Im Kuhstall fängt die Zukunft an
03.11.2009 | 10:48 Uhr 2009-11-03T10:48:00+0100
Niederrhein. Die Initiative „Agrobusiness Niederrhein” will die Landwirtschaft in der Region mit einer Kampagne beliebter machen. Die Bauern zahlen die Hälfte der 200 000 Euro teuren Kampagne mit Aufklebern, Schildern und Werbeheften. Die andere Hälfte wird unter anderem durch EU-Mittel gefördert.
Spätestens seit „Bauer sucht Frau” weiß die Fernsehnation, dass Landwirte zum Verlieben sind. Image ist aber nicht alles. Deshalb soll eine neue Kampagne nicht nur den guten Ruf der Bauern stärken, sondern auch Kontakte zwischen den Land-Unternehmern stärken. „Natürlich Niederrhein” heißt der Slogan, den sich die Initiative „Agrobusiness Niederrhein” auf die Werbeplakate geschrieben hat.
Vor zwei Jahren begannen politische Vertreter des Kreises und Unternehmer mit Gesprächen. Viele Partner konnten dennoch nicht ins Boot geholt werden. Gerade einmal 63 der 1500 landwirtschaftlichen Betriebe sind Mitglied von Agrobusiness.
„Wir stehen am Anfang”, argumentiert Markus Bremers, Geschäftsführer der ausführenden Werbeagentur. Die Bauern zahlen die Hälfte der 200 000 Euro teuren Kampagne mit Aufklebern, Schildern und Werbeheften. Die andere Hälfte wird unter anderem durch EU-Mittel gefördert.
Letztendlich soll es ein Gewinn für die ganze Region werden und der Niederrhein so etwas wie eine Marke. Das könnte nicht nur den Tourismus fördern, sondern auch die Lebensmittelindustrie. Deshalb sollen nicht nur Landwirte, sondern auch Fabrikanten bei Agrobusiness eingebunden werden. Der Konserven-Hersteller „Bonduelle” gehört beispielsweise schon zu den Partnern.
Die Vernetzung macht „Agrobusiness Niederrhein” für den Bauern Hartmut Neuenhoff interessant. Der Landwirt führt seit fast 20 Jahren einen Familienbetrieb in Schermbeck mit etwa 130 Kühen und Kartoffelanbau.
Verschluckbare Sender
„Für mich ist es wichtig, die Arbeitsabläufe zu vereinfachen”, erklärt er. Durch die Agrobusiness-Initiative hat er von verschluckbaren Sendern erfahren, die bei einer Kuh beispielsweise dauerhaft die Körpertemperatur messen und sie dann zu einem Computer senden, wo die Daten weiterverarbeitet werden und einsehbar sind.
Nach dem Kalben ist beispielsweise die ständige Kontrolle des Muttertiers notwendig, aber auch arbeitsintensiv. „Mit dem Gerät könnten wir Zeit sparen und besser auf die Gesundheit der Tiere achten. Nur eine gut laufende Herde ist auch wirtschaftlich.” Das Fünf-Mark-Stück große Gerät hat der Weseler Informatiker Dirk L. Unsenos entwickelt. Zurzeit wird es im Landwirtschaftszentrum im Haus Riswick in Kleve getestet – natürlich am Niederrhein.

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