ICE-Verkehr bleibt wohl noch drei Jahre beeinträchtigt
18.02.2010 | 16:51 Uhr 2010-02-18T16:51:28+0100
Berlin.Bahnfahrer müssen voraussichtlich noch für die kommenden drei Jahre mit Einschränkungen im Fernverkehr rechnen. So lange dürfte das Austauschen der mangelhaften Achsen bei ICE-Zügen dauern. Ersatz soll auch aus dem Ausland kommen.
Bahnkunden müssen noch deutlich mehr als zwei Jahre mit Einschränkungen im ICE-Verkehr leben müssen. Die Achsen der 67 ICE-T-Züge der Deutschen Bahn AG sollen erst ab Ende 2011 ausgetauscht werden, wie der zuständige Konzernvorstand Volker Kefer am Donnerstag in Berlin mitteilte. Bis dahin und auch während der Austauschaktion der insgesamt 1.872 Radsätze werden die kurzen Inspektionsintervalle beibehalten, die zurzeit den Einsatz der Züge begrenzen. Die Aktion dürfte gut ein Jahr dauern.
Die Aktion kostet laut Kefer deutlich mehr als 50 Millionen Euro. Die Bahn AG habe sich mit dem Hersteller, dem französischen Konzern Alstom, auf eine Aufteilung des Aufwands geeinigt, über deren Details allerdings Stillschweigen vereinbart worden sei. Kefers Angaben zufolge sind die ersten neuen Achsen bereits im Bau. Sie müssten aber erst ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Da sie teilweise neu konstruiert werden mussten, dauere es bis zur Freigabe wahrscheinlich bis Ende 2011. Danach sollen die Züge so in den Werken München, Frankfurt und Krefeld damit bestückt werden, dass der Fahrplan möglichst wenig beeinträchtigt wird.
Engpässe vor allem im Winter erwartet
Kefer sagte wegen der vorerst beibehaltenen engen Prüfintervalle von 20.000 bis 30.000 Kilometer weitere Knappheit an Zügen voraus. Die Achsen, die sich als möglicherweise nicht dauerhaft fest erwiesen haben, müssen dabei auf mögliche Risse untersucht werden. Das hat mangelnde Zug-Reserven zur Folge, insbesondere im Winter, wo die schnellen Züge deutlich empfindlicher sind als in schnee- und eisfreien Jahreszeiten.
Zusammen mit der Industrie werde versucht, die technische Verfügbarkeit aller Züge hochzutreiben. „Wir sind uns auch nicht zu fein, überall nachzufragen und gegebenenfalls zusätzliches Material aus dem Ausland zu holen, wo immer es verfügbar ist“, sagte Kefer.
Französische TGV-Züge als Lückenbüßer
Zurzeit fahren fast ausschließlich französische TGV-Züge auf den Strecken zwischen Frankfurt/Stuttgart und Paris, obwohl der Fahrplan eigentlich eine Bedienung je zur Hälfte mit deutschen und französischen Hochgeschwindigkeitszügen vorsieht. Die so frei gewordenen ICEs helfen derweil im inländischen Fernverkehr aus.
Seit der Entgleisung eines ICE aufgrund des Bruchs einer Radsatzwelle im Juli 2008 im Kölner Hauptbahnhof führt die Bahn auf Anweisung des EBA alle 30.000 Kilometer Ultraschalluntersuchungen durch, was derzeit zu erheblichen Einschränkungen im ICE-Verkehr führt. Ursprünglich war ein Intervall von 300.000 Kilometern vorgesehen. Bis zum Austausch der Achsen werden diese Intervalle beibehalten. (ddp/apn)

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