeiter, das Arbeitsverhältnis auch in schwierigen Zeiten erhalten bleibt und der Mitarbeiter sein Geld bekommt? An anderer Stelle (z.B. öffentlicher Dienst) nölt keiner über Gleitzeitkonten.

Funktionen
Fotos und Videos
article
9751849
Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück
Die Anzahl der Leiharbeiter in Deutschland geht zurück
$description$
http://www.derwesten.de/wirtschaft/immer-weniger-leiharbeiter-id9751849.html
2014-08-27 19:21
Wirtschaft