Immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt

Eine der Kernaussagen des aktuellen Berichts ist, dass die Zahl unbesetzter Lehrstellen 2014 einen neuen Höchststand erreicht hat.
Eine der Kernaussagen des aktuellen Berichts ist, dass die Zahl unbesetzter Lehrstellen 2014 einen neuen Höchststand erreicht hat.
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Mehr unbesetzte Lehrstellen, weniger unversorgte Bewerber - am Mittwoch wird der Berufsbildungsbericht präsentiert. Doch weiter gehen viele leer aus.

Berlin.. Das Bundeskabinett verabschiedet am Mittwoch den Berufsbildungsbericht 2015. Nach Medienberichten ist eine der Kernaussagen des Berichts, dass die Zahl unbesetzter Lehrstellen 2014 einen neuen Höchststand erreicht hat. Demnach waren im Vorjahr 37.101 gemeldete Ausbildungsplätze unbesetzt, ein Plus von 3363 Stellen (10 Prozent) im Vergleich zu 2013.

Die Zahl unversorgter Bewerber sei auf 20.872 Fälle (minus 0,8 Prozent) gesunken. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge war mit 522.232 leicht rückläufig (minus 1,4), schreibt die "Rheinische Post" unter Berufung auf den Bericht der schwarz-roten Bundesregierung.

Viele Abiturienten gehen in ein Studium

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will die traditionsreiche Berufsbildung aus dem sich abzeichnenden Schattendasein herausführen. "Dringend notwendig ist eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung für die duale Ausbildung, die gerade international als eine Stärke Deutschlands gesehen wird", sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Es gebe "eine verstärkte Tendenz, nicht in diese duale Ausbildung zu gehen".

Unter dualer Ausbildung versteht man die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule oder an einer Berufsakademie. Inzwischen gibt es vor allem bei Abiturienten große Motivationsprobleme - von ihnen nimmt pro Jahrgang gut die Hälfte ein Studium auf.

"Unternehmen müssen sich mehr bemühen"

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bildungspolitiker Hubert Heil, sagte: "Mehr Wertschätzung für berufliche Bildung ist immer richtig, aber Wertschätzung allein reicht nicht. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Ausbildungssuchende mit schwachen Schulabschlüssen keine Chance auf dem Ausbildungsmarkt bekommen und somit viele Plätze unbesetzt bleiben. Um diese Menschen müssen sich die Unternehmen verstärkt bemühen, anstatt nur über fehlende Ausbildungsreife zu lamentieren."

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack kommentierte die bereits vorliegenden Zahlen des Berichts: "Mehr Jugendliche gehen bei der Suche nach einer Ausbildung leer aus, während gleichzeitig die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt. Die Quote der Ausbildungsbetriebe liegt mit 20,7 Prozent auf dem tiefsten Wert seit 1999. Insgesamt gingen 2014 fast 10.000 Ausbildungsbetriebe verloren." Die gut 37.000 offenen Lehrstellen stünden "längst nicht allen Jugendlichen offen".

280.000 Jugendliche suchen vergeblich

Das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, Hans-Jürgen Urban, forderte: "Die Metallarbeitgeber müssen mehr ausbilden. Die Ausbildungsbilanz der IG Metall für 2014 weist erneut im Kernbereich der Metall- und Elektroberufe weniger neue Ausbildungsverträge aus." Daher müsse "die Bestenauslese endlich aufhören", sagte Urban. "Auch Jugendlichen mit Hauptschulabschluss muss eine Ausbildung ermöglicht werden. Über 280.000 von der Bundesagentur für Arbeit als geeignet eingestufte Jugendliche haben vergeblich eine Ausbildung gesucht." (dpa)

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