Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Handelsstreit

Im Handelsstreit um Schutzzölle nimmt China jetzt europäische Weine unter die Lupe

05.06.2013 | 14:22 Uhr
Im Handelsstreit um Schutzzölle nimmt China jetzt europäische Weine unter die Lupe
Nach den EU-Zöllen auf chinesische Solarmodule prüft das Pekinger Handelsministerium nun Dumping-Vorwürfe gegen europäische Winzer.Foto: dpa

Brüssel.  Die EU-Kommission hat am Dienstag Strafzölle auf Solarmodule aus China beschlossen. Jetzt erwägt Peking ein Anti-Dumping-Verfahren gegen europäische Weine. Die Bundesregierung pocht unterdessen auf eine friedliche Lösung im Handelsstreit mit China.

Die EU-Kommission hat angekündigt, das von Peking eröffnete Prüfverfahren zu möglichen Schutzzöllen gegen europäische Weine "genau zu beobachten". "Wir glauben, dass es dort kein Dumping von europäischem Wein auf dem chinesischen Markt gibt", sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch in Brüssel. Die Kommission halte die Ankündigung aus Peking für wichtig, fügte er hinzu.

Grundsätzlich sei China wie jedes Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) zu Untersuchungen von Dumping- und Subventionsvorwürfen berechtigt, sagte ein anderer Sprecher. Dabei müsse sich Peking jedoch an die Regeln der WTO für solche Verfahren halten.

Solartechnik
EU-Kommission beschließt Solar-Strafzölle gegen China

Im Handelskonflikt mit China um Billig-Solarpaneele hat die EU-Kommission vorläufige Strafzölle beschlossen. Der EU-Handelskommissar kündigte am...

Zuvor hatte das Handelsministerium in Peking mitgeteilt, es prüfe Dumping- und Subventionsvorwürfe im Hinblick auf die Einfuhr von Weinen aus Europa. Das könnte Schutzzölle nach sich ziehen. Die Mitteilung kam kurz nach der Verhängung von Schutzzöllen auf chinesische Solarmodule durch die EU-Kommission. Zugleich verurteilte Peking die EU-Schutzzölle.

Chinesische Schutzzölle auf Weine treffen vor allem Frankreich

Besonders treffen würden denkbare chinesische Schutzzölle auf Weine Frankreich. Vergangenes Jahr wurde laut Kommission für 763 Millionen Euro Wein aus der EU nach China verkauft. Frankreichs Anteil betrug 546 Millionen Euro, was fast 72 Prozent entspricht. Frankreich hatte sich als eines der wenigen Länder für die EU-Antidumpingzölle auf chinesische Solarmodule ausgesprochen, während die Bundesregierung und dem Vernehmen nach die meisten EU-Länder dagegen waren; allerdings konnte die EU-Kommission allein über diese Maßnahme entscheiden.

Auf die Frage, ob China jetzt Vergeltung übe, sagte ein Kommissionssprecher: "Das ist eine Frage, die Sie an die Chinesen zu stellen hätten."

Bundesregierung fordert Dialog in Solarstreit mit China

Die Bundesregierung hat die EU-Kommission aufgefordert, den Solar-Handelsstreit mit China einvernehmlich zu lösen. Es sei nicht im Sinne Deutschlands, Europas und auch Chinas, "eine handelspolitische Auseinandersetzung anzustreben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Insofern setze sich Deutschland dafür ein, dass die EU-Kommission in einem engen Dialog mit China nun nach einer Lösung suche. "Wir wollen nicht, dass es zu dauerhaften Zöllen kommt."

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler äußerte die Sorge, dass der Solarstreit zu einem Handelskrieg ausufern könnte.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag beschlossen, Strafzölle auf chinesische Solar-Module zu verhängen. Experten zufolge unterbieten Chinas Hersteller ihre europäischen Rivalen auf deren Heimatmarkt um zweistellige Prozentsätze und verkaufen ihre Produkte in Europa damit unter Herstellkosten.

Ab Donnerstag sollen Solarpanele aus China mit einem Aufschlag von 11,8 Prozent belegt werden. Im August würde der Satz auf 47,6 Prozent steigen, wenn bis dahin keine Einigung gelingt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bereits beim Deutschland-Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang Ende Mai gegen Strafzölle ausgesprochen. (afp/rtr)

Kommentare
Funktionen
Aus dem Ressort
Streit ums Brot vom Discounter Aldi: Gebacken oder gebräunt?
Rechtsstreit
Der Gerichtsstreit zwischen Bäckern und dem Discounter Aldi Süd über dessen Backautomaten schwelt: Auch ein Experte brachte die Richter nicht weiter.
Bundeskartellamt wirft Post Ausnutzung von Marktmacht vor
Post
Die Deutsche Post soll ihre Marktmacht bei Briefzustellungen ausgenutzt haben. Das ergab ein Missbrauchsverfahren des Bundeskartellamts.
Pilotenstreiks bei Lufthansa nicht in den nächsten Tagen
Streik
Bis zu den angedrohten Pilotenstreiks bei der Lufthansa werden noch einige Tage vergehen. Das teilte die Pilotengewerkschaft Cockpit am Dienstag mit.
Nach dem Poststreik - keine Furcht wegen offener Rechnungen
Poststreik
Der große Tarifkonflikt ist vorüber - nun muss die Post einen Berg von Millionen liegengebliebender Briefe abarbeiten. Was Verbaucher wissen müssen.
Warum der Streit ums Backen bei Aldi nicht leicht lösbar ist
Rechtsstreit
Aldi warb damit, dass in den Filialen frisch gebacken werde. Gegen diese Aussage haben die deutschen Bäcker geklagt - nun hat der Gutachter das Wort.
article
8031758
Im Handelsstreit um Schutzzölle nimmt China jetzt europäische Weine unter die Lupe
Im Handelsstreit um Schutzzölle nimmt China jetzt europäische Weine unter die Lupe
$description$
http://www.derwesten.de/wirtschaft/im-handelsstreit-um-schutzzoelle-nimmt-china-jetzt-europaeische-weine-unter-die-lupe-id8031758.html
2013-06-05 14:22
Dumping,Solarmodule,EU-Kommission,Brüssel,Peking,China,Wein
Wirtschaft