Hoher Einsatz für die Höchstspannung

Dortmund/Hagen..  Silbern glänzt das zentimeterdicke Aluminium-Stahl-Seil in der Sonne, die auf die Felder und Weiden im Dortmunder Südwesten scheint. Dort, wo sich am Boden die Autobahnen 44 und 45 treffen, kreuzen sich in luftiger Höhe die Stromtrassen der Netzbetreiber Amprion und Westnetz. Während unten auf der Sauerlandlinie aktuell kein Auto unterwegs ist, herrscht in luftiger Höhe Hochbetrieb: 56 Monteure sind damit beschäftigt, neue Seile der Überlandleitung von Mast zu Mast zu ziehen. Insgesamt 42 Kilometer. Amprion verstärkt sein Netz: von 220 Kilovolt auf 380 Kilovolt Höchstspannung. Mehr Kapazitäten in Zeiten der Energiewende. Eine Millioneninvestition. Und ein Projekt, bei dem Mensch und Maschine gefragt sind.

Ein Meter, zwei Kilogramm Gewicht

Vom Boden betrachtet sehen die Arbeiter wie Spielzeugfiguren aus. In gut 65 Meter Höhe stehen sie in den Auslegern der Strommasten oder hängen an den Seilen. „Die Herausforderung ist eigentlich die Zeit“, sagt trotz des hohen Einsatzes Holger Augert, Baukontrolleur von Amprion: Weil die beiden Überlandleitungen ausgerechnet über der Autobahn zusammentreffen („Das ist ganz selten der Fall“), und auch noch eine 110-Kilovolt-Leitung der Deutschen Bahn dort verläuft, muss die A 45 während der Arbeiten gesperrt werden. Ausgerechnet die A 45: eine der meist befahrenen Nord-Süd-Schnellstraßen in NRW. Immerhin hat Augert eine gute Nachricht für alle Verkehrsteilnehmer, die derzeit ihre Zeit auf den Umleitungen und Ausweichstrecken verbringen: Die Arbeiten liegen „im Zeitplan“. Obwohl Sturmtief Niklas einen Tag Zeit gekostet hat. Am Freitag (10. April) soll ab 5 Uhr die Sauerlandlinie wieder befahrbar sein.

Der Austausch der Leitungsseile läuft nämlich wie am Schnürchen. Zwei alte Masten sind durch neue ersetzt worden; die Monteure ziehen mit Winden die neuen Aluminium-Stahl-Seile in die Höhe. „Der Stahlkern wegen der Festigkeit und der Aluminiummantel wegen der besseren Leitungsfähigkeit von Strom“, erklärt Augert das Material. Trotz der Motorwinden, die Meter für Meter des silbernen Strangs ziehe: Die letzten Zentimeter müssen die Monteure mit Muskelkraft bewegen. „Damit die Seile die korrekte Höhe haben. Nicht durchhängen, aber auch nicht zu stark gespannt sind.“ Aus 65 Metern Höhe knarzt die Handwinde: Ein Meter Seil wiegt zwei Kilogramm.

Anschluss für Hagen-Garenfeld

Künftig verlaufen bei Dortmund-Kruckel östlich der A 45 drei 380- und zwei 110-Kilovolt-Leitungen. „Mehr Volt und Ampere bedeuten auch mehr Watt und damit mehr elektrische Leistung“, beschreibt Baukontrolleur Augert die Aufrüstung des Netzes. Letztlich gehört der Teil der ausgebauten Stromnetzkreuzung bei Dortmund-Kruckel zu Trassen, die in Richtung Norden nach Münster und Lingen verlaufen und nach Osten das Amprionnetz über Hamm und Bielefeld/Gütersloh an die große Nord-Süd-Trasse von Tennet anschließen.

Zusammen mit dem Ausbau der Umspannanlage Kruckel investiert Amprion 23 Millionen Euro, wobei der Ausbau der Umspannanlage für das Enervie-Versorgungsgebiet von Bedeutung ist: Von dort aus wird, über den Hengsteysee, später die Hochspannungsleitung verlaufen, die zur neuen Kupplungsstelle in Hagen-Garenfeld führt – und mit der das Enervienetz endgültig aus seiner Insellage befreit werden soll. 2020 soll es soweit sein.