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Tarifrunde

IG Metall will im Stahl Exempel statuieren

27.08.2010 | 18:22 Uhr
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
Protestierende Stahlarbeiter. Foto: Friedhelm Geinowski

Die IG Metall setzt ein deutliches Zeichen und ein Signal für kommende Tarifrunden: Sie fordert ein Lohnplus von sechs Prozent für die Stahlarbeiter. Die Arbeitgeber sind empört.

Sechs Prozent mehr Geld fordert die IG Metall NRW für die 85 000 Beschäftigten der Stahlindustrie in NRW, Niedersachsen und Bremen. Darauf hat sich am Freitag die Stahl-Tarifkommission in Sprockhövel geeinigt. Die Arbeitgeber wiesen die Forderung umgehend als „nicht akzeptabel“ zurück.

Doch diesmal geht es um mehr als die übliche Lohnfrage. Die IG Metall will im Stahl ein Exempel für Leiharbeiter statuieren. Zum ersten Mal soll tariflich vereinbart werden, dass die derzeit rund 3000 Leiharbeiter die gleichen Löhne erhalten wie Stammarbeitskräfte. Oliver Burkhard, NRW-Chef der IG Metall, fordert: „Wer als Leiharbeitnehmer in den Betrieb geholt wird, muss für gleiche Arbeit auch gleiches Geld bekommen.“

Wie aus Arbeitgeber-Kreisen zu hören ist, wird dies der Knackpunkt der Verhandlungen sein, die am 6. September in Gelsenkirchen beginnen. Die Arbeitgeber halten eine Regelung für Leiharbeiter für überflüssig und verweisen darauf, dass im Stahl mit rund 3,5 Prozent deutlich weniger Leiharbeiter eingesetzt werden als in anderen Branchen. Helmut Koch, Verhandlungsführer der Arbeitgeber, be­zeichnet den Vorstoß deshalb als „unangemessen“. Gegenüber DerWesten sagte er: „Man will uns eine Medizin verordnen, die für andere bestimmt ist.“

Testlauf für die Tarifrunde 2012

Tatsächlich hat sich die IG Metall gezielt die vergleichsweise kleine Stahlbranche ausgesucht, um ein Signal auch für andere Industrien zu setzen. Im Stahl ist sie besonders gut organisiert und entsprechend schlagkräftig. Das wurmt die Arbeitgeber: „Die IG Metall macht das nicht, weil Zeitarbeit bei uns ein Problem wäre, sondern nur, weil sie sich in der Lage sieht, es durchzusetzen. Das ist sachwidrig“, sagt Koch.

Man darf den Vorstoß als Testlauf für die erst 2012 anstehende Tarifrunde in der ungleich größeren Metall- und Elektroindustrie werten. Dort klagt die Gewerkschaft seit Jahren über Leiharbeitsquoten von bis zu 30 Prozent und einen systematischen Abbau von Stammkräften.

Noch zu Jahresbeginn hatte sich Burkhard mit den Metall-Arbeitgebern auf einen Tarifvertrag geeinigt, der eher ein Beschäftigungspakt war als eine Lohnrunde. Das galt auch für den Krisenabschluss beim Stahl 2009. „Nun muss sich zeigen, ob auch ein gutes Aufschwung-Management mit den Stahl-Arbeitgebern geht“, sagt Burkhard. Er hält die Krise für beendet. Die Arbeitgeber nicht. Sie machen geltend, dass sie in der Krise mit massiver Kurzarbeit fast alle Beschäftigten gehalten hätten. Koch: „Das schlägt sich in tiefroten Zahlen nieder. Es ist ein noch langer Weg, da herauszukommen.“

Stefan Schulte

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Kommentare
28.08.2010
19:20
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von Demokrat | #28

DGB, Regierung UND Arbeitgeber gemeinsam fürchten weitere Gruppierungen ala Cockpit und Marburger Bund wie der Teufel das Weihwasser..weil dann nämlich mit Leiharbeit zum Discounttarif,Ablehnung/Umsetzung Mindestlohn und anderen Schweinereien rel.schnell Ende wäre

28.08.2010
18:01
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von FelixAustria | #27

Meine Güte - welche Polemik.

Wolfgang Clement - immerhin ehemaliger Wirtschaftsminister NRW, Ministerpräsident NRW und Superminister Bund würde sich doch nicht dafür hergeben, im Aufsichtsrat von Adecco zu sitzen, wenn die Branche kriminell wäre, wie hier behauptet.

Das Geld braucht der bestimmt nicht. Also - ich bin fest davon überzeugt, dass hier wieder mal die Gewerkschaftsbonzen eine Kampagne starten, um ihr angeschlagenes Image zu retten.

