IG Metall will gegen Stellenabbau bei Siemens protestieren

Kein schöner Tag für den Siemens-Konzern.
Kein schöner Tag für den Siemens-Konzern.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Siemens baut weltweit 4.500 Stellen ab, 1.600 davon in deutschen Werken der Energiesparte. In Mülheim sind bis zu 900 Jobs bedroht.

Mülheim/London.. Siemens verschärft sein Sparprogramm und baut mehr Arbeitsplätze ab als bislang geplant. Von den 4500 Stellenstreichungen entfallen 2.200 auf Deutschland, kündigte Vorstandschef Joe Kaeser am Donnerstag in London an.Bislang war von 1.200 die Rede.

Über die Auswirkungen auf das Dampfturbinen- und Generatorenwerk in Mülheim sollen die Beschäftigten am Freitag informiert werden. Nach Informationen unserer Redaktion sollen dort bis zu 900 Jobs wegfallen. Auch am Service-Standort Essen ist eine Betriebsversammlung geplant.

Stellenstreichung Die Kraftwerkssparte Power and Gas (PG) macht Siemens derzeit angesichts der Umwälzungen auf dem Energiemarkt besonders zu schaffen. 1.600 Stellen sollen nach Informationen unserer Redaktion deshalb in den deutschen Werken wegfallen, die Komponenten für Kraftwerke entwickeln und herstellen.

Über die Neuaufstellung der Division Power and Gas informierte der Konzern am Donnerstag den Wirtschaftsausschuss. An der Sitzung nahmen auch die Betriebsratsvorsitzenden der betroffenen Werke teil. Mit der Unternehmensberatung McKinsey hat Siemens unter dem Titel "PG2020" ein Transformationsprogramm aufgestellt. Darin geht es auch um die Produktions-Verlagerung von Kraftwerkskomponenten, unter der auch das Mülheimer Werk leiden könnte.

Mehr Mittel für Forschung und Entwicklung

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte am Vormittag bei der Vorlage der Halbjahres-Bilanz angekündigt, die Fertigung näher an die Kunden rücken soll – und die sitzen derzeit vor allem in USA und Asien. Zudem will er den Vertrieb im Kraftwerksgeschäft bündeln und die Kostenstruktur verbessern. Zusätzliche 100 Millionen Euro sollen in Forschung und Entwicklung fließen.

Wirtschaft Nach Einschätzung aus Konzernkreisen hat Siemens in einigen Bereichen des Kraftwerksgeschäfts die Technologie-Führerschaft verloren. Insbesondere der Wettbewerber General Electric trumpft auf dem Weltmarkt mit preisaggressiven Angeboten auf.

Zudem hat Siemens zu lange auf große Turbinen und Generatoren gesetzt. Im Zuge der Dezentralisierung der Energieversorgung werden aber verstärkt kleine und mittlere Maschinen nachgefragt.

Den geplanten Stellenabbau bei Siemens will die Gewerkschaft IG Metall allerdings nicht hinnehmen. „Wir werden das nicht widerstandslos über uns ergehen lassen“, sagte Reinhard Hahn, Mitarbeiter des IG-Metall-Vorstands und Mitglied im Siemens-Aufsichtsrat, dieser Zeitung. Er kündigt ein Aktionskonzept der betroffenen Siemens-Standorte an.

Hahn pocht zudem darauf, dass es bei Siemens nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommt. „Der Beschäftigungs- und Standortsicherungsvertrag ist für uns unverrückbar. Wer daran rührt, zerstört den Grundkonsens bei Siemens“, sagte er.

Renditeziel verfehlt

Die Energiesparte trübte im abgelaufenen zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (30. September) die Siemens-Zwischenbilanz. Weil das Ergebnis bei Power and Gas um ein Drittel absackte, rutschte auch die für den Konzern wichtige Rendite des Kerngeschäfts unter den angepeilten Zielkorridor.

Energiewende Vom Umsatz, der mit 18,4 Milliarden Euro stagnierte, blieben nur noch neun Prozent als operativer Gewinn übrig. Als Ziel hat sich Siemens gesetzt, zehn bis elf Prozent einzufahren. Vorstandschef Kaeser sieht das Gesamtunternehmen aber auf Kurs, die für 2015 gesteckten Ziele zu erreichen.

Unter dem Strich verdreifachte sich der Überschuss des Konzerns zwar auf 3,9 Milliarden Euro. Der Sprung ist aber auch darauf zurückzuführen, dass Siemens für mehr als drei Milliarden Euro seine Anteile an der Hausgerätesparte BSH an den Partner Bosch abgab und sein Hörgerätegeschäft verkaufte.