Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Versicherungen

Höhere Tarife durch Unisex-Tarife bei Versicherungen?

13.11.2012 | 19:58 Uhr
Höhere Tarife durch Unisex-Tarife bei Versicherungen?
Ob Männlein oder Weiblein – für Versicherungen muss das bald gleichgültig sein.Foto: dapd

Dortmund.   Am 21. Dezember 2012, ändert sich Grundlegendes auf dem deutschen Versicherungsmarkt. Ab dann dürfen in weiten Teilen nur noch „Unisex-Tarife“ angeboten werden. Das heißt, keine Differenzierung mehr nach Geschlecht. Für einige Versicherungstypen hat das kaum Auswirkungen, für manche bedeutet es aber, dass sie über 50 Prozent teurer werden dürften.

In gut fünf Wochen, am 21. Dezember 2012, ändert sich Grundlegendes auf dem deutschen Versicherungsmarkt. Ab dann dürfen in weiten Teilen nur noch „Unisex-Tarife“ angeboten werden. Das heißt, keine Differenzierung mehr nach Geschlecht. Für einige Versicherungstypen hat das kaum Auswirkungen, für manche bedeutet es aber, dass sie über 50 Prozent teurer werden dürften. Ein Überblick.

Warum werden die Unisex-Tarife eingeführt?

Die EU schreibt es vor. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die Berechnung von Versicherungstarifen unabhängig von Geschlechtsfaktor erfolgen muss. Verträge, die ab dem 21. Dezember 2012 abgeschlossen werden, müssen also „neutral“ berechnet sein.

Betrifft das alle Versicherungen?

Nein, aber viele. Betriebliche Altersvorsorge ist bislang von dieser Regelung noch ausgenommen. Die Versicherungswirtschaft kritisiert das, weil sie Wettbewerbsverzerrung zu Lasten anderer Altersvorsorgeformen befürchtet. Bei Riesterverträgen etwa gilt Unisex bereits seit 2006. Veränderungen gibt es bei der Rürup-Rente (Basis-Rente), der privaten Rente, bei Kapitalbildenden Lebensversicherungen (LV) und Risiko-LV. Außerdem bei Berufs-/Erwerbsunfähigkeitsversicherung, privater Krankenversicherung, KFZ-Versicherung: und Unfallversicherung (siehe Grafik).

Bei Risikolebensversicherungen wird es für Frauen zum Beispiel erheblich teurer. Lohnt sich jetzt noch ein schneller Abschluss?

„Versicherungsschutz, der vielleicht erst in ein paar Jahren benötigt, aber heute abgeschlossen wird, rechnet sich nicht“, warnt Elke Weidenbach, Expertin der Verbraucherzentrale NRW. Momentan werde die Situation von einigen schwarzen Schafen ausgenutzt und „viel Quatsch angeboten“. Umgekehrt heißt das aber, wer ohnehin überlegt, beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Risikolebensversicherung abzuschließen, sollte sich noch einmal Gedanken machen.

Die Beiträge sinken nicht gleichermaßen für das eine Geschlecht, wie sie für das andere Geschlecht steigen. Woran liegt das?

Die Versicherungswirtschaft begründet das mit Risikoabsicherung, weil sie nicht genau wissen, wie viele Frauen und Männer den neuen Unisex-Tarif wählen werden. Deshalb beruhen die Beitragsberechnungen der Versicherungsmathematiker auf Schätzungen. Liegen sie daneben, haben sie dafür den finanziellen „Puffer“ eingebaut. Der ist der Grund dafür, dass die Neuregelung unter dem Strich zu einer Verteuerung führt. „Das Versichertenkollektiv muss die Änderung tragen können, deswegen ist der Puffer in Ordnung“, sagt Weidenbach.
Was passiert mit laufenden Versicherungsverträgen?
Unisex gilt nicht für bestehende Verträge. Aber Achtung: Immer dann, wenn eine Vertragsänderung die Zustimmung beider Parteien erfordert, kommt das einem Neuabschluss gleich, ab dann wird der Beitrag neu berechnet. Zum Beispiel bei nachträglicher Einführung einer Dynamik (Beitragsanpassung an die Inflation). Kommt es zu „normalen“ Beitragsanpassungen, gilt das nicht als Neuabschluss. Unisex gilt in jedem Fall, wenn der Vertragsabschluss erst nach dem 21. Dezember erfolgt. Wenn das Angebot vor dem 21. Dezember erfolgt, der Abschluss aber nach dem Stichtag. Außerdem, wenn ein auslaufender Vertrag erst nach dem Stichtag verlängert wird.

Jens Helmecke



Kommentare
Aus dem Ressort
Sparprogramm gefährdet 1200 Jobs bei Chemie-Konzern Lanxess
Arbeitsmarkt
Die Mitarbeiter des Chemie-Unternehmens Lanxess sind besorgt. Es heißt, der Konzern will bis zu 1200 Stellen abbauen. Besonders stark betroffen von den Sparplänen sind demnach die Standorte Düsseldorf und Köln. Betriebsbedingte Kündigungen sind offenbar nicht ausgeschlossen.
Stadt Herne will verlassenes Hertie-Haus kaufen und abreißen
Leerstand
Die Stadt Herne will das Hertie-Haus in Herne-Mitte kaufen und abreißen: Eine Tochtergesellschaft steht vor der Einigung mit dem Insolvenzverwalter und Gläubigern. Ziel ist die Aufhebung des Denkmalschutzes und der Verkauf des Grundstücks an einen Investor.
Staatsanwälte wollen Thomas Middelhoff im Gefängnis sehen
Prozess
Drei Jahre und drei Monate Gefängnis für Thomas Middelhoff. So lange wollen die Ankläger den früheren Chef von Karstadt-Quelle in Haft sehen. Sie werfen dem 61-Jährigen vor, den Konzern mit privaten Kosten in Höhe von fast einer Million Euro geschädigt zu haben.
Apple-Chef Tim Cook: "Ich bin schwul und stolz darauf"
Coming-Out
Apple-Chef Tim Cook hat sich als homosexuell geoutet. "Ich bin stolz, schwul zu sein", schrieb der 53-Jährige in einem Beitrag für das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Businessweek". Viele Kollegen bei Apple wüssten das bereits, schrieb Cook. Er hoffe, dass sein Schritt anderen helfen könne.
Heißen soll Energie-Pilotquartier fürs Ruhrgebiet werden
Stadtentwicklung
Mülheim-Heißen soll Energie-Pilotquartier für das Ruhrgebiet werden. Die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr will im Viertel zwischen Bahnlinie und Hingbergstraße Erkenntnisse gewinnen, wie energetische Gebäudesanierungen vorangetrieben werden können. Das Vorhaben ist auf vier Monate angesetzt.
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?