HSBC-Chef gerät im Steuerskandal in den Fokus

Die Großbank HSBC steht aktuell nicht gut da.
Die Großbank HSBC steht aktuell nicht gut da.
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Was wir bereits wissen
Britische Großbanken kommen seit der Finanzkrise 2008 kaum aus den Negativ-Schlagzeilen. Nun hat es auch die HSBC erwischt, eine der größten Banken der Welt. Der Steuerskandal in der Schweiz trifft ihren Chef Gulliver persönlich. Und die Zahlen sind auch nicht rosig.

London.. Mitten im internationalen Skandal um die Steuerpraktiken der britischen Großbank HSBC hat das Geldinstitut schwache Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr vorgelegt. Der Gewinn fiel 2014 unter dem Strich um satte 15 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar (12,1 Milliarden Euro), wie die Bank am Montag in London mitteilte. Die Erträge stagnierten bei rund 62 Milliarden Dollar. Die HSBC-Aktie verlor um bis zu sechs Prozent und verhinderte einen Höhenflug des britischen Aktienindexes FTSE. Auch für das laufende Jahr hatte Bankchef Stuart Gulliver schon einmal eine Warnung parat: "Es sind noch eine Reihe von Altlasten abzubauen, und wir werden diesen Weg 2015 weiter gehen", sagte er.

Bank Gulliver geriet persönlich schwer in die Kritik, als herauskam, dass er bei der umstrittenen Schweizer Tochter seiner Bank selbst ein Konto unterhielt. Darauf wurden Bonuszahlungen überwiesen, die Gulliver während seiner Zeit bei HSBC in Hongkong erhalten hatte. Inhaber des Kontos war eine Firma aus Panama. Gulliver erklärte dies am Montag damit, dass vor den HSBC-Mitarbeitern seine Einkünfte aus der Zeit vor 1990 verborgen werden sollten. Er habe stets den Steuerhöchstsatz auf alle seine Einkünfte gezahlt, betonte er.

HSBC-Chef über Zahlen der Bank enttäuscht

Die Enthüllung gilt sowohl für Gulliver als auch für die Bank als peinlich. Er hatte stets wert auf die Feststellung gelegt, dass er erst 2008 dem Vorstand beigetreten und 2011 das Ruder übernommen habe. Zu dieser Zeit seien die Steuervermeidungspraktiken in der Schweiz bereits ausgemerzt gewesen. Gulliver hatte sich im Namen der Bank in ganzseitigen Zeitungsanzeigen entschuldigt. Umso größer ist die Verwunderung, dass er nun selbst am Pranger steht. Der Steuerskandal sei eine "Quelle der Scham und des Schadens für die Reputation", räumte Gulliver ein.

Über das Abschneiden seiner Bank im vergangenen Jahr zeigte sich der Top-Manager enttäuscht. Er sprach zugleich von Fortschritten im operativen Geschäft. Nach wie vor gebe es aber eine Reihe von Risiken für die Wirtschaft allgemein und die Branche im Speziellen. Da die Bank ihren Sitz in London habe, sei der mögliche Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union die größte Unsicherheit für sein Haus. (dpa)