Hoesch-Werk steht vor dem Aus

Dortmund..  Mit 111-jähriger Erfahrung und renommiertem Namen wirbt die Hoesch Spundwand und Profil GmbH in Dortmund für ihre weltweit begehrten Stahlprofile. Doch beides kann das kurz HSP genannte Unternehmen, das als letzter namentlicher Überlebender alter Hoesch-Herrlichkeit gelten darf, wohl nicht mehr retten. Der Mutterkonzern Salzgitter AG will das Werk offenbar schließen. 343 Beschäftigte stehen vor dem Aus. „Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation und weil alternative Lösungen nicht sichtbar sind, ist eine Stilllegung nicht ausgeschlossen“, sagte ein Sprecher des Salzgitter-Konzerns auf Nachfrage dieser Zeitung.

Hitzige Debatten

Am Montag waren bereits Betriebsräte und Werksleiter über das drohende Ende der auf ein Patent aus dem Jahr 1904 zurückgehenden Dortmunder Spundwandproduktion informiert worden. Gestern kam es auf einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung zu hitzigen Debatten. Eine klare Ansage seitens der Geschäftsführung erhielten die Mitarbeiter indes nicht.

Dennoch scheint das Ende des Werks nur noch eine Frage von Monaten zu sein. Dass HSP als Wackelkandidat im großen Salzgitter-Reich gilt, ist schon länger bekannt. Die Dortmunder produzieren zwar nahezu konkurrenzlos Spundwände für Deiche, Kaimauern und Baugruben. Doch Geld verdient Salzgitter mit seiner Ruhrgebiets-Tochter schon lange nicht mehr. Nach Konzernangaben schreibt HSP Jahr für Jahr Millionenverluste. Das Defizit soll sich bislang auf insgesamt 300 Millionen Euro summieren. Zu schaffen macht dem Unternehmen neben der schwachen Bautätigkeit in Europa auch ein neuer Konkurrent, der dank billiger Energie kostengünstiger produzieren kann: Emirate Steel aus dem Öl-Scheichtum Abu Dhabi.