Im Revier fehlen Lehrstellen

Essen..  Die mit jedem Jahr lauter werdende Klage über Nachwuchsmangel und die Ausbildungsbereitschaft der NRW-Unternehmen passen nach wie vor nicht zusammen. Das findet zumindest die Bundesagentur für Arbeit (BA). Der Lehrstellenmarkt sei „festgefahren“, lautet die Bilanz der Regionaldirektion NRW für das im September abgelaufene Ausbildungsjahr 2015/16. Zwar hätten die Betriebe insgesamt mehr Stellen angeboten. Doch trotz gesunkener Bewerberzahlen habe die Lücke erneut nicht geschlossen werden können.

Angespannt bleibt die Lage vor allem im Ruhrgebiet. Gegen den Landestrend boten die hiesigen Betriebe mit knapp 26 000 Lehrstellen für gut 38 000 Bewerber sogar deutlich weniger an als im Jahr zuvor. Dabei ist die Situation nicht in jeder Revierstadt so kritisch: In Mülheim gab es tatsächlich fast für jeden Bewerber auch eine Stelle. In Essen kamen auf 100 Bewerber immerhin überdurchschnittliche 87 Stellen, auch in Duisburg (79), Dortmund und Bochum (je 77) war das Ausbildungsangebot nicht so schlecht. Einen echten Lehrstellenmangel verzeichnet die Bundesagentur aber in Herne mit mageren 37 Stellen für 200 Bewerber sowie in Hagen (47), Recklinghausen (53), Oberhausen (54) und Bottrop (55).

Viele Bewerber finden im Laufe des Frühjahrs eine Alternative. Doch Ende September suchten im Ruhrgebiet noch knapp 1500 Jugendliche vergeblich nach einer Lehrstelle, landesweit etwa 6700.

Dass gleichzeitig die Zahl der unbesetzten Lehrstellen steigt, ist ein scheinbarer Widerspruch, der nun seit Jahren zu beobachten ist. Landesweit fand sich für knapp 7000 Stellen kein Azubi, im Ruhrgebiet für 1200. Angebot und Interessen der Jugendlichen gehen offenbar immer weiter auseinander. Christiane Schönefeld, BA-Chefin in NRW, kritisiert aber auch überzogene Ansprüche der Betriebe. Sie müssten künftig „zunehmend geeignete, nicht beste Bewerber einstellen“, wenn sie ihr Fachkräfteproblem lösen wollten. Ihr Appell: „Jeder Azubi ist schon in naher Zukunft als vollwertige Fachkraft ein Gewinn für Arbeitgeber und Wirtschaft in NRW.“

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