Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Handelsstreit

Im Handelsstreit um Schutzzölle nimmt China jetzt europäische Weine unter die Lupe

05.06.2013 | 14:22 Uhr
Im Handelsstreit um Schutzzölle nimmt China jetzt europäische Weine unter die Lupe
Nach den EU-Zöllen auf chinesische Solarmodule prüft das Pekinger Handelsministerium nun Dumping-Vorwürfe gegen europäische Winzer.Foto: dpa

Brüssel.  Die EU-Kommission hat am Dienstag Strafzölle auf Solarmodule aus China beschlossen. Jetzt erwägt Peking ein Anti-Dumping-Verfahren gegen europäische Weine. Die Bundesregierung pocht unterdessen auf eine friedliche Lösung im Handelsstreit mit China.

Die EU-Kommission hat angekündigt, das von Peking eröffnete Prüfverfahren zu möglichen Schutzzöllen gegen europäische Weine "genau zu beobachten". "Wir glauben, dass es dort kein Dumping von europäischem Wein auf dem chinesischen Markt gibt", sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch in Brüssel. Die Kommission halte die Ankündigung aus Peking für wichtig, fügte er hinzu.

Grundsätzlich sei China wie jedes Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) zu Untersuchungen von Dumping- und Subventionsvorwürfen berechtigt, sagte ein anderer Sprecher. Dabei müsse sich Peking jedoch an die Regeln der WTO für solche Verfahren halten.

Solartechnik
EU-Kommission beschließt Solar-Strafzölle gegen China

Im Handelskonflikt mit China um Billig-Solarpaneele hat die EU-Kommission vorläufige Strafzölle beschlossen. Der EU-Handelskommissar kündigte am Dienstag an, dass ab Donnerstag auf diese Produkte Zölle von zunächst 11,8 Prozent erhoben würden - diese könnten ab August auf 47,8 Prozent steigen.

Zuvor hatte das Handelsministerium in Peking mitgeteilt, es prüfe Dumping- und Subventionsvorwürfe im Hinblick auf die Einfuhr von Weinen aus Europa. Das könnte Schutzzölle nach sich ziehen. Die Mitteilung kam kurz nach der Verhängung von Schutzzöllen auf chinesische Solarmodule durch die EU-Kommission. Zugleich verurteilte Peking die EU-Schutzzölle.

Chinesische Schutzzölle auf Weine treffen vor allem Frankreich

Besonders treffen würden denkbare chinesische Schutzzölle auf Weine Frankreich. Vergangenes Jahr wurde laut Kommission für 763 Millionen Euro Wein aus der EU nach China verkauft. Frankreichs Anteil betrug 546 Millionen Euro, was fast 72 Prozent entspricht. Frankreich hatte sich als eines der wenigen Länder für die EU-Antidumpingzölle auf chinesische Solarmodule ausgesprochen, während die Bundesregierung und dem Vernehmen nach die meisten EU-Länder dagegen waren; allerdings konnte die EU-Kommission allein über diese Maßnahme entscheiden.

Auf die Frage, ob China jetzt Vergeltung übe, sagte ein Kommissionssprecher: "Das ist eine Frage, die Sie an die Chinesen zu stellen hätten."

Bundesregierung fordert Dialog in Solarstreit mit China

Die Bundesregierung hat die EU-Kommission aufgefordert, den Solar-Handelsstreit mit China einvernehmlich zu lösen. Es sei nicht im Sinne Deutschlands, Europas und auch Chinas, "eine handelspolitische Auseinandersetzung anzustreben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Insofern setze sich Deutschland dafür ein, dass die EU-Kommission in einem engen Dialog mit China nun nach einer Lösung suche. "Wir wollen nicht, dass es zu dauerhaften Zöllen kommt."

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler äußerte die Sorge, dass der Solarstreit zu einem Handelskrieg ausufern könnte.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag beschlossen, Strafzölle auf chinesische Solar-Module zu verhängen. Experten zufolge unterbieten Chinas Hersteller ihre europäischen Rivalen auf deren Heimatmarkt um zweistellige Prozentsätze und verkaufen ihre Produkte in Europa damit unter Herstellkosten.

Ab Donnerstag sollen Solarpanele aus China mit einem Aufschlag von 11,8 Prozent belegt werden. Im August würde der Satz auf 47,6 Prozent steigen, wenn bis dahin keine Einigung gelingt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bereits beim Deutschland-Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang Ende Mai gegen Strafzölle ausgesprochen. (afp/rtr)



Kommentare
Aus dem Ressort
Verdi will zehn Prozent mehr Lohn für soziale Berufe
Streiks
Verdi fordert mehr Geld für Erzieher und Sozialarbeiter. Die Rede ist von einem Gehaltsplus von zehn Prozent. Droht jetzt ein neuer Arbeitskampf – fünf Jahre nach dem Groß-Streik, der Eltern vor massive Probleme stellte?
Energiekonzern Eon umwirbt türkische Kunden in Deutschland
Eon
Einen neuen Kundenstamm erhofft sich der Düsseldorfer Energiekonzern Eon offenbar in der türkischstämmigen Bevölkerung. Mit "Enerji Almanya" bietet das Unternehmen eine neue Marke, die ihren Service auch auf türkisch anbietet. 150 000 Haushalte sollen in den nächsten Jahren an Eon gebunden werden.
Firma Eickhoff zitiert 40 Freigestellte zu Gesprächen
Wirtschaft
Die Fronten zwischen der Geschäftsleitung des Maschinenherstellers Eickhoff und der 40 freigestellten Mitarbeiter scheinen weiter verhärtet zu sein. Für nächstes Woche hat er der Arbeitgeber die Beschäftigten erneut zu Einzelgesprochen zitiert.
1000 kleine Ideen für die Wende zu erneuerbarer Energie
Projekte
Energie war schon immer das Thema im Ruhrgebiet. Jetzt soll die Region auch die entscheidenden Impulse für die Wende zu erneuerbarer Energie liefern. Eine Fahrt zu den vielen kleinen Projekten zeigt, dass man mit Eis heizen kann, aber auch mit verdorbenen Lebensmitteln.
Grünen-Fraktionschef: "Flughafen BER wird nie fertig"
Luftverkehr
Mit Blick auf mögliche weitere Verzögerungen auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens BER erwartet der Grünen-Politiker Anton Hofreiter, dass der Airport ein dauerhafter Sanierungsfall bleiben wird. "Ich fürchte, dass der BER nie wirklich fertig werden wird", sagte der Fraktionschef im Bundestag...
Umfrage
Hygiene, Arbeitsrecht, Streit zwischen Konzern und Franchise-Nehmer: Viele Burger King-Filialen mussten schließen. Was denken Sie darüber?

Hygiene, Arbeitsrecht, Streit zwischen Konzern und Franchise-Nehmer: Viele Burger King-Filialen mussten schließen. Was denken Sie darüber?

 
Fotos und Videos