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Immer weniger Handwerksbetriebe werden von Meistern geführt

22.09.2012 | 17:30 Uhr
Im Handwerk zählt das Können – und der Meisterbrief. Doch immer mehr Betriebe in NRW werden von Chefs ohne Meisterbrief geführt.Foto: Heinz Holzbach

Düsseldorf.   Mehr als 13.000 Handwerksbetriebe werden in NRW mittlerweile von Nicht-Meistern geführt. Der Trend breitet sich aus – das Friseurhandwerk ist alarmiert und fürchtet eine schleichende Entwertung des Meisterbriefs. Die Handwerkskammer Düsseldorf warnt vor Konsequenzen für den Lehrbetrieb.

Immer mehr Handwerksbetriebe in NRW werden von Chefs ohne Meisterbrief geführt. Wie die Landesregierung mitteilt, ist der Anteil der von Meistern geleiteten Unternehmen in den vergangenen neun Jahren von 92 auf 83 Prozent gesunken. Von landesweit 77 875 Betrieben in den 41 zulassungspflichtigen Gewerken werden inzwischen 13 187 von Nicht-Meistern geführt.

Möglich machen dies Ausnahmeregelungen, die 2004 im Zuge der „Agenda 2010“ von der damaligen rot-grünen Bundesregierung geschaffen wurden. Seither können sich auch Gesellen mit mindestens sechsjähriger Berufserfahrung oder ausländische Fachkräfte nach einer Vergleichsprüfung selbstständig machen.

Anteil der Meisterbetriebe schrumpft

In vielen Traditionsberufen ist kein Qualifikationsnachweis erforderlich

In Traditionsberufen wie Schneider, Fliesenleger, Raumausstatter oder Fotograf ist überhaupt kein Qualifikationsnachweis mehr Voraussetzung für eine Gewerbeanmeldung. Hier kann heute jeder Ungelernte seine Dienste auf dem Markt anbieten und hoffen, dass der feine Unterschied zwischen „Fach“- und „Meisterbetrieb“ niemandem auffällt. Die nicht mehr zulassungsbeschränkten Gewerke blieben in der Statistik deshalb unberücksichtigt.

Die Kammern sehen die Entwicklung mit Sorge: „Die Qualitätskultur, die 150 Jahre das deutsche Handwerk auszeichnete, ist in Gefahr“, sagt Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf. Für den Kunden werde die Lage immer unübersichtlicher, weil bei Angeboten nicht auf Anhieb erkennbar sei, hinter welchem Betrieb sich ein umfassend geschulter Meister verberge.

Berufswahl
Friseure nicht länger unter Top Ten der Berufe

Unter den „Top Ten“ der Ausbildungsberufe im Ennepe-Ruhr-Kreis hat sich der Friseur in diesem Jahr verabschiedet.

Im Kampf ums billigste Angebot hätten langfristig denkende Unternehmer, die in die eigene Ausbildung investiert haben und eine seriöse Preiskalkulation vornehmen, häufig vielmehr das Nachsehen. Allein die Meisterprüfung kostet zwischen 3000 und 8000 Euro und streckt sich wahlweise in Abendkursen über bis zu drei Jahre oder als Blocklehrgang über sechs bis neun Monate.

Friseurhandwerk fürchtet schleichende Entwertung des Meisterbriefs

Das Friseurhandwerk ist bereits alarmiert. Der Branchendienst „Friseur intern“ fürchtet eine schleichende Entwertung des Meisterbriefs. In nur noch 82 Prozent der NRW-Salons hängt heute ein Meisterbrief, bundesweit (78 Prozent) ist die Entwicklung noch augenfälliger. Vor allem Billig-Coiffeure mit Ausbildungsnachweis aus dem Ausland machen der Branche zu schaffen. Die Handwerkskammer Düsseldorf warnt vor Konsequenzen für den Lehrbetrieb: „Nur wer qualifiziert ist, kann auch ausbilden“, sagt Hauptgeschäftsführer Fuhrmann.

Messerscharf geschliffen

„Das deutsche Handwerk steht auch international für Qualität. Wenn fast jeder fünfte Betrieb in NRW mittlerweile ohne Meisterbrief geführt wird, müssen wir aufpassen, dass unser Qualitätssiegel bleibt“, sagt CDU-Wirtschaftspolitiker Hendrik Wüst. Die Landesregierung dagegen sieht keinen Handlungsbedarf: „Der Meisterbrief ist bei Kunden und Auftraggebern nach wie vor ein maßgebliches Auswahlkriterium“, erklärt das Wirtschaftsministerium. Eine Einschränkung der Ausnahmen in der Handwerksordnung könnte zudem mit Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zur Berufsfreiheit kollidieren.

Tobias Blasius

Kommentare
24.09.2012
16:30
Immer weniger Handwerksbetriebe werden von Meistern geführt
von Broncezeit | #19

Wir brauchen Bildung, Bildung, Bildung.
Keine Handwerker mit Meisterprüfung sondern mit Abitur.

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Immer weniger Handwerksbetriebe werden von Meistern geführt
Immer weniger Handwerksbetriebe werden von Meistern geführt
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http://www.derwesten.de/wirtschaft/immer-weniger-handwerksbetriebe-werden-von-meistern-gefuehrt-id7118230.html
2012-09-22 17:30
Handwerker,Meister,Geselle,Ausbildung,Handwerk,Friseur,Frisör
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