Jeder Milchbauernprotest bringt doch heute mehr Politische Ergebnisse als alle Gewerkschafter mit ihren SPD-Parteibüchern und dementsprechenden Land- und Bundestagssitzen.

Seht Euch doch mal den DGB-Geschäftsführer hier aus dem Gebiet an. Rainer Bischoff!

Dazu noch ein Landtagsmandat. Der muss ja der reinste Zauberer sein.

Und was Hartz angeht - der hat nur bestochen, wer bestochen werden wollte.

Die wahren Übeltäter waren die Betriebsräte und Vertrauensleute der VW-IG Metall. Die sind doch nach Rio und haben den Hals nicht voll gekriegt.

Also weg mit Gewerkschaften, die mehr als 30.000 Mitglieder haben.

28.08.2010
14:52
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von Walsimoet | #26

@25 Adi:
Du hast leider Recht: Viele Zeitarbeiter werden falsch (d.h. zu niedrig) eingruppiert. Z.B. Facharbeiter/Handwerksgesellen als Helfer. Das ist zum Glück mittlerweile durch ein Urteil des LG Magdeburg nicht länger als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat zu werten.
Und richtig ist auch, dass manche Zeitarbeiter über Jahre im selben Entleihbetrieb tätig sind. Das nenne auch ich Verdrängung von Stammarbeitsplätzen. Allerdings ist die Zahl derer im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Arbeitnehmer im Promille-Bereich anzusiedeln. Die Wieder-Einführung des so genannten Syncronisationsverbotes könnte dem ein Ende bereiten.
Dennoch dürfen diese Negativ-Beispiele nicht davon ablenken, dass es durchaus seriöse und faire Zeitarbeit gibt, die Nutzen auch für Arbeitnehmer bringen kann.

@23 Felix Austria:
Wer 40 Stunden die Woche hart arbeitet hat mehr verdient als einen Lohn unterhalb der Armutsgrenze. Diese liegt nach Definition der BA bei einem auf den Stundenlohn runtergebrochenen Betrag von knapp unter € 8,-. Wenn man dann noch beherzigt, dass sich Arbeit lohnen soll, dann wäre m.E. nach ein Mindestlohn von ca. € 8,50 für Hilfskräfte angemessen.

Tips für Bewerber und auch für Entleihbetriebe, die faire Zeitarbeit einkaufen wollen, bietet die Site: http://www.iq-z.com/zertifizierte-unternehmen-1/verzeichnis-a-z/
(Initiative Qualitätssiegel Zeitarbeit)

28.08.2010
14:22
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von Adi | #25

Ich vermute viele der Schreiber hier haben keine Ahnung von Leiharbeit. Die Arbeitseinsätze werden immer langfristiger geplant, ich selbst war als Leiharbeiter in einem Großunternehmen der Stahlbranche beschäftigt, hatte das Glück einer späteren Übernahme (nach knapp 3 1/2 Jahren als Leiarbeiter). Einige Leiharbeiter waren bis zu 5 (!) Jahre in diesem Unternehmen beschäftigt. Ich weiß nicht wer da noch von Leiharbeit sprechen kann bis man den Blick auf die Lohnabrechnung richtete; Für schwerste Körperliche Arbeit ein Stundenlohn von 7,00 €. Fahrgeldpauschale monatlich 18 €, bei einer einfachen Strecke von 15 Km Täglich. Und das nicht bei einem Kleinunternehmer der Zeitbranche wo es mit den gesetzlichen Bestimmungen eh nicht so ernst genommen wird, sondern bei Persona Service, immerhin der Nr. 3 auf dem deutschen Zeitarbeitsmarkt.

@ 21: Ich hoffe DU kommst mal in den Genuss Dir mal ein paar Jahre bei einer Zeitfirma den ***** aufreißen zu müssen, für immerhin schon 7,51 €/Std.. Jetzt wird wahrscheinlich das Argument kommen von wegen schlecht ausgebildet etc. - Lass ich nicht gelten. Ich selber bin gelernt, hatte 15 Jahre Berufserfahrung. Der Großteil der Leihrbeiter verfügt inzwischen über eine Berufsausbildung, wird jedoch als Helfer eingesetzt. Diese Leute haben nach ca. 1 Jahr nie wieder eine Chance in ihrem erlernten Beruf Fuß zu fassen. FACHKRÄFTEMANGEL
Um es kurz zu sagen: Zeitarbeit ist langfristig gesehen der Grund für den Niedergang der deutschen Wirtschaft.
Eine Frage hab ich noch an die konserativen Dummschwätzer: Wie funktioniert Marktwirtschaft ohne Nachfrage?

28.08.2010
14:07
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von antifaschist | #24

@20: Mit ihrem Kommentar beweisen Sie vorallem eines, dass sie überhaupt keinen Ahnung von Gewerkschaftspolitik haben, oder dass sie nicht auf Seiten der Arbeitnehmer stehen. Eine Basisgewerkschaft hat überhaupt nichts mit Sozialismus zu tun, und schon gar nichts mit Marxismus-Leninismus. Eine Basisgewerkschaft hat auch keine Führung, sondern wird von den Arbeitern selbst organisiert. Fachgewerkschaften dienen nur dazu die Gewerkschaftsbewegung zu spalten und Unterschiede zwischen den Lohnabhängigen zu erzeugen, wo keine sind.

Also, wenn man keine Ahnung hat einfach mal die Fresse halten.

28.08.2010
14:04
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von FelixAustria | #23

# 21 Walsimoet

Hilfskräfte???

Hilfskräfte sind Hilfskräfte und werden als solche entlohnt. Und es liegt nun mal in der Natur der Sache, dass Hilfe eben nur so nebenbei und gelegentlich nachgefragt wird.

Wer in seinem beruflichen Werdegang nichts anderes als Hilfskraft vorzuweisen hat, verdient nicht die Solidarität des Staates und schon gar nicht die Solidarität der Beschäftigten, die den zu verteilenden Kuchen erst mal erwirtschaften müssen.

Die üblichen Gewerkschaftsfunktionäre machen hier wieder einen auf Sozialromantik, um nach den massiven Fehlern der letzten Monate mal wieder positiv ins Gespräch zu kommen.

Das ist doch alles Augenwischerei.

28.08.2010
13:54
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von Popius | #22

#21
Ja, das war früher - als alles besser war - so. Aber Tatsache ist, dass immer mehr Leiharbeiter für Jahre am gleichen Arbeitsplatz sitzen (danke liebe Politik, die das erst möglich gemacht hat). Abgesehen davon bin ich sicher, dass die meisten Leiharbeiter lieber höhere aber dafür schwankende Löhne in Kauf nehmen als stabile und niedrige.

28.08.2010
13:01
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von Walsimoet | #21

Gleiche Arbeit - Gleiches Geld (Equal Pay)!
Hört sich auf den ersten Blick logisch und gerecht an. Ist es aber nicht!
Zeitarbeiter unterliegen der Einsatzwechselttätigkeit, d.h. sie arbeiten z.B. 2 Wochen bei Firma A, dann 6 Monate bei Firma B, dann 3 Monate bei Firma C usw. Ist der Einsatz bei Firma A z.B. in der Chemiebranche, erhalten sie dort einen Std.-lohn von z.B. € 15,-. Ist der Einsatz bei Firma B dann z.B. in der Speditions- oder Abfallwirtschaftsbranche, erhalten sie dort nur noch z.B. € 9,-. Sie verrichten aber hier wie da die gleiche Arbeit. Wo ist hier die Gerechtigkeit?
Fakt ist, dass Zeitarbeiter zu wenig Geld verdienen. Da muss mehr kommen! Dazu braucht es einen Mindestlohn für die unteren Entgeltgruppen (Hilfskräfte) und einen Branchenlohn, der irgendwo in der Mitte der verschiedenen Tarife liegt, wovon jeder vernünftig leben kann. Denn auch Zeitarbeiter haben - wie alle anderen Berufsgruppen auch - einen Anspruch darauf zu wissen, mit wieviel Geld sie im nächsten Monat planen können.

28.08.2010
12:21
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von FelixAustria | #20

# 18 antifaschist

...darum wird es Zeit für starke Basisgewerkschaften.

Sicher - am besten eine Sozialistische Einheitsgewerkschaft unter Führung des Roten Oberfähnrichs Stefan Engel.

Ich plädiere für die sofortige Umsetzung des Bundesarbeitsgerichtsurteils aus Erfurt.

Jeder Berufsgruppe seine eigene Gewerkschaft und sein eigener Tarifvertrag.

Cockpit und Marburger Bund müssen zum Vorbild werden.

Für eine wiedererstarkte AuB!!!

28.08.2010
12:13
IG Metall will im Stahl Exempel statuieren
von thomas pollmann | #19

alle die jetzt wieder anfangen zu maulen.
tja wo wart ihr denn bzw wo seit ihr denn?????

reißt ewig das maul auf aber nichts dafür tun.
warum kämpft ihr nicht mal selber für höhrere löhne in der branche!!!
habe von euch meckerköppen noch keinen gehört oder gesehen.

also jetzt habt ihr die chance eure vorstellung zu erkämpfen.

los bewegt eure hintern.

fangt an.
und wenn es es nicht passr was die gewerkschaften an mehrlohn rausholteinfach drauf verzichten bzw den mehrlohn spenden.

aber das kommt für euch ja nicht in frage.
maulen maulen maulenaber kassieren.

also wie gesagt.

jetzt könnt ihr zeigen ob es besser geht.

ich warte auf euch.

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