IG-Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn für Beschäftigte

Ein Mechaniker bei MAN-Turbo überprüft die Schaufeln einer Turbine.
Ein Mechaniker bei MAN-Turbo überprüft die Schaufeln einer Turbine.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Gewerkschaft hält die Ertragslage der Unternehmen für durchschnittlich bis „exorbitant gut“. Die Arbeitgeber sehen das anders.

Frankfurt/Main.. Fünf Prozent mehr Lohn fordert die IG Metall, die größte Einzelgewerkschaft Deutschlands, für die 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie – und das für eine Laufzeit von zwölf Monaten. Unsere Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie begründet die IG Metall ihre Forderung?

Die Gewerkschaft hält die wirtschaftliche Entwicklung für stabil, die Ertragslage der Unternehmen sei durchschnittlich bis „exorbitant gut“, sagt Gewerkschaftschef Jörg Hofmann. Im Jahr 2015 sei der Umsatz in der Branche um sechs Prozent gewachsen, die Umsatzrendite liege noch deutlich über dem langjährigen Mittel. Selbst das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft rechne für das laufende Jahr mit einer „stabilen, positiven Entwicklung“.

An welchen Kriterien orientiert sich die IG Metall?

Die Gewerkschaft orientiert sich dabei an drei Kriterien: Erstens an der Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank (EZB), die bei knapp zwei Prozent liegt. Zweitens an der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsentwicklung, die in den Jahren 2000 bis 2015 um jährlich 1,1 Prozent gestiegen ist, in den Metallbranchen sogar um 2,6 Prozent. Und drittens an einer sogenannten Umverteilungskomponente. Das ist die formale Begründung.

Ist ein Ausgleich für die Inflation aktuell nötig?

Die Lohnerhöhung soll unter anderem die Inflation ausgleichen. Anzunehmen, dass die Preise um zwei Prozent steigen, ist angesichts einer Inflationsrate von zuletzt um die 0,5 Prozent allerdings schwer vermittelbar. Die IG Metall aber argumentiert, sie habe sich auch in Zeiten hoher Inflation an die Zwei-Prozent-Rate der Europäischen Zentralbank gehalten.

Wie stehen die Arbeitgeber zu den Forderungen?

Die Gewerkschaft IG Metall solle auf den Boden der Tatsachen zurückkehren, sagt Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. Die Branche stehe bei Weitem nicht so positiv da, wie die IG Metall das darstelle. Seit 2008 seien die Löhne und Gehälter um 20 Prozent gestiegen, die Produktivität in der Branche jedoch nur um zwei Prozent, argumentiert Gesamtmetall-Präsident Dulger. Das gefährde die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland. Es sei keine Zeit für Höhenflüge. Gesamtmetall droht deshalb damit, noch mehr Produktion ins Ausland zu verlagern. „Der Standort Deutschland bröckelt“, sagte Dulger am Montag.

Geht es nur um mehr Geld?

In dieser Tarifrunde geht es nur um höhere Entgelte. Aber die Gewerkschaft hat auch ein strategisches Ziel: Sie will die Tarifbindung stärken. Denn inzwischen sind nur noch gut 50 Prozent der Beschäftigten in der Branche durch einen Branchentarifvertrag erfasst. In einem Betrieb ohne Tarifbindung verdienen die Mitarbeiter nach Angaben der Gewerkschaft knapp ein Viertel weniger Entgelt. Deshalb will sie die in die Auseinandersetzung miteinbeziehen – bis hin zu möglichen Warnstreiks.

Wie ist 2015 die letzte Tarifrunde verlaufen?

Die war keine reine Lohnrunde: Am Ende standen zwar 3,4 Prozent mehr Geld, aber auch verbesserte Regeln bei der Altersteilzeit und immerhin der Einstieg in die Bildungsteilzeit. Die war der Knackpunkt der Verhandlungen. Und um sie zu erreichen, waren die Gewerkschaftsmitglieder mehrfach in Warnstreiks getreten.

Muss man sich auf Streiks einstellen?

Auf Warnstreiks wahrscheinlich schon. Die braucht die IG Metall, um ihre Forderung gegenüber den Arbeitgebern, aber auch der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Und die Arbeitgeber können so auch ihre Mitglieder schneller zu Kompromissen anhalten. Sonst heißt es immer, in reinen Entgeltrunden wie dieser könne man sich meist zügig einigen, die Arbeitgeber aber scheinen dieses Mal noch weniger als sonst bereit zu sein, der Gewerkschaft entgegenzukommen. Andererseits ist niemand wirklich bereit, sich auf einen langen Arbeitskampf einzulassen.

Tarifverhandlungen folgen einem Ritual – ist das noch zeitgemäß?

Die Tarifpartner machen es normalerweise spannend: Bis es zu einer Einigung kommen kann, müssen sie sich einige Male zusammensetzen. Wenn es nicht vorangeht, drohen beide Seiten oftmals mit dem Abbruch der Verhandlungen. Meist werden diese Konflikte dann in dramatischen Abend-, manchmal sogar in Nachtsitzungen entschieden. Der ganze Verhandlungspoker entbehrt nicht einer gewissen Dramaturgie. Die Öffentlichkeit spielt auch in der Endrunde eine große Rolle. Deshalb achten die meisten Tarifpartner auch darauf, ihre Endrunden pünktlich zum „heute-journal“ oder zu den „Tagesthemen“ zu beenden – oder zu den Frühsendungen in Radio und TV. Damit sorgt man für Aufmerksamkeit – auch gegenüber den eigenen Verbands- oder Gewerkschaftsmitgliedern.

Wie geht es jetzt weiter?

Am 9. März beginnen die Tarifverhandlungen in Niedersachsen. Ende März läuft der Tarifvertrag aus, in der Nacht zum 29. April die Friedenspflicht